Daniel Küblböck - Liebe Nation - Cover
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Daniel Küblböck Liebe Nation


  • Label: White Records/SonyBMG
  • Laufzeit: 50 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Erinnerungen hochfahren... Suche nach „Daniel Küblböck“... gefunden in Ordner „Verdrängtes“... System abgestürzt, Neustart... Wäre das Gedächtnis eine Festplatte, ließe sich vieles einfach löschen und der Rezensent würde unvoreingenommen an das neue Album „Liebe Nation“ des kleinen hyperaktiven Bayers herangehen. Geht bloß leider nicht. Zu viele schlechte Songs, schlechte Eindrücke und schlechte Erfahrungen haben sich dort eingenistet. Und dann haut einen auch noch das Gerücht aus dem Stuhl, Daniel Küblböck würde ein Rio-Reiser-Coveralbum veröffentlichen. Ein plötzlich auf VIVA rotierendes „König von Deutschland“-Video ließen schlimme Ängste bei jedem Reiser-Fan aufkommen: Küblböck schändet das Ansehen Rio Reisers!

Nun, zu dem Coveralbum ist es nicht gekommen, aber der Bayer versucht sich dennoch als Erbe zu etablieren. In „Ich gehöre nicht jedem“ versucht Küblböck mit jedem einzelnen Wort, jeder Silbe und jeder Pause im Gesang, wie der große Songwriter zu klingen und es gelingt ihm erschreckenderweise auch, eine gewisse Ähnlichkeit aufzubauen. Die Musik, die sich generell ein sehr mutiges „Okay“ verdient, ist dabei zwar ein störender Faktor, aber noch mehr stört der Text und nach dem Opener „Liebe Nation“ und dem folgenden „König von Deutschland“ wartet der gespannte Hörer auf ein Album, dass diesen Standart hält. Aber man kann von Küblböck halten, was man will, zumindest musikalisch ist „König von Deutschland“ im Gegensatz zu vielen anderen Versuchen, das Lied in die Gegenwart zu hieven, eine interessante Coverversion.

Elektro-Rock nennt sich das, was der ehemalige DSDS-Star macht. Das bedeutet, es vermischen sich Synthesizer mit E-Gitarren und Rock-Schlagzeug. Vermutlich genau abgestimmt auf die Küblböck-Fans, die jetzt in dem Alter sein müssten, dass sie nächstes Jahr ihre erste Band gründen, nur noch Metallica hören und sich dafür schämen „Liebe Nation“ im CD-Regal gehabt zu haben.

Dass der immer noch nervige Gesang nicht der einzige Störfaktor ist, kann man sich schon fast denken. Was richtig nervt, und das zieht sich als Stilmittel durch alle Songs, sind die Texte mit pseudointellektuellen Botschaften. Sei es im titelgebenden „Liebe Nation“, in der die elitären Deutschen angeprangert werden, die durch Goethe und die anderen Dichter und Denker so steif sind, dass Herr Küblböck sich dagegen auflehnen möchte und der Nation empfiehlt, die Hüpften zu bewegen. In „Der Traum“ wird dagegen festgestellt, dass Träume eigentlich nur Schäume sind. Leider benutzt der Texter diesen zusammenfassenden Reim nicht, sondern setzt viel mehr auf sich nicht reimende Wörter. Doch was bei vielen deutschen Künstlern wie z.B. Kettcar sehr gut funktioniert, geht bei Küblböck überhaupt nicht auf. Einzig dramaturgisch zieht das Lied deutlich an: Angefangen mit einer Spieluhr, entlädt sich das Stück mit einem Orchester, während Daniel denkt, sein Spitzname wäre Connor Oberst.

Richtig schlimm wird das Album allerdings, wenn Küblböck nicht mehr singt, sondern sich dem Sprechgesang widmet. So ist „Supernova“ eine absolut sinnlose Aneinanderreihungen von Entfernungen bestimmtet Planeten des Sonnensystems. Auch die Suche nach der großen Liebe darf nicht fehlen. Und so besingt der 20-Jährige mit der Drohung „Ich werde dich finden!“ seine auf ihn wartende Liebe, mit bekannt kitschigen Symbolen. Ebenso schlimm geht es in „Neue Menschen“ zu. Der Inhalt sei dem geplagten Leser allerdings erspart. Stattdessen wird der Hörer auf der Suche nach dem guten alten Schlager fündig: „Warum?“ könnte auch ein Zlatko-Lied sein – und unweigerlich stellt sich die Frage, was Zlatko eigentlich macht bzw. ob Daniel Küblböck auch bald in der Versenkung verschwunden sein wird wie der Ex-Big-Brother-„Star“.

Am Ende steht die Frage, ob der Hörer mit dieser CD 50 Minuten seines Lebens vergeudet hat? Die Antwort lautet nein! Denn so sehr der Typ auch nervt und die Musik einfallslos und überkomponiert ist, so sehr wünscht man sich, dass andere Künstler den Mut aufbringen und etwas Experimentelles in ihre Musik einfließen lassen. Daniel Küblböck hingegen möchte es wirklich wissen. Er hat Blut geleckt und möchte in der Öffentlichkeit präsent bleiben. Das schafft einer wie er am besten mit Skandalen. Was würde also mehr Aufmerksamkeit bringen, als einen Song zu covern, den er eigentlich nicht covern „darf“? Dabei sollte das Verbot, den „König von Deutschland“-Text zu ändern, eigentlich ein eindeutiges Zeichen von Seiten der Reiser-Erben gewesen sein, dass es nicht so gern gesehen ist, wenn ausgerechnet Daniel Küblböck das kommerziell erfolgreichste Lied von Rio Reiser covert. „Liebe Nation“ ist – um es kurz und brutal zusammenzufassen – das „OK Computer“ für Küblböck-Fans.

Anspieltipps:

  • Der Traum
  • König von Deutschland
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