Leserkritiken zu
Wolf Parade - Apologies To The Queen Mary

  • Indie-Rock
8/10 Unsere Wertung
5.5/10 Leser Stimme ab!

25.12.2005 - 22:30 Jan Henze So schnell kann es manchmal gehen. Spencer Krug galt in Montreals Musikszene schon länger als talentierter Typ, haute beim Debüt von Frog Eyes in die Tasten und war gerngesehener Gast im Kreise von Kanadas jungen Indieadel. Als Jedermanns neue Lieblinge The Arcade Fire auf der Suche nach einer Vorband anfragten, ließ sich Krug also nicht lange bitten und sagte zu.
Das Problem: Außer einem Keyboard und einem alten Drumcomputer war nichts vorhanden, mit dem sich einer wartenden Menschenmenge die Zeit vertreiben ließe.

Keine Band. Keine Songs. Und keine Zeit.

Erst am Vorabend des Auftritts standen sich Spencer Krug, Dan Boeckner (Vocals, Gitarre), Arlen Thompson (Drums) und Hadji Bakara (Synthies) das erste mal musizierend gegenüber. Ihre Instrumente waren geliehen, ihre Songs in koffeingetränkten Nächten am Reißbrett entstanden. Klingt nicht nach großen Bühnen, Weltkarriere und Klingelton, oder? Klingt aber genau nach dem Debütalbum von Wolf Parade, so der martialisch glamouröse Name des Vierers.

„Apologies to the Queen Mary“ schmeckt nach Kaffee, so schwarz wie Connor Obersts Seele. Nicht frisch geröstet und duftend, sondern zittrig aus dem Automaten gezogen, kein Genuß, sondern ein Bedürfnis. Wach bleiben, wach bleiben. Diese Ideen müssen raus, müssen rein in den Song, rein in deinen Kopf, rein in deine Beine.
Wolf Parade sind aufgeregt und aufregend zugleich, vertonen Rausch und Kater stilsicher in einem fiebrigen Atemzug.

Unter der modern unmodernen Produktion von Modest Mouse Frontmann Isaack Brock, entfalten sich dann die kleinen scheppernden Perlen. Dan Boeckners Stimme taumelt zwischen Herzkasper und Lady’s Man und seine Mitstreiter fallen fröhlich mit ein, wenn sie es zwischen einer verdreckten Variante von Interpols Großstadtgroove und Brocks angekotzterWehmütigkeit wieder mal zu bunt getrieben haben.

„This Heart’s on fire“ jaulen die Wölfe zum Schluss. Jede Wette, die versuchen es mit Kaffee zu löschen.

8/10