Nea - Nea - Cover
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Nea Nea


  • Label: B-Factory/DA MUSIC
  • Laufzeit: 43 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Oje, da hat sich jemand ein schweres Los auferlegt! Nämlich die 24-jährige Johanna Såndberg, die schon als kleines Kind den Spitznamen „Nea“ bekam, The Hives und die Caesars zu ihren Landesvettern zählen kann und nun zum großen Sprung auf die Hitparaden in südlicheren Gefilden ansetzen will.

Nicht leicht wird sie es aus zwei Gründen haben. Der erste ist das Cover. Wer vorhat erfolgreich durchzustarten, sollte ein Foto nehmen, dass zumindest irgendeine Schokoladenseite zeigt (Christina Aguilera macht das immer wieder sehr reizvoll). Was einen hier allerdings einäugig und durch brünette Haarpracht anblickt, ist alles andere als ein geglückter Versuch, ansprechend zu wirken. Der musikkundige Mensch weiß allerdings, dass er sich von einer derartigen Lappalie nicht abschrecken lassen darf, da die restliche Darbietung meistens potenziell hochwertiger ist, als die vermurkste Frontansicht. Womit wir zu Manko Nummer zwei bei Neas selbstbetiteltem Debüt kommen: Die 12 Songs.

Wie schön, dass es als Zusammenfassung für den Rezensenten wieder mal einen Pressetext gibt, bei dem man verzweifelt nach zutreffenden Attributen, Bezeichnungen oder gerechtfertigten Aussagen suchen muss und letztendlich doch nicht fündig wird. „Nea“ ist zwar kein 100%iger Fall für die Mülltonne, aber „ein perfektes Paket für alle, die Wert auf gutes Songwriting, klasse Melodien, eine abwechslungsreiche Stimme und wunderschöne Arrangements legen“ ist der Output nur, wenn man die letzten 15 Jahre als Raumfahrer im Weltall unterwegs war und keine Ahnung von der Popentwicklung hat, die stattgefunden hat. Denn dann könnte man der Scheibe möglicherweise etwas anderes abgewinnen, als einen schlechten Beigeschmackn alles schon mal gehört zu haben.

Nichts anderes als einen Longplayer, den man einlegt, wenn einem das Gesülze der Radiomoderatoren auf die Nerven geht und man trotzdem unbeschwerte Popliedchen hören will, hat Såndberg vorgelegt. Herausstechende Songs sucht man vergebens. Einige Stunden später, nach dem zehnten Durchlauf, weiß man noch immer nicht, welches Lied wenigstens als Durchschnitt gewertet werden darf und sich etwas vom übrigen seichten Brei abhebt. Einzig und allein der Bass, der in „You don´t know“ wie ein grantiger Grizzly brummt, ist auffällig. Stellenweise erinnert der Gesang sogar an Skandinavien-Kollegin Lene Marlin (letztes Studioalbum „Lost In A Moment“) ohne auch nur annähernd an sie heranzukommen oder einen gleichwertigen Track abzuliefern. Bei „Nothing but you“ drängt sich unweigerlich das Bild einer Menschenmenge auf, die im Takt schunkelnd ihre Feuerzeuge gen Himmel streckt und alkoholisiert den Refrain grölt. Wenn das die Intention hinter dem Album war, ist sie wunderbar geglückt!

Dünnes Schlagzeug, gewohntes Gitarrenspiel und eine Stimme, die hörbar macht, dass sich die Sängerin nicht sonderlich anstrengt, es aber besser tun sollte, um wenigstens auf einem Gebiet zu überzeugen, machen „Nea“ zu einer Platte, die gespickt mit altbekannten Melodien und Arrangements keine Überraschung bietet. Die Zielgruppe der tagtäglichen Radiohörer wurde damit perfekt anvisiert. Anhören oder kaufen wird die Platte ohne gezielte Suche wohl niemand, dafür sorgt Johanna Såndberg selber.

Anspieltipps:

  • I Believe In You
  • You Don’t Know
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