Ladytron - Witching Hour - Cover
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Ladytron Witching Hour


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Liverpooler Quartett Ladytron wird besonders durch ihren Hit „Seventeen“, welcher vorab zum zweiten Album „Light & Magic“ im Jahr 2004 erschien, mit dem Ende der Neunziger stark verbreiteten Begriff Electroclash in Verbindung gebracht. Kühle Elektrosounds, einprägsame Melodien und die Eleganz der Achtziger sind wesentliche Bestandteile dieses Subgenres. Client und Fisherspooner gehören zu den bekanntesten Vertretern und können sich auch mit dem Abflauen der elektronisch geprägten Retrowelle immer noch an einer hohen Relevanz erfreuen. Reuben Wu, Daniel Hunt, Helena Marnie und Mira Aroyo von Ladytron feiern in England ernstzunehmende Erfolge und veröffentlichen nun ihr Drittwerk „Witching Hour“, ohne in Deutschland über den Status eines Geheimtipps hinaus gekommen zu sein. Vielleicht weil sie trotz eines gewissen Retro-Charmes zu eigenwillig sind und das Wort Electroclash ihre Musik nur unzureichend beschreibt. Gesamtkonzeptionell bilden Musik und Style ein verqueres Erscheinungsbild, das nicht wirklich zu erfassen ist und daher reizvoll mysteriös und trotzdem eingängig nachhallt.

Wandlungsfähig sind es von Sequencer geprägte Momente, die sich mit organischen Sounds bestehend aus Schlagzeug und Gitarren paaren und von Pop-Hymnen bis zu sphärischen Schwelgereien sowie räudigen Glamrock-Entwürfen reichen. Mit effekt-beladenen Gitarren, die nur schwer als solche zu erkennen sind und mit viel Hall belegter Stimme starten Ladytron mit „High Rise“ in das Album. Psychedelisch und mit dem Sound einer LoFi-Aufnahme wirkt es zu verstörend, um angemessen das Album zu eröffnen. Doch es gibt noch viel entdecken und so freut man sich über elegante, schwungvolle Tracks wie „International Dateline“, das mit den traumhaft morbiden Textzeilen „Woke up in the evening / To the sound of the screaming / Through the walls it was bleeding / ...All over me“ so gar nicht in den melodiösen Popkontext passen will und gerade deswegen diesen Song augenzwinkernd aufblühen lässt. Wabernde Sequencer eröffnen „Soft Power“ und formen sich mit vielschichtigen Sounds aus dem elektronischen Klanglabor mit der engelhaften Präsenz Helena Marnies zu einem dunklen Synth-Pop Stück, welches direkt zum Herzen vordringt und nicht nur dort berührt. „AM TV“ klingt im Anschluss relativ belanglos und verabschiedet sich schnell aus den Erinnerungen an dieses Album.

Die eintönige Phase wird erst zum letzten Drittel des Longplayers wieder aufgehoben und ab „The Last One Standing“ durch sanften, interessanten Hörgenuss ersetzt. Zurückhaltende Cowboy-Romantik trifft im letztgenannten Song auf synthetischen Pop und erweist sich als wiederkehrendes Glücksgefühl. So wandelt man in „Beauty*2“ auf den Pfaden romantischer Ohrwürmer und gibt sich zum Abschluss endlosen, melancholischen Weiten in Form von „All The Way“ hin. „Witching Hour“ endet träumerisch und bietet im Endeffekt einen durchschnittlichen Eindruck, der vor allem durch die letzten Songs positiv und stimmungsvoll aufgewertet wird.

Anspieltipps:

  • Beauty*2
  • Soft Power
  • All The Way
  • The Last One Standing
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