Christina Stürmer - Schwarz Weiss (Deluxe Edition) - Cover
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Christina Stürmer Schwarz Weiss (Deluxe Edition)


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine erfolgreiche Mission, die mit einer „Deluxe Edition“ noch weiter ausgebaut werden soll.

Beim Skispringen gibt es zu Qualifikationszwecken ein Stechen, bei dem zwei Konkurrenten gegeneinander antreten. Der bessere, dessen Gesamtnote sich aus Sprung- und Haltungsnote zusammensetzt, kommt eine Runde weiter, der andere scheidet aus. Vorläufig, denn sollte der Verlierer im direkten Duell gut genug gesprungen sein, um dennoch im totalen Ranking einen respektablen Platz zu belegen, ist dieser ebenfalls eine Runde weiter – Glück im Unglück, ein „Lucky Loser“ eben. Im Musikbusiness gibt es diesen Begriff auch. Paradigma hierfür ist Robbie Williams, der zu Zeiten von Take That großteils im Hintergrund tätig war und jetzt mit seiner Solokarriere eine Million nach der anderen einsackt. Seinen übrigen Bandkollegen ist es allesamt nicht geglückt nach der Trennung weiterhin zu profilieren, waren aber, wie die Boyband noch bestand, im Gegensatz zu Herrn Williams im Rampenlicht.

Einen ganzen Haufen „glückliche Verlierer“ bringen die unzähligen Castingshows dieser Welt hervor. „Popstars“, „Deutschland sucht den Superstar“, „American Idol“ und wie sie alle heißen, beherbergen, nachdem die Spreu vom Weizen getrennt wurde, viele gesanglich beeindruckenden Künstler. Am Ende der jeweiligen Show wird ein Sieger gekürt, dem ein Plattenvertrag und eine Aufnahmesession mit einem prominenten Produzenten winkt (in Deutschland leider meistens Dieter Bohlen). Die Zweit-, Dritt- und sonstigen Platzierten lassen sich aber nicht unterkriegen und suchen auf eigene Faust nach einen Label, bei dem sie unterzeichnen können, schließlich will jeder ein Star sein. Da durch die dokumentarisch angelegten Folgen einer Staffel dieses Formats auch quakende Frösche (Daniel Küblböck) und kleine Schwindler (Gracia Baur) ihre Fans anhäufen, erlangen diese über kurz oder lang trotzdem für einige Zeit Berühmtheit.

2002 gab es in Österreich eine Sendung, die ein ähnliches Schema inne hatte, mit dem Namen „Starmania“, dem ein Jahr darauf die Fortsetzung „Starmania NG“ (für New Generation) folgte. An der ersten Staffel beteiligte sich eine gelernte Buchhändlerin, die in den Vorausscheidungsrunden das Publikum durch souveräne und mitreißende Auftritte in ihren Bann zog und sich somit (als einzige Frau) ohne Probleme ins Finale trällerte. Michael Tschuggnall, Boris Uran und Christina Stürmer hießen die Drei, die um den heiß begehrten Plattenvertrag gegeneinander antraten. Bevor es allerdings zu einer Entscheidung kam, mussten alle ein selbst gewähltes Lied vortragen, dass ihnen besonders am Herzen liegt.

Boris Uran präsentierte einen Song seines großen Vorbildes Xavier Naidoo und Christina Stürmer stimmte die Sportfreunde Stiller an. Die große Favoritin schien den Sieg für sich entschieden zu haben, doch mit der außergewöhnlichen letzten Darbietung des zweiten männlichen Finalisten hatte wohl keiner gerechnet. Michael Tschuggnall trug nicht nur ein eigens komponiertes Lied vor, nein, er begleitete sich dabei auch selbst am Klavier. Der Track „Tears of happiness“ war seiner Freundin gewidmet und rührte das Alpenland zu Tränen. Dagegen hatte Stürmer, die nach eigenen Aussagen nie ein Lied auf Englisch vortragen würde („Ich möchte genau wissen, wovon ich singe“), keine Chance. Sichtlich enttäuscht gratulierte sie dem Gewinner. Doch es sollte nicht lange dauern bis sich die Nummer Zwei zu einem „Lucky Loser“ entpuppte.

Ihre erste Single „Ich lebe“ stieß kurze Zeit darauf Tschuggnalls Siegessong vom Thron und verweilte dort selber neun Wochen, was ein herber Rückschlag für den Gewinner von Starmania war. Nicht einmal in den LP-Charts hatte er den Hauch einer Chance gegen die Buchhändlerin, sodass er binnen kürzester Zeit von der Bildfläche verschwand (in diesem Jahr versuchte er mit „Phoenix“ ein Comeback). Stürmer hingegen wurde ihrem Namen gerecht und verbuchte Rekordverkaufszahlen ihres Debüts „Freier Fall“, das sie zum erfolgreichsten österreichischen Popstar nach Falco machte. „Soll das wirklich alles sein?“ war das ein Jahr darauffolgende Album und ging wieder erwartungsgemäß mehrere tausend Male über alpenländische Ladentische. Mit dem im Mai 2005 veröffentlichten Album „Schwarz Weiß“ soll nun der deutsche Musikmarkt in Angriff genommen werden, das gewissermaßen ein Best-Of der bisherigen (in Österreich erhältlichen) zwei Alben widerspiegelt und nebenbei drei neue Songs beinhaltet. Nach 200.000 verkauften Einheiten und Platinstatus kann man in diesem Sinne von einer erfolgreichen Mission sprechen, die mit einer „Deluxe Edition“ noch weiter ausgebaut werden soll. Die Songs, die im Vergleich zur Fassung der beiden Alben, etwas aufgepeppt wurden, werden nun um eine DVD erweitert, die mit Dokumentationen und Livemitschnitten von „Ich lebe“ und „Glücklich“ aufwartet.

Am Songmaterial hat sich nichts geändert, Bonustracks oder zusätzliches Audiomaterial wurden der CD nicht hinzugefügt. Die daher durchwegs bekannten 13 Stücke auf „Schwarz Weiß“ orientieren sich an den in jüngster Zeit äußerst erfolgreichen deutschen Popbands wie Wir sind Helden und Juli, daher verwundert es nicht wenn beim Opener „Bist du bei mir“ die Melodie von Silbermonds „Letzte Bahn“ erklingt und auch die restlichen Stücke nicht besonders innovativ aus den Boxen tönen. Durch den hohen Wiedererkennungswert von Stürmers Stimme werden einige Stücke aber durchaus aufgewertet und erzielen kurzweilig den Effekt von Eigenständigkeit. Dadurch drückt der Hörer bei scheinbar sinnfreien Texten wie bei „Engel fliegen einsam“ auch schon mal, in Anbetracht der sonst gelungenen Darbietung, ein Auge zu.

Wie schon die beiden ersten Alben vorausgeschickt haben, fehlt es Christina mitunter an interessantem Songmaterial, dass sich deutlich von der Masse abhebt. Noch schwimmt sie mit „Schwarz Weiß“ auf der Deutschpop-Welle mit. Sollte die Flut aber erst mal abgeebbt sein, muss sie sich ziemlich schnell etwas anderes einfallen lassen. Auf die Dauer reicht es nämlich nicht, kurzweilige Pop/Rocksongs, wenn auch mit guter Stimme, vorzutragen. Und etwas mehr Biss könnten einige Stücke durchaus vertragen.

Anspieltipps:

  • Ich lebe
  • Glücklich
  • So wie ich bin
  • Engel fliegen einsam
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