Bushido - Staatsfeind Nr. 1 - Cover
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Bushido Staatsfeind Nr. 1


  • Label: Urban/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 69 Minuten
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1/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der 4. November 2005 ist ein ganz besonderes Datum im Leben des 27jährigen Anis Ferchichi alias Bushido. An diesem Tag erscheint sein viertes Album „Staatsfeind Nr. 1“. Nach „Electro Ghetto“ (2004) ist es das zweite für den Branchenriesen Universal. Am selben Tag findet im österreichischen Linz aber auch die Gerichtsverhandlung statt, in der sich entscheidet, ob der Ex-Aggro-Berlin-Rapper wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung für zehn Jahre hinter Gitter muss.

Bis zur Verhandlung ist Bushido gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von 100.000 Euro auf freiem Fuß, nachdem er am 30. Juli festgenommen wurde und insgesamt 15 Tage in U-Haft verbrachte. Er steht unter dem dringenden Verdacht, zusammen mit zwei Freunden einen 19jährigen Jungen fast zu Tode geprügelt zu haben, weil dieser nach einem Konzert im Musikclub „Kapu“ angeblich die Reifen an Bushidos Auto zerstochen hat. Was wie eine Meldung aus „Aktenzeichen XY ungelöst“ klingt, ist leider bittere Realität, die von dem Beklagten folgendermaßen kommentiert wird: „Ich werde wegen dieser Geschichte bestimmt mehr Platten verkaufen. Deswegen würde ich so etwas aber nicht tun!“

Glaubwürdigkeit hin oder her, wegen dieser Geschichte wird immer ein Makel auf dem Rapper lasten, der bereits zwei indizierte Alben zu verzeichnen hat, weil seine Texte gewaltverherrlichend, sexistisch und asozial sind. Als Zugeständnis an seine neue Plattenfirma will der 27-Jährige zukünftig zumindest auf die Kombination Sex und Gewalt verzichten, weil darin der häufigste Indizierungsgrund liegt. Doch genau damit hat Bushido innerhalb kürzester Zeit die HipHop-Szene in Deutschland aufgemischt, über 200.000 Tonträger verkauft und die Presse in Aufruhr versetzt. Mit Bezeichnungen wie „Schweinereimer“ (Rolling Stone), „Grobian“ (Der Spiegel) und „Krawallrapper“ (Süddeutsche Zeitung) wurde die neue Musikkultur von der Straße sogar in seriösen Blättern unter die Lupe genommen.

Nicht nur dass erhebliche Teile des neuen Albums im Gefängnis entstanden, Bushido hat auch im Vergleich zum Vorgänger „Electro Ghetto“ das Produktionsteam komplett ausgewechselt. Das Vertrauensverhältnis gegenüber seiner alten Gang war nach Bushidos Aussage nachhaltig gestört. Deshalb entstand „Staatsfeind Nr. 1“ zusammen mit dem Linzer Beatlefield-Team alias Chakuza und DJ Stickle. Es enthält Features von Saad, D-Bo, Godsilla, Eko Fresh, Diplomat´s J.R. Writer und Cassandra Steen, die mit Bushido auf 17 „krasse Kiez-Hymnen“ (plus Intro und Outro) steil gehen.

Unfassbar: Auch nach dem x-ten Durchlauf von „Staatsfeind Nr. 1“ fehlen dem Rezensenten fast die Worte ob der abgrundtief schlechten Lyrics des Kanaken-Rappers (sic!). Doch da Bushido ein Mann der deutlichen Worte ist, wird er selbige sicher vertragen können: Junge, was du hier 70 Minuten lang auf gähnend langweilige Beats geschraubt hast, ist wirklich nicht als Creme de la Creme des deutschen Rap zu bezeichnen. Da klicken die Automatikknarren und die Kugeln fliegen durchs Ghetto („Waffendealer“), du verkaufst Koks an Kinder, es hagelt einen Diss nach dem anderen, bis auch wirklich jeder dran war („Untergrund“) und irgendwie, irgendwann, irgendwo wirst du sie alle kriegen, um sie endgültig platt zu machen („Der Sandmann“) bzw. deren Mütter zu ficken („Ab 18“).

Du bist echt ein toller Hecht! Wirklich! Doch ist dir nicht klar, dass die Homies von East- und Westcoast denselben Shit schon vor 20 Jahren viel besser hingekriegt haben? Du weißt schon, Ice Cube, Ice-T, NWA und Public Enemy. Jetzt kommst du mit diesem Kanaken-Shit, der nichts als pubertäre Grütze darstellt, mit der sich vielleicht ein paar Ghetto-Kids beeindrucken lassen. Damit willst du dir krasses „Bling Bling“ verdienen, Bitches klarmachen und fette Poser-Karren anchecken, damit die Spacken aus dem Ghetto krass Optik schieben. Schön, dass auch du Ziele hast.

Du hältst dich also für den Staatsfeind Nr. 1? Dann pass gut auf! Gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 20.000 Euro bist du jetzt wieder ein freier Mann. Manchmal ist das Leben echt grausam. Aber irgendwann werden sie dich kriegen!

Eine CD-Besprechung mal anders. Realität oder Satire? Entscheidet selbst!

Anspieltipps:

  • Augenblick
  • Mein Leben - Feat. Chakuza
  • Bis wir uns wiedersehen - Feat. Cassandra Steen
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