Cream - Royal Albert Hall London May 2-3-5-6 2005 - Cover
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Cream Royal Albert Hall London May 2-3-5-6 2005


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 125 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Sie galten als eine der ersten Supergruppen in der Geschichte der Rockmusik. Dabei existierten sie nur knapp 2½ Jahre, in denen sie die bahnbrechenden Alben „Fresh Cream“ (1966), „Disraeli Gears“ (1967) und „Wheels of Fire“ (1968) aufnahmen und durch permanentes Touren bewarben: Cream – bestehend aus Gitarrist Eric Clapton, Bassist Jack Bruce und Drummer Ginger Baker.

12 Jahre nach der kurzen Wiedervereinigung zur Aufnahme in die „Rock and Roll Hall of Fame“ im Jahr 1993, als sie bei den Feierlichkeiten in Los Angeles drei Songs gemeinsam spielten, haben sich die drei alten Herren der Rockmusik an dem Ort ihres letzten „richtigen“ Konzertes wieder zusammengefunden. In der Londoner Royal Albert Hall, in der sie 1968 ihren Abschied besiegelten, standen Bruce/Baker/Clapton an vier Tagen im Mai 2005 gemeinsam auf der Bühne, um eine sensationelle Reunion zu feiern.

Logisch, dass dieses Ereignis standesgemäß für die Nachwelt festgehalten werden musste. Und so erscheinen Anfang Oktober gleich zwei Formate: eine Doppel-DVD plus Doppel-CD von den Konzerten am 2., 3., 5. und 6. Mai 2005. Darauf enthalten sind Songs wie „I’m so glad“, „Spoonful“, „N.S.U.” und „Stormy Monday”, aber auch „White room”, „Sunshine of your love” und „Sleepy time time” bis hin zu „We’re going wrong“ und „Rollin’ and tumblin’“. Die Doppel-DVD bietet zudem ein 16-minütiges Interview-Special, in dem Ginger Baker, Jack Bruce und Eric Clapton über die Band und die Entstehung der viertägigen Wiedervereinigung berichten – optional abspielbar mit Untertiteln in sieben Sprachen.

Creams Kunst bestand darin, Jazz, Blues und Rock’n’Roll zu einer völlig neuen Einheit zu verschmelzen, indem sie mit schwindelerregender Virtuosität improvisierten. Damit beeinflussten sie eine ganze Musikergeneration, darunter Richie Sambora (Bon Jovi), Alex van Halen (Van Halen) und Dave Navarro (Jane’s Addiction). Die Frage ist nur, wie drei Männer Anfang 60, 37 Jahre nach ihrem letzten großen Auftritt, die gewaltigen Erwartungen erfüllen sollten, die während der Gigs in der Royal Albert Hall auf ihnen lasteten. Der Schwarzmarktpreis für eine Konzertkarte lag am Ende immerhin bei astronomischen 2.500 Euro. Da mussten auf der Bühne mindestens Wunderdinge – wenn nicht mehr! – passieren, um diese völlig kranken Preise zu rechtfertigen.

Nun, Wunder gab es zwar nicht zu vermelden, aber das Publikum ging trotzdem an jedem der vier Konzertabende, aus denen die CDs/DVDs zusammengepuzzelt wurden, glücklich und zufrieden nach Hause. Cream spielten jeweils ein Set, das ungefähr den doppelten Umfang ihrer früheren Konzerte hatte (dazu Eric Clapton: „I think we do every song we know“). Improvisationen wurden nicht mutwillig in die Länge gezogen, es gab Songs zu hören, die früher kaum live gespielt wurden („Outside woman blues“, „Pressed rat and warthog“) oder erst nach ihrer Trennung erschienen („Badge“). Das macht auch heute noch grundsätzlich Spaß und gehört auf jeden Fall in irgendeiner Form in jede anständige Plattensammlung.

Dass die Herren inzwischen nicht mehr besonders gesund aussehen – wobei Clapton noch den besten Eindruck hinterlässt – und die ganze Aktion wohl nur zugunsten des schnöden Mammons stattgefunden hat – who cares? Die Konzertmitschnitte auf CD und DVD sind ein geschichtsträchtiges Ereignis für jung und alt, bei denen sich der willige Käufer nur noch für eine Variante entscheiden muss. Deshalb ein kleiner Tipp: Die DVDs enthalten den exklusiven Track „Sitting on top of the world“ und zusätzliche Alternative Takes von „We’re going wrong” und „Suneshine of your love” – also vermeintlich mehr „Value for Money“. Aber das muss jeder für sich entscheiden.

Anspieltipps:

  • N.S.U.
  • Badge
  • Crossroads
  • White room
  • Hollin’ and tumblin’
  • Sunshine of your love
  • Born under a bad sign
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