Múm - Summer Make Good - Cover
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Múm Summer Make Good


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Musik aus Island – man denkt an Björk und Sigur Rós sowie an tiefgehende, freigeistige Töne im weiten Feld der Melancholie. Doch es gibt noch andere Acts, denen man Aufmerksamkeit schenken sollte. Das Trio mit dem Namen Múm gehört dazu und erspielte sich mit den Alben „Yesterday Was Dramatic, Today Is Ok“ und „Finally We Are No One“ einen Ruf, der mittlerweile die Grenzen des Geheimtipps, wenn auch nur hauchdünn, überschritten hat. Zerrissener als bei ihren Ex-Labelmates Sigur Rós geht es bei Múm zu, wobei uns besonders die kindlich verstörende Gesangsstimme Kristín Anna Valtysdóttirs die Ohren spitzen lässt. Für die Aufnahmen zu „Summer Make Good“ zogen sich die Drei in einen kleinen Leuchtturm im nördlichen Westen Islands zurück und verabschiedeten sich von einem Tagesrhythmus und jeglichen Strukturen ihres Alltags in Reykjavik.

Fragmentarische, elektronische Sounds begegnen noisigen Elementen und formen sich zu einem vertrackten Gebilde, in dem Melodien und Harmonie unter der Oberfläche verdunkelt erscheinen. Immer wieder greift eine besondere Faszination, der man sich nicht entziehen kann und unter dem sonderbaren Klangkonstrukt zauberhafte Ästhetik hervorbringt. Zwischen Trip Hop, Ambient und avantgardistischer Elektronik glitzern unkonventionelle Spielweisen ebenso unkonventioneller Instrumente. So taucht man unweigerlich in eine mit schillernden Farbtönen gespickte Landschaft ein, die schaurige Märchen als Inspirationsquelle zu nehmen scheint. Unheilbringende, verzerrte Beats sind in „Weeping Rock, Rock“ der Boden, auf dem majestätische Bläser und fragile Melodien neben der infantilen Schönheit in Kristíns Stimme wachsen. Zwischendurch lockern kurze Instrumentals das konzeptionell wirkende Gesamtwerk auf. Schwer zu ergründen bleibt jeder Track, doch genau das vermehrt das unersättliche Verlangen nach oftmaliger Beschallung. Die Gischt eines tobenden Meeres („Away“) mündet im folgenden „Oh, How The Boat Drifts“ in einen Hauch aus abgeleiteten Breakbeats, schallenden Paukenschlägen und fließendem Eskapismus. Nur unzulänglich zu beschreiben, strahlen die Isländer dunkle Sehnsucht aus und verlieren sich in Sessions aus fernen Welten, deren Existenz man lediglich ahnte und nun den Weg aus ihnen heraus als Unmöglichkeit ansieht.

Nie opulent und überfrachtet bereisen Múm frisch geformte Pfade, deren Identität in grenzenloser Kreativität und Individualismus liegt. Der Hörer muss Zeit und Liebe zu verschrobener, nie leicht zu erschließender Musik aufweisen, um als Belohnung süchtig machende Soundscapes in vollem Maße genießen zu können. Nahezu ohne Konkurrenz erschaffen sich Múm ihre eigene Nische, die erkundet werden möchte und der es nie an staunender Faszination mangelt.

Anspieltipps:

  • The Island Children's Children
  • The Ghosts You Draw On My Back
  • Will The Summer Make Good For All Of Our Sins
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