The Mars Volta - Scab Dates - Cover
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The Mars Volta Scab Dates


  • Label: UNIVERSAL
  • Laufzeit: 74 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Elektronisches Geschwurbel, minutenlange Klangkulissen, die selbst mit massenhaft Hintergrundwissen nicht ganz zu erfassen sind, eine Hard/Progrock/Latin-Fusion, die einem die Schuhe auszieht und eine ordentliche Prise Hardcore – das durfte man bislang auf den ersten beiden Alben „De-loused In The Comatorium“, „Frances The Mute“ und der EP „Tremulant“ von Nachfolger Nummer eins der zu ihren Lebzeiten und darüber hinaus hochgelobten Formation At The Drive-In aus El Paso, Texas vernehmen.

The Mars Volta versuchen erst gar nicht irgendwelche Schubladen zu befriedigen, wie sie es anscheinend durch den steigenden Anhängerzuwachs zu Zeiten taten, als es sie und Sparta noch nicht gab, sondern die beiden eine Einheit darstellten. Einzige Gemeinsamkeit, die bislang ihre Werke durchlief, ist die Bewältigung der Selbstmorde von Julio Venega und Jeremy Ward, denen mit ihren beiden LPs Tribut gezollt werden soll. Doch anstatt die Fans mit den ungewöhnlichen Soundcollagen zu verschrecken, wurden sie als DER Nachfolger von At The Drive-In gehandelt (Sparta ist den Anhängern wohl trotz des genialen Songwritings zu schwachbrüstig).

Tourneen waren die logische Schussfolgerung und wer die Gelegenheit hatte einem Spektakel (Konzert wäre in diesem Fall eine maßlose Untertreibung) beizuwohnen, der hatte Karten schon einige Monate im Vorhinein gekauft oder hatte Glück, jemandem eine solche gegen viel Bares abzuschwatzen (der sich bekennende Fan schlug vor ausverkauftem Konzert dann auch schon mal ein Angebot von über 100 Euro aus, obwohl der Vorverkaufspreis bei läppischen 12 lag). Virtuos wurden dann maximal sechs bis sieben Stücke zum Besten gegeben, die Gesamtdauer belief sich aufgrund von ausschweifenden Soli und verlängerten Songpassagen dennoch auf durchschnittlich 70 Minuten. Genau wie das nun erschienene Live-Album, das von den Touren zu den beiden Alben zusammengestellt wurde und Stücke aus allen drei Werken enthält.

Hauptprotagonist Omar Rodriguez Lopez ließ es sich nicht nehmen, die Songauswahl zu treffen und diese gleich selbst abzumischen. Dabei ist ihm allerdings der Fehler passiert, dass er versucht hat, den Charakter des Aufgezeichneten nicht als live beizubehalten, sondern sämtliche publikumsähnliche Interferenzen auszuschalten und das Gesamtwerk als in einer Halle eingespielte Studiosession erklingen zu lassen. Nimmt man z.B. das letzte Monster „Cicatriz Pt. 4“ mit seinen 20 Minuten zum Ohr, so hört man über mehr als die Hälfte verschiedene Geräusche, die bei einem Mitschnitt vor Publikum nie so klar und rein vernommen werden können.

Durch diese plastische Umsetzung wird man an die schwer zu erschließenden Brocken „Miranda that ghost just isn’t holy anymore“ und „Cassandra geminni“ vom letzten Studioalbum erinnert, wo etwa dasselbe zu vernehmen war. Damit wurden zwei, für Mars Volta Verhältnisse, wichtige Punkte abgetötet: Das Erlebnis, das bei einem Auftritt durch die atypischen Klänge und Kulissen auch ohne bewusstseinsfördernde Mittel zu einer Art Trance führen kann und die geballte Kraft, die hinter jedem Mitglied der Band steckt. Letzteres deswegen, weil durch die Umsetzung in „Scab Dates“ das Gesamtwerk wie ein eigenständiges, neues Studioalbum klingt und dadurch nicht viel vom einzelnen Spieler transportiert wird. Natürlich bekommt man auch etwas von der ausufernden Spiellust der Band zu hören, aber angesichts des vorliegenden Materials wäre eine DVD, als was das Album eigentlich geplant war, mit ziemlicher Sicherheit sinnvoller gewesen.

Anspieltipps:

  • Concertina
  • Take The Veil Cerpin Taxt
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