Ill Nino - One Nation Underground - Cover
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Ill Nino One Nation Underground


  • Label: Roadrunner/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Versuch, die eigene Musik in eine kontrollierbarere Bahn zu lenken, ist mit „One Nation Underground“ nahezu einwandfrei geglückt.

Man nehme Shakiras aktuelles, spanischsprachiges Album „Fijacion Oral Vol. 1“, bittet die Dame eine Oktave tiefer zu singen und mitunter auch mal zu brüllen, lässt sämtliches elektronisches Klimbim weg, stellt den Pitch etwas höher und Voilá, herauskommt „One Nation Underground“ von Ill Niño!

Ok, zugegebenermaßen wird das nicht genauso klingen wie die hammerharten Nu-Metal-Bretter der multinationalen Band aus den Vereinigten Staaten, aber man bekommt als Neuling eine ungefähre Vorstellung davon, wie sich das Sextett anhört. Hierzu gehören nach einigen Umbesetzungen Christian Machado (Gesang), Dave Chavarri (Schlagzeug), Laz Pina (Bass), Danny Couto (Perkussion) sowie Jardel Paisante und Ahrue Luster an den Gitarren. Vor vier Jahren wollten sie mit „Revolution, Revolucion“ eine selbige im Metal-Sektor anzetteln und schlugen sich mit 250.000 abgesetzter Einheiten nicht schlecht. 2003 später kam es zu einer „Confession“, die doppelt so viele Käufer finden sollte. Im gleichen Zeitabstand erscheint nun „One Nation Underground“, das dort weitermacht, wo das „Revolutionsbekenntnis“ aufhörte. Hammerharte Riffs, donnerndes Schlagzeug, mit Inbrunst vorgetragene, spanisch/englische Texte und die wichtigste Zutat: Rumba, Samba, lateinamerikanischen Rhythmen eben, die versetzt mit den genannten Ingredienzien, eine hochexplosive Mischung ergeben, für die Ill Niño inzwischen berühmt sind.

Natürlich klingt das Debüt im direkten Vergleich zu den 13 Neulingen viel schärfer, schroffer und ungezähmter. Aber man weiß auch, dass es dadurch leicht zu kreativen Durststrecken kommt, weil ständiges Gedresche einfach wenig Sinn macht. Viel mehr hat sich die Band auf einen stimmigen, ineinandergehenden Fluss zwischen kontrolliertem Hassabbau auf Gitarre und Schlagzeug und dem Einsatz der feurigen, argentinischen Tanzrhythmen spezialisiert, wie sie schon auf „Confession“ beinahe perfekt zu hören waren. Bestes Beispiel hierfür ist gleich der Opener „This is war“, bei dem sich titelgebend alle Instrumente untereinander den Krieg erklären und erst dann Ruhe ist, wenn das Schnellste und Lauteste von Machado als Sieger angebrüllt wird. Doch bevor ein Gewinner gekürt wird, macht sich eine zart besaitete Gitarre daran, Frieden zu stiften und dabei Santana heraushängen zu lassen. Das Bemerkenswerte und zugleich Unheimliche ist, dass die Komposition nicht nur absolut ineinander greift, sondern konsequent, mit Heranziehen der Anfangstakte, wieder abgebrochen wird.

Dagegen klingt „My pleasant torture“ beinahe wie ein aalglatter Rocksong mit abgeklärtem Gesang, der noch etwas feucht hinter den Ohren ist und verdächtig Richtung Hitparade schielt. Auch einige andere Stücke („What you deserve“, „La liberacion of our awakening“, „All I ask for“, „Everything beautiful“) bedienen sich an gesungenen Texten mit organisiertem Spiel der Instrumente, als einer Prügelorgie des gesamten Equipments und Hasstiraden gegen die Stimmbänder. Dafür halten „My resurrection”, „Violent saint” und „Turns to gray” her. Dadurch herrscht ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Ruhe vor dem Sturm und heftigem Niederschlag, ohne seine Ohrmuschel zum Katastrophenschutzgebiet erklären zu müssen.

Der Versuch, die eigene Musik in eine kontrollierbarere Bahn zu lenken, ist mit „One Nation Underground“ nahezu einwandfrei geglückt. Eines sollten Ill Niño für das nächste Album dennoch berücksichtigen: Sie sollten auf keinen Fall den Fehler begehen, den Spagat zwischen Charttauglichkeit und Anhängerbefriedigung zugunsten der Fans zu entscheiden und dem Kommerz Einhalt gebieten. Oder wollen sich die Jungs dem Mainstream anbiedern?

Anspieltipps:

  • This Is War
  • Violent Saint
  • My Resurrection
  • La Liberacion Of Our Awakening
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