Attersee - Blut - Cover
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Attersee Blut


  • Label: Monkey Music/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Mit Christian Ludwig Attersee über Musik zu sprechen, endet zumeist in der tendenziell schmerzlichen Erkenntnis, auch als Fachmann vor dem umfangreichen musikalischen Wissen des Malerfürsten kapitulieren zu müssen. Es gibt nahezu nichts zwischen Walther von der Vogelweide und Antony, worüber Attersee nicht Bescheid wüsste; niemand zwischen Louis Armstrong und Joe Zawinul, von dem er keine Ahnung hätte; kein Name zwischen Elvis Presley und Alison Krauss, der ihm fremd wäre; nichts von Mozart bis Schönberg, und auch nichts von ugandischen Stammesgesängen bis zu Zigeunermusik, zu dem diesem Manne keine Zusammenhänge, Anekdoten oder Hintergründe einfielen“ steht im Booklet zu „Blut“.

Der österreichische Pop-Art-Künstler soll daher auch hin und wieder „regelmäßige Fachsimpeleien mit Musikern durchaus unterschiedlicher Provenienz von Bela Koreny bis Udo Jürgens, von Bob Dylan bis Julian Rachlin, von David Bowie bis Karl Ratzer, von Rainhard Fendrich bis zu den Rolling Stones, von Lou Reed über Rudolf Buchbinder bis zum in Lunz am See siedelnden Avantgardemusiker Joachim Roedelius“ haben. Dabei ist er auf einem Ohr taub und greift gerne selber zum Instrument, sei es Klavier, Gitarre oder Ziehharmonika, obwohl er keines davon wirklich gelernt hat. Mit seiner Stimme weiß er sein Publikum, in diversen Auftritten mit anderen Künstlern, auch zu beeindrucken.

Man kann also schwerlich bestreiten, dass Herr Attersee, der vor kurzem seinen 65. Geburtstag gefeiert hat, unmusikalisch sei. Zwischen 1980 und 1998 hat er eigene Platten veröffentlicht und konnte einige Achtungserfolge mit Singles wie „Rampi“ oder dem „Attersee-Lied“ verbuchen. Die elf Tracks stellen nun aber kein rein neues Material dar, sondern sind Remixe von veröffentlichten, unveröffentlichten und frischen Stücken durch die zwei bekanntesten alpenländischen Produzenten aleXdrum (Alex Deutsch) und Don Summer (Hannes Schober) im Jazz- und Hip Hop Sektor. Jazz fehlt allerdings völlig und vom Hip Hop sind nur die Bässe übrig geblieben. Aber warum soll man immer dasselbe machen? „Blut“ vereint vielmehr Drum´n´Bass, House und Dance und holt sich Samples auf der einen Seite logischerweise von bisherigen Atterseetracks und auf der anderen von Internetradios. Nicht immer fällt die Wahl sehr glücklich aus, sodass fast über die ganze Spielzeit konsequente Wiederholung herrscht. Hin und wieder schleichen sich ein paar pfiffige Ideen ein, wie der Beginn von „Glaserl“, der eine Neuinterpretation von „Kommt ein Vogerl geflogen“ ist oder die Schöpfungstheorie á la Attersee in „Menschenverstand“.

Das einzige wirkliche Highlight ist der Song „Frucht & Form“, der mit kratzigen Beats und den durch eine Opernsängerin wiedergegebenen Titel, verzückt, Freude bereitet und zum Wiederhören einlädt. Der Rest bewegt sich ziemlich konstant knapp unter Durchschnitt. Von einem derart musikkundigen Mann, hätte man auf jeden Fall mehr erwarten können, zumal das Mitspracherecht bei der Produktion der Songs sicher gegeben war. Oder hat Herr Attersee längere Zeit mit dem falschen Ohr zugehört?

Anspieltipps:

  • Frucht & Form
  • Hand in Hand
  • Menschenverstand
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