Dirk Darmstaedter - Coming Up For Air - Cover
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Dirk Darmstaedter Coming Up For Air


  • Label: Tapete/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wirklich nett und stimmungsvoll reicht es am Ende nicht für den Langzeiteffekt, für den vielleicht zusätzliche, markante Ideen im Songwriting gesorgt hätten.

Tagsüber leitet er mit seinem Partner Gunter Buskies das Hamburger Indie-Label Tapete Records und abends sowie nachts widmet er sich voll und ganz seiner eigenen Musik. Das Wort „schlafen“ scheint keine allzu große Bedeutung im Leben von Ex-Jeremy Days Frontmann Dirk Darmstaedter zu haben. Musikfreunde dürfte dieser Umstand allerdings freuen, kann der umtriebige Singer/Songwriter doch mittlerweile vier Soloplatten als Me And Cassity und eine gemeinsame CD mit Bernd Begemann aufweisen. „Brand New Toy“, der Überhit von seiner damaligen Band The Jeremy Days, schwirrt uns allen noch in den Köpfen herum, während es mittlerweile wieder eine Veröffentlichung in eigener Sache zu bestaunen gibt und eine klare Aufforderung ist, dem aktuellen Schaffen ein Ohr zu schenken. Zum ersten Mal unter eigenem Namen erklimmt Dirk Darmstaedter mit „Coming Up For Air“ bergige Folk-Landschaften und folgt somit dem heimeligen Sound von Me And Cassity. Das Album entstand fast ausschließlich in Eigenregie. Lediglich das eingespielte Team um Drummer Lars Plogschties und Karsten Böttcher als linke Hand beim Mixing griff dem Hamburger unter die Arme. Als Special Guest begibt sich Ekimas von Erdmöbel bei zwei Songs stilecht an die Posaune.

Als einer der wenigen Tracks auf dem Longplayer ertönt der Titelsong in rockiger Manier und strahlt gleich zu Beginn eine ungemein wärmende Atmosphäre aus. Groovend tänzeln die Drums, während Gitarren und Dirks angenehm kratzige Stimme den flauschigen Songteppich zum gemütlichen Miteinander ausbreiten. Die Posaune von Ekimas beleuchtet das melancholische „Falling“ mit seinem abgedunkelten Schein und erweitert den Song um eine besondere Note. Zart und voller Sehnsucht lädt das Stück zum Träumen ein und macht sich als Trostspender mindestens genauso gut. Und so passiert man Landschaften, eingefärbt durch Streicher-Arrangements, gezupfte Gitarrenparts und berührende Texte. In allem wohnt der Zauber von geschmackvoller Zurückhaltung.

Obwohl manchmal solide Trägheit hervorblinzelt und das Songwriting nicht immer die großen Momente hat, fühlt man sich doch schnell wohl. Dirk Darmstaedter erreicht stets das Herz des Hörers und möchte es erobern. Man wünscht sich, Ekimas hätte ein wenig mehr Zeit gehabt, um den ein oder anderen Song mehr mit seinem Posaunenspiel zu bestücken. Denn wie auch bei „Falling“ ist es in „If You Knew What´s Good For You“ das Herzstück des Albums. Es bettet sich so wunderbar in den Folk-Kontext, dass man es nahezu nicht mehr missen möchte. Doch wenn orientalisch anmutende Streicher schwungvoll in „Learn To Love What´s Killing Me“ den Song dermaßen unwiderstehlich machen, kommt man auch darüber hinweg.

Wahrlich entzückende Seiten hat „Coming Up For Air“ und trotzdem entfaltet es gewisse Längen, in denen die Strahlen einzelner Songs verblassen. Wirklich nett und stimmungsvoll reicht es am Ende nicht für den Langzeiteffekt, für den vielleicht zusätzliche, markante Ideen im Songwriting gesorgt hätten. Schön, und dennoch entbehrlich.

Anspieltipps:

  • Falling
  • Coming Up For Air
  • Learn To Love What´s Killing Me
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