Millionaire - Paradisiac - Cover
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Millionaire Paradisiac


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Kein geringerer als Josh Homme (Queens Of The Stone Age) lud Millionaire nach ihrem Debüt „Outside The Simian Flock“ ein, mit auf Tour zu kommen. Seine Begeisterung war entfacht und zog die unwiderstehliche Bitte nach sich, Millionaires Zweitwerk „Paradisiac“ zu produzieren. Deren Sänger und Gitarrist Tim Vanhamel war neben Mr. Homme und Jesse Hughes der dritte Mann im Boot der Eagles Of Death Metal, während Aldo Struyf (Keyboards) Mark Lanegans Tourband komplettierte. Große Namen fallen also, wenn man sich mit den Belgiern auseinander setzt. Doch auch ohne Namedropping erspielen sich Millionaire mit ihrem sexy Weirdo-Rock mehr und mehr einen gehobenen Indie-Status, der nun mit dem vorliegenden Album verteidigt bzw. erweitert werden soll. Raffiniert und kunstvoll krachig wandeln sie auf elektronischen wie auf rockigen Pfaden, deren Zauber man sich nur allzu schwer entziehen kann.

Eindringlich und voller Wucht springt uns dann auch ohne Vorwarnung der Opener „I´m On A High“ an. Durchdrehende Sounds verschmelzen mit unnachgiebigen Gitarrenwänden und metallisch wirkenden Drums. Der Song gleicht einer Walze, die Unheil bringt und von der man trotz alledem auf faszinierende Weise mitgerissen wird. Weiterhin werden keinerlei Gefangene macht, sondern brachial und intelligent vielschichtig gerockt. Messerscharfe Riffs entladen Energie, die bis zu den Tiefen unserer Seele reicht und dort all´ das angehäufte Elend wegspült. „For A Maid“ glänzt mit rhythmisch ausgeklügeltem Drumming und betörenden Vocals, die von sanfter Melancholie bis zu wütender Manie reichen. In allem wohnt trotz der angespannten Räudigkeit der Funke Rock ´n´ Roll und eine ungemein sexy Wildheit. Nach einem durchgehenden Feuerwerk der Zügellosigkeit kommt man bei „Rise And Fall“ zum ersten Mal wieder zur vorübergehenden Ruhe. Im Vergleich zum Großteil der Songs auf diesem Album wird es nahezu sanft und schwebend. Der Vergleich zu einer dunklen Sekte Deines Vertrauens kommt einem unweigerlich in den Kopf. Beschwörend düster brodelt es unter der von Schattengewächsen in Besitz genommenen Oberfläche.

Modifizierter Gesang und verquere Sounds aus dem weiten All der noisigen Elektronik erweisen sich bei „Love Is A Sickness“ dem Gerüst aus hämmernden Drums und sägenden Gitarren als guter Partner, wenn einem die Wut mal wieder den Tag verdunkelt. Eine richtige Ballade, soweit man im Klangkosmos von Millionaire davon sprechen kann, ist wie der Titel schon andeutet „Ballad Of Pure Thought“. Die krachigen Elemente wurden weitestgehend zurückgefahren und machen groovigen Percussions sowie der sehnsuchtsvollen Stimme Tim Vanhamels Platz. Fast schon Death Metal sind die akzentuierten Growls in „We Don´t Live There Anymore“. Zum Glück erklimmen sie nur teilweise das steinige Gebirge dieses Songs und weichen wütenden, doch authentischen Vocals. Abwechslungsreich werden Tempi variiert und zum Ausklang dieses Tracks darf richtiggehend straight gerockt werden.

„Paradisiac“ ist ein wahrer Brocken an Sound, der sich als heimlicher Bastard in unseren Ohren festsetzt. Auf Albumlänge schafft man bis auf zwei Ausnahmen seinen Aggressionen eine neue Verarbeitungsfläche. Brachial poltern elektronische Einsprengsel in die zu Wut gewordene Form von breitseitigem Rock, der so manchen Umweg nimmt und dabei niemals die Energie verliert. Obwohl das Hauptaugenmerk auf Stakkato-Rhythmen liegt, behalten Millionaire stets den Überblick für variantenreiches Songwriting in ästhetischer Ausführung. Auf Dauer verlangt diese Scheibe dem Hörer jedoch einiges an Nerven ab und wird nur Hartgesottenen auf lange Zeit Dauer-Rotationen abverlangen.

Anspieltipps:

  • I´m On A High
  • Streetlife Cherry
  • Love Is A Sickness
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