Il Divo - Ancora - Cover
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Il Divo Ancora


  • Label: Ariola/SonyBMG
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Das selbstbetitelte Debütalbum der gecasteten Multi-Kulti-Tenöre aus Frankreich, USA, Spanien und der Schweiz war auf der ganzen Welt ein voller Erfolg. Kein Wunder, denn das musikalische Rezept hinter Il Divo ist denkbar simpel: Man nehme vier sehr hübsch anzuschauende Kerle, die zwar knapp über das Boygroupalter hinaus, dafür aber mit herausragenden Stimmfähigkeiten gesegnet sind und lasse diese ein paar Megahits der Popmusik im klassischen Anstrich neu einsingen. Verrückt, dass vorher keiner auf diese Idee gekommen ist, denn dieses Konzept ist der Schlüssel zum Gelddrucken. Klar, dass rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft die Zugabe („Ancora”) folgt.

Wieder haben David Miller, Sebastien Izambard, Urs Buhler und Carlos Marin ein paar Hits wie „Unchained melody“, „All by myself“ und „Hero“ vorgesetzt bekommen, die sie sprachlich, textlich und musikalisch in neue Gewänder gießen. Tja, und weil ja immer irgendwann Weihnachten ist, können Titel wie „O holy night“ und „Ave Maria“ auch nicht schaden. Schaden kann dagegen die Kollaboration mit Celine Dion, die den Hörer in „I believe in you“ in Mark und Bein trällert und die wenigen erträglichen Stücke („Isabel“, „Si tú me amas“, „Hasta mi final“) nachhaltig vergessen macht. Das Schlimme am gemeinsamen Titel mit Celine Dion ist ferner, dass die Melodie auch aus der Feder eines Jon Bon Jovi oder Chad Kroeger stammen könnte. Einfach ein paar fette Gitarren drüber knallen, das „My heart will go on“-Geflöte weglassen und schon tobt das Stadion. Brrrrr.

Auch kein Ruhmesblatt ist die überraschungsarme Titelauswahl, die über die üblichen zu Tode genudelten Standards hinaus nicht viel zu bieten hat. Das Quartett fährt (wieder) 45 Minuten lang Pomp und Kitsch auf, der sich im Songaufbau grundsätzlich total gleicht und watteweich aus den Boxen perlt. Das mag ja in der Weihnachtszeit ganz nett sein, aber wenn sich zu den Bauchschmerzen vom vielen Essen auch noch Kopfschmerzen gesellen, weil zum tausendsten Mal die „Unchained melody“ oder „All by myself“ verwurstet werden, ist das einfach nur ärgerlich.

Nichts gegen die Herren Tenöre (sind ganz bestimmt nette Jungs) und ihre Stimmen (ich würde was drum geben, so singen zu können), aber dieser schmalzige Klassik-Pop-Käse, den Il Divo auch auf ihrem zweiten Album vortragen, ist nichts weiter als eine große Seifenblase, die mit Romantik, Pop- oder Opernmusik nicht viel zu tun hat. „Ancora“ bietet einfach nur zusammengewürfelte Konsens- bzw. Kaufhausmusik ohne besondere Niveauansprüche. Hauptsache alles ist schön harmonisch und tut nicht weh.

Anspieltipps:

  • Isabel
  • Si tú me amas
  • Hasta mi final
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