Lostprophets - Liberation Transmission - Cover
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Lostprophets Liberation Transmission


  • Label: J Records/SonyBMG
  • Laufzeit: 47 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Sound von „Liberation Transmission“ ist noch softer, noch eingängiger und noch trendiger.

Was versteht man eigentlich unter einem Hype? Ein Hype ist eine meist eine sehr kurzatmige und überzogene Nachricht, welche in Umlauf gebracht wurde, um gezielt Werbung für ein Produkt oder eine Person zu machen. Da die Wurzeln des Hypes auf die Managementlehre zurückzuführen sind, versprechen Hypes meist eine profit- bzw. popularitätssteigernde Wirkung. Seit geraumer Zeit steht der Hype aber auch für Produkte und Personen, welche nur für einen kurzen, bestimmten Zeitraum Popularität und Nachfrage genießen. Gründe dafür sind meistens, dass das Produkt gerade erst erfunden wurde oder die Person gerade erst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Was das mit dem walisischen Sechserpack gemein hat? Ganz einfach, die Lostprophets wurden durch ihren zweiten Langspieler „Start Something“ zu einer der gehyptesten Bands ihrer Zeit und legten einen der wichtigsten Grundsteine für den „neuen“ Rock unserer Zeit: Sechs schnuckelige Typen, einer boybandtauglicher als der andere, im Kombinat mit treibender und überaus eingängiger Rockmusik und dem Potenzial die Stadien zu füllen und dennoch in kleinen Undergroundclubs die Tanzflächen anschwellen zu lassen. Das war neu! Was Limp Bizkit für die Nu-Metaler von damals, waren die Prophets für die Emo-Kids von heute. Die Zahnspangenträgerinnen dieser Welt fanden in Sänger Ian Watkins einen neuen Grund in Tränenbäche auszubrechen und ihr Zimmer einmal komplett neu zu tapezieren. Dennoch konnten die tätowierten Badboys kräftig abbangen, ohne sich gleich in ihrer Männlichkeit gekränkt fühlen zu müssen.

Doch anders als die meisten gehypten Bands liefen die sechs Waliser nicht in die Abseitsfalle und verschwanden wieder in der Kabine, sondern legten sich selbst eine Halbzeitpause auf. Man brauchte Zeit, Luft zu holen, sich über einige Dinge klar zu werden und nicht wie viele vor ihnen, ein taktisches Foul nach dem anderen zu begehen. Nun sind fast zwei Jahre vergangen, die Stulpen übergestreift, die Sneaker geschnürt und man ist bereit ins Spiel zurückzukehren. „Dont think you're safe, cause it's not over“ – mit diesen Worten eröffnen die Waliser eine Platte entgegen aller Erwartungen, zugunsten aller Befürchtungen. Eine Scheibe jenseits von hart und kernig, Musik irgendwo im Strom des Avantgarde-Rock und dem derzeitigen Emo-Wahn. Zu deutsch: Der Sound von „Liberation Transmission“ ist noch softer, noch eingängiger, noch trendiger und mittlerweile sehen die Jungs mit ihren Trenchcoats, Marineuniformen und ihren Seitenscheiteln bis zu den Schultern aus, wie asexuelle Mangafiguren. Nur dass die Protagonisten eben nicht aus der Feder Tokioter Zeichner stammen, sondern aus Ortschaften mit so kieferbrechenden Namen wie Llanuwchllyn oder Ponypridd, der Geburtsstätte Tom Jones’.

Der Song „A town called hypocrisy“ klingt wie die neumetallische Mischung aus unbekannteren „We Are Scientists“- oder „The Killers“-Nummern, ein Stück wie „Can't stop, gotta date with hate“ erinnert streckenweise an die anheimelnde Poppigkeit aktueller Bands wie Hoobastank und „Always all ways“ will auch nicht so recht das Bild der Band in Erinnerung rufen, die wir mal in Erinnerung hatten. Klar, sind Imagewechsel nötig, klar, muss man sich musikalisch weiterentwickeln und vielleicht auch den ein oder anderen Gönner verlieren, um den ein oder anderen Fan gewinnen zu können, aber das hier ist schon vielmehr ein Dimensionswechsel als ein Quantensprung. Ein komplett neues musikalisches Äußeres.

Natürlich haben die neuen Songs auch den gewissen Lostprophets-Punch, treiben gut nach vorne und wissen melodisch zu bezirzen, aber an alte Stärken wie „Last train home“ oder „Burn, burn“ will nicht ein Song heranreichen. Dafür sind die Tracks auf „Libaration Transmission“ einfach zu zeitgemäß und frei von Innovationen. Wo die Waliser früher fast schon zu poppig waren, um in der „Alternativen Szene“ wirklich authentisch zu wirken, präsentieren sich sie sich mit „Liberation Transmission“ nun authentisch genug, um den breiten Popmarkt erobern zu können. Und somit kann man „Liberation Transmission“ nicht wirklich verurteilen. Sie ist eben eine Rockplatte, welche niemals eine sein wird, und eine Popplatte die keine sein möchte.

Anspieltipps:

  • Rooftops
  • Everyday Combat
  • Can't Stop, Gotta Date With Hate
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