Dredg - Leitmotif - Cover
Große Ansicht

Dredg Leitmotif


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Als Dredg sich 1995 in Los Gatos zusammentaten, um eine Band zu gründen, wussten sie bestimmt noch nicht, für wie viel Wirbel ihre Musik sorgen würde. Ihre Reise begann mit den zwei EPs „Conscious“ und „Orph“, die noch sehr von Hardcore und Rap beeinflusst waren. Doch ihr selbst finanziertes Debütalbum, das 1999 in limitierter Auflage herauskam, hinterließ im Underground tiefe Spuren. Selbst das Majorlabel Interscope schien davon begeistert gewesen zu sein. Denn nach einem Plattenvertrag folgte am 11. September 2001 der Re-Release des Debüts „Leitmotif“, um ein paar Monate darauf mit „El Cielo“ für Freudensprünge, seitens der Kritiker zu sorgen.

„Leitmotif“ ist die Reise eines geistig erkrankten Mannes, der sich durch verschiedene Kulturen, die er auf seinem Weg antrifft, Heilung erhofft. Die im Booklet veröffentlichte Geschichte wurde vom Allround-Künstler und Bassisten der Band Drew Roulette geschrieben. Einzelne Zitate tauchen auch in den Songtexten auf. Da die Texte aber nie veröffentlicht wurden und der Gesang sehr weit in den Hintergrund gemixt wurde, ist die Interpretation sehr schwierig. Das sollte aber niemanden stören, denn die Musik sagt alles, was gesagt werden muss.

Der Opener „Symbol song“ – dem chinesischen Zeichen für „Wechsel“ gewidmet – wird durch einen „Spirit catcher“ eingeleitet. Der Song besticht durch großartige Dynamik und Härte, wobei es nie an der notwendigen Melodie mangelt. Das kurze, aber prägnante „Movement I: @45°N. 180°W“, führt ohne Pause die Dynamik des Openers fort. Mit dem längerem Intro von „Lechium“ beginnt das Lied sehr ruhig und bietet ein Wechselspiel zwischen harten und ruhigen Passagen. Hier kommen auch gegen Ende die Hardcore-Wurzeln in Form von Geschrei zum Vorschein. Nach dem zweiten Movement („Movement II: Crosswind minuet“) überzeugt das Lied mit dem langen Titel „Traversing through the arctic cold we search for the spirit of Yuta“ vor allem durch den zurückhaltenden Gesang von Gavin Hayes und die hervorragende Gitarrenarbeit von Mark Engles. Über das elektronisches Intermezzo („Intermission“) und das weitere „Movement III: Lyndon“, welches nach dem Gastsänger benannt ist, folgt der wohl härteste Song des Albums.

„Penguins in the desert“ ist das Bindeglied zwischen „Leitmotif“ und dem nachfolgendem Album „El Cielo“. Hier rumpelt und kracht es, hier wird geschrien und Aggressionen abgebaut. Neben „Symbol song“, ist das der eingängigste Track des Albums. Mit „Movement IV: RR“ und dem Höhepunkt „Yatahaze“ zeigt die Band ihr handwerkliches Geschick, wie man Spannungsbögen aufbaut, um in einem Feuerwerk für die Ohren zu enden. Den Abschluss bildet das instrumentale „Movement V: 90 hour sleep“, welches an ein Filmende erinnert. Für einen runden Schluss wird noch mal der „Spirit catcher“ als Outro benutzt.

Wenn der Hörer mit einer positiv bestimmten Einstellung an dieses Album herangeht, überwindet er auch die etwas langatmig geratenen Passagen. Ich habe vor einiger Zeit einen guten Vergleich gehört: „El Cielo“ ist ein glänzender Diamant, „Leitmotif“ hingegen, ein roher, von der Natur geschliffener Stein, den man einfach irgendwo findet und mitnimmt.

Neue Kritiken im Genre „Rock“
7.5/10

Out Of The Sun
  • 2016    
Diskutiere über „Dredg“
comments powered by Disqus