Hund Am Strand - Adieu Sweet Bahnhof - Cover
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Hund Am Strand Adieu Sweet Bahnhof


  • Label: Motor Music/WEA
  • Laufzeit: 35 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein seltsamer Bandname trifft auf eine simple und offensichtliche Bandgeschichte. Fabian Schwinger (Gesang, Gitarre) und Tina Mamczur (Bass) studieren zusammen, treffen auf Martin Thomas (Schlagzeug) und schon ist der Wunsch nach einer gemeinsamen, musikalischen Erfahrung Wirklichkeit geworden. In der Garage Pankow, quasi die Berliner Indie-Hochburg, haben die Drei einen ihrer ersten Übungsräume eingerichtet und lernen Tobias Siebert (Klez.e, Delbo) kennen. Dieser nimmt die ersten Songs von Hund Am Strand auf, die auf der bandeigenen Website zum Download bereitgestellt werden und prompt vom Bielefelder Label Tenstaag erhört werden. Schließlich ist das Urgestein der deutschen Indie-Plattenfirmen, Motor Music, am Drücker und veröffentlicht das Debüt „Adieu Sweet Bahnhof“ nun zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Veröffentlichungen noch einmal mehren, bevor es zum weihnachtlichen Aufwärm-Overkill in Form von Best Of´s kommt. Obwohl deutschsprachiger, eingängiger Pop-Rock immer noch Hochkonjunktur hat, sinken somit die Chancen, in den Ohren hängen zu bleiben. Und das nicht liegt nicht nur an diesem Spätsommer/Herbst, in dem viele prägnante CDs das Licht der Plattenläden erblicken.

Einfach strukturiert erklingen die 10 Songs in eingängiger und mittelschneller Manier. Direkt windet man sich in einem tanzbarem, doch nur selten prägnantem Stück Musik. Textlich bietet die Oberflächlichkeit leichte, relativ sinnfreie Momente der Mitsing-Offerte. „47 11“ kommt rhythmisch versiert daher, um im folgenden „Jungen Mädchen“ zum ersten, richtigen Hit anzusetzen, der flugs auch gleich als Single veröffentlicht wird. Da groovt es schon ganz ordentlich, während sonnige Melodien den Sommer zurück bringen. Man kann stundenlang philosophieren, ob die Textzeile „Alle Jungen, alle Mädchen, zieht eure T-Shirts aus“ hintergründig doch noch eine Message mit sich bringt oder einfach nur, wie vom Autor vermutet, eher Peinlichkeit galore darstellt. Auf der Beliebigkeitsskala punktet „Neues Lied“ mit seiner lustig-naiven Gitarre, die in dieser Hinsicht nur vom einfallslosen Bandsound im schlichten „Wir sind eingängig, wir rocken das Haus“-Gewand getoppt wird. Der Songaufbau eines „Zeit Zu Trauern“ wirkt dagegen wie eine Offenbarung. Hier glänzen Hund Am Strand zum ersten Mal so richtig mit Tempiwechseln und erzeugen dadurch eine sich selbst tragende Dynamik. Diese findet man im weiteren Verlauf nicht allzu oft wieder. Manchmal blitzt sie auf, um nahezu ohne Umschweife im Einheitsbrei aus leicht geschrammelten Gitarren, durchaus aussagekräftigen Bass-Tupfern und zurückhaltenden Drums zu versinken. Fabian Schwinger holt mit seinem geschmackvollen Organ dann noch das Meiste aus diesem Werk heraus und schafft ein gewisses Maß an Schadenbegrenzung.

Es wird auf „Adieu Sweet Bahnhof“ höflich gerockt, so dass der Pop stets Pate steht und die Eingängigkeit weit vor dem Wiedererkennungswert die Ziellinie überschreitet. Gnadenlos wird unter dem Deckmantel Independent die musikalische Beliebigkeit versteckt. Hund Am Strand schielen auf die Tanzflächen, ohne Dringlichkeit oder länger währenden Charme hervorbringen zu können. So bleibt auf Albumlänge nur ein abflauendes Lüftchen, welches in seiner unbeschwerten Art sicherlich die kaufkräftige Schicht der Teenager anspringt und ansonsten höchstens noch durch seine lähmende Schlichtheit auffällt.

Anspieltipps:

  • Jungen Mädchen
  • Zeit Zu Trauern
  • G
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