Furia - ... And Then We Married The World - Cover
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Furia ... And Then We Married The World


  • Label: Labels/EMI
  • Laufzeit: 48 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Furia kommen aus Norwegen, genauer gesagt aus einem kleinen Dorf namens Os in der Nähe der kreativen Musikmetropole Bergen. Ihr Bandname stammt aus der römischen Mythologie und verkörpert dort die drei Rachegöttinnen. Mit drei Damen in der Band geben sich Furia allerdings nicht zufrieden, denn um die Schwestern Stine (Gesang, Songwriting) und Kirsti Kobbeltvedt (Gitarre) tummeln sich noch drei andere Musikerinnen, die sich an der zweiten Gitarre, dem Bass und den Drums betätigen und somit die klassische Rock-Formation ergeben. Wenn man sich allerdings das spärliche Booklet anschaut, sehen wir ein extravagantes Bandfoto, auf dem uns Furia im Diva-Stil mit weißen Kleidern, roten Lackhandschuhen und einer extra Portion Coolness den Anschein einer bodenständigen Rockcombo gleich wieder vergessen lassen.

Gespannt legt man also den Longplayer ein, der trotz zehnjährigem Bestehen ihr Album-Debüt darstellt und nach Norwegen nun den Rest Europas erobern soll. Es dauert nicht viel länger als 30 Sekunden, um die durchgestylte Coolness aus dem Booklet zu hinterfragen. Aus Pop und Rock formt man sich nicht nur in „Superlove Vibrations“ ein melodisches Vergnügen, dass mal hüpfend und andererseits mal verschüchtert melancholisch erklingt. Besagter Song gibt sich aufmunternd rockig und ist mit so mancher, drängelnder Ohrwurmmelodie bestückt. Stine weist eine ordentliche Gesangsstimme auf, die allerdings im folgenden, ruhigen „Blame“ deutlich prägnanter das Ohr erklimmt. Wenn nicht die insgesamt ideenlosen Arrangements besonders in den leisen Tönen hervorstechen würden, wäre auch eine Ballade wie „Leave“ eine richtig schöne Angelegenheit. So bleiben uns jedoch nur solide gespielte Gitarren und Drums aus dem Hintergrund, während die leichten Beigaben in Form von Keyboards noch nicht so richtig wissen, wie sie sich im Sound integrieren sollen. „Too Close“ lässt einen zum Glück aufatmen, hat es doch ergänzend zur entzückenden Hookline den gewissen Charme und Wiedererkennungswert.

Man ertappt sich mit zunehmender Spielzeit beim schnellen Griff zur Skip-Taste, denn meist zu beliebig und gesichtslos geben sich radiotaugliche, seichte Elemente mit ein wenig Rock die Klinke in die Hand. Hier und da kommen echte Gefühle auf, die das Gesamtwerk positiv aufwerten und ihm Intensität sowie Herzblut zukommen lassen. „Seconds“ ist so ein Beispiel, in dem sich tolle Gitarreneinsätze bemerkbar machen und auch eine stimmige Dramaturgie den Verlauf spannend macht. Vom fragmentarischen und zerbrechlichen Anfang geht es in eine trotzige Aufbruchsstimmung über. Man verlangt mehr solcher das Herz weitende Momente und wird fündig, wenn „Right On Time“ mit dunkler Stimmung und kratzigen Gitarren punktet. Dem Nu-Metal entliehene Riffs fügen sich wunderbar von der Härte befreit in die Angelegenheit, in der als Break versteckt die elektronischen Spielereien erfrischend zur Geltung kommen.

Alles in Allem ein solider Longplayer, welchem jedoch größtenteils die Prägnanz und somit der Suchtfaktor fehlt. So baden wir im lauwarmen Wasser und warten weiter auf die kalte Dusche, die uns aufrüttelt und bewegt. Zeitweise erfreut ein Spritzer die Wangen und ist doch zu wenig, um Begeisterung zu entfachen und sich erfolgreich im nahenden Herbst zwischen den poppig-rockigen Veröffentlichungen zu behaupten.

Anspieltipps:

  • Superlove Vibrations
  • Too Close
  • Seconds
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