P.O.D. - Testify - Cover
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P.O.D. Testify


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 50 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ist es nun Konsequenz oder Stillstand? Absicht oder künstlerischer Offenbarungseid? Allein schon der Name kann keinem der beiden Lager zugeordnet werden. Was sollen wir denn nun halten von diesem neuen Rap/Rock-Bastard, den uns Paul „Sonny“Sandoval (Gesang), Jason Truby (Gitarre), Noah „Wuv“ Bernando (Schlagzeug) und Mark „Traa“ Daniels (Bass) mit „Testify“ vorsetzen? Von einer musikalischen Weiterentwicklung oder gar einer innovativen Glanzleistung ist das Album Lichtjahre entfernt, soviel kann schon mal zu Protokoll gegeben werden. Aber wo liegen die Stärken? Was sind die Gründe, die selbst einen Gelegenheits-Warrior (so nennen P.O.D. ihre Fans) dazu bewegen könnte, sich in den Plattenladen zu begeben, um das neueste Machwerk zu erstehen? Das Anführen von überzeugenden Argumenten hierfür fällt leider kurz aus, denn je öfter sich die CD vom Laser erfassen lässt, desto unaufregender und belangloser erscheint einem das sechste Studiowerk der vier gottesfürchtigen Amis. Hätte es kein „Satellite“ (2001) oder den Nachfolger „Payable On Death“ (2003) gegeben, Ahnungslose könnten meinen, P.O.D. haben die letzen fünf Jahre verschlafen und sind erst jetzt auf den Crossover-Zug aufgesprungen.

Leider ist es nun mal anders und mit Rock/Rap/Metal-Crossover-Platten ist schon länger nicht mehr das schnelle Geld zu verdienen. Ein Umstand, von dem sich Limp-Bizkit-Frontmann Fred Durst wohl erst erholen muss, da der zweite Teil des „Unquestionable Truth“-EP-Duos nicht wie angekündigt ein halbes Jahr nach Part I veröffentlicht, sondern für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt wurde. Eine Erscheinung mit der sich das Quartett aus Southtown nicht zufrieden geben möchte. Sie bearbeiten den, durch den kommerziellen Flop des Vorgängers, ohnehin dünnen Ast, auf dem sie sich mit mehreren Platin-Auszeichnung in der Tasche vor einigen Jahren niedergelassen haben, weiterhin mit der gleichen, übergroßen Axt, die aus einer Legierung aus dröhnendem Bass, präzisen Riffs und gerappten Texten besteht und merken gar nicht, dass er in jeder Sekunde endgültig durch sein kann.

Dieser Destruktivismus schlägt sich vor allem in den Tracks nieder, die versuchen wollen, wie vor dem Ausstieg von Gründungsmitglied Marcos Curiel 2003 zu klingen, der anscheinend für den kreativen Input in der Band stand. Anders lässt es sich nicht erklären, dass nach seinem Abgang die Erfolgskurve von P.O.D. rasant abfiel und auch keine Anstalten gemacht wurden dies zu ändern. Zappelnde Songs wie „Mistakes & glories“, „Sounds like war“ oder „Say hello“ lösen beim Hörer eine undefinierbare Regung aus, die von Headbangen oder Kopfschütteln nicht unterschieden werden kann. Nicht anders verhält es sich mit den typischen, für die Charts geschriebenen Stücken. Wer will denn schon ein zweites „Alive“ („Lights out“) oder „Youth of the nation“ („Goodbye for now“) hören? Mit Sicherheit niemand, der älter als 14 ist. Das haben vor zwei Jahren schon, im Vergleich zum Megaseller „Satellite“, die miserablen Verkaufszahlen ihres fünften Outputs gezeigt.

Fehlt jetzt nur noch die Ausführung über die positive Seite von „Testify“, die, wie bereits erwähnt, bescheiden ausfällt: Die Platte macht zumindest ansatzweise Spaß. Auch wenn alles auf Album Nummer sechs bekannt und alles andere als frisch klingt, die Luftgitarre sitzt bei den wenigen guten Songs locker und wird auch dementsprechend zum Einsatz gebracht. Solche Platten muss es eben auch geben. Schade nur, dass es bei P.O.D. soweit kommen musste.

Anspieltipps:

  • Sounds like war
  • Mistakes & Glories
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