Lil Kim - The Naked Truth - Cover
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Lil Kim The Naked Truth


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 76 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Auszug aus dem Strafgesetzbuch §154: (1) Wer vor Gericht oder vor einer anderen zur Abnahme von Eiden zuständigen Stelle falsch schwört, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft. (2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

Jeder, der ab und zu ins Kino geht, weiß, dass man vor Gericht immer hoch und heilig schwören muss, dass man keine falsche Aussage tätigt, sonst macht man sich selbst strafbar und wandert ins Kittchen. Kimberly Denise Jones, im Musikbusiness besser bekannt als Lil´ Kim, war das anscheinend schnuppe, als sie 2003, um zwei Freunde und ihren Manager zu schützen, den Richter und die Geschworenen absichtlich angelogen hat. Es ging um eine Schießerei und die Anwesenheit der drei Bekannten von Miss Jones war zu prüfen. Sie verneinte, dass diese am fraglichen Abend zugegen waren, aber dummerweise tauchte ein Videoband auf, dass nicht nur die Mutmaßung des Aufenthalts der Angeklagten positiv bestätigte, sondern auch Lil´ Kim des Meineids überführte. Dumm gelaufen. 50.000 Dollar Geldstrafe und 366 Tage Inhaftierung waren der Schuldspruch.

Mit „The Naked Truth“ verarbeitet die 30-Jährige ihr Pech und verschwindet daher alles andere als sang- und klanglos hinter Gittern. Auch wenn sie in einem Federal Detention Center mit verstärkten Sicherheitsvorschriften einsitzen muss, so meint sie dennoch: „Ich bin mir nicht sicher, ob die Inhaftierung im Detention Center eine faire und gerechte Behandlung bedeutet. Wie auch immer, heute beginnt ein neuer Abschnitt in meinem Leben, der mich stärken wird. Ich bin mit vielen Dingen gesegnet: meiner Familie, meinen Freunden und Gott. Ich werde täglich alle in meine Gedanken anschließen. Ich werde im Gefängnis Musik schreiben, lesen und regelmäßig beten. Wenn ich wieder rauskomme, werde ich eine stärkere Frau sein.“

„Tough“ war sie schon immer und unterkriegen hat sich Kimberly Jones auch noch nie lassen, was sie in „All good“ selbstbewusst mit „Everything these haters do just to degrade ya / Only made me strong, I say thanks for the favor / Now the D.A., wanna give me time in the feds / I'm from Brooklyn, I could do that time on my head” zusätzlich bestätigt. Überhaupt darf man keine „Ich bin so arm”-Balladen erwarten. Die Frau gibt lieber ihren Senf zu dem Ganzen ab und rappt sich mit Gastauftritten wie zum Beispiel Snoop Dogg und The Game durch die volle Länge eines Tonträgers. Nun ja, fast, denn eingestreute „Anrufbeantworternachrichten“ und Ankündigungen für das darauffolgende Lied nehmen etwa ein Drittel ein und können, da Füllmaterial, ruhig übersprungen werden, außer man legt Wert darauf, seinen Wortschatz um einige weniger standardsprachliche Ausdrücke zu erweitern. Nämlich gerade diese Stücke strotzen vor derben und fäkalen Ausdrücken im sowieso schon „harten“ Sprachgebrauch, der in den Songs zu finden ist. Zählt man das Wort „Pussy“, das in „Gimme that“ nicht selten vorkommt, nicht dazu verfehlt die Platte knapp die 400er-Marke, was Schimpfwörter anbelangt (Wer es genau wissen will: 115 x Nigger, 95 x Fuck, 75 x Bitch, 57 x Shit, 27 x Motherfucker, 13 x Ass und 2 x Dick). Man sieht: die U.S.-„Clean Version“ ist vor lauter „Beeps“ und „Sh´s“ sicher ein Heidenspaß...

Was die klangliche Darbietung betrifft, sind einige Tracks mitreißend bass- und beatlastig („Lighters up“, „Whoa“, „All good“, „We don´t give a fuck“, „Gimme that“, „Get yours“), so dass man allein beim Zuhören mit dem Fuß zucken muss und sich ungeduldig der nächsten Party entgegensehnt. Besonders hervorzuheben sind „Quiet“, das stellenweise aufgrund der Düsternis im Sound und dem Einsatz von Synthesizerchor an „Hate me now“ von Nas und Eminems „Kim“ erinnert und „Kitty box“ mit einem Sample von „Love buzz“ (The Shocking Blue), das zuletzt von The Prodigy für den Track „Phoenix“ auf „Always Outnumbered Never Outgunned“ verwendet wurde und mit einer gelungenen MTV-Mash-Produktion verglichen werden kann. „Durty“ wagt sogar einen Abstecher in Reggaegefilde und mit „Kronik“ kann Snoop Doog sein Image als kiffender Rapper („Girl yo' shit's the chronic / Like a strawberry bag of weed“) nicht ablegen. Zu guter letzt ertönt eine Kirchenglocke, die das Stück „Last day“ ankündigt, das Kimberly als kurzfristigen Abschied von den Fans geschrieben hat.

Wie soll man nun ein Resümee einer Platte verfassen, wenn man weiß, dass der Künstler, der dafür verantwortlich ist, gerade im Gefängnis sitzt? Sehen wir mal was die „Kitty box“ dazu zu sagen hat: „Picture Lil' Kim masturbatin in a drop / Picture Lil' Kim tan and topless on a yacht / Picture Lil' Kim suckin on you like some candy / Picture Lil' Kim in your shirt and no panties / Shirt and no panties... / Picture Lil' Kim in the pool skinnydippin´ / Picture Lil' Kim in the 69 position / Picture Lil' Kim dancin on a stripper pole / Picture Lil' Kim in a Playboy centerfold / Playboy centerfold, Playboy centerfold”. Ja, das klingt schon viel besser!

Anspieltipps:

  • Quiet
  • Whoa
  • All Good
  • Kitty Box
  • We don´t give a fuck
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