Jamie Cullum - Catching Tales - Cover
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Jamie Cullum Catching Tales


  • Label: Verve/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 60 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Manche Tracks geben perfekte Lieder für zwischendurch ab, nur richten sich diese nach der aktuellen Tagesverfassung des Hörers.

Jung, talentiert und seit neuestem eifriger Schüler von Guy Chambers, nachdem dieser von Robbie Williams vor die Tür gesetzt wurde. Wurde auch Zeit, dass der heißeste Stern am Jazzhimmel der jüngeren Generation Eigenkompositionen statt Coverversionen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht und die Fangemeinde mit seiner erfrischenden Genremixtur aus Jazz, Swing, Pop und einem Schuss Rock verwöhnt. Denn nach seinem eigens produzierten und auf 700 Stück limitierten Debüt „Heard It All Before“ oder dem Nachfolger „Pointless Nostalgic“, war er zwar ein gefragter Star in der Underground-Jazzszene, aber wirklich berühmt war er nicht. Erst nach dem Einstieg bei Universal Jazz und der Platte „Twentysomething“ gelang ihm sowohl der kommerzielle Durchbruch als auch der Sprung an die Spitze der Top-Entertainer der heutigen Zeit in seiner Sparte.

Durch die lockeren Interpretationen von „What a difference a day made“, „Singing in the rain“ oder „I could have danced all night“ begibt er sich auf die Spuren eines Frank Sinatra und versucht in dessen übergroße Fußstapfen zu treten. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass ihm das eines Tages sogar gelingt, doch bis dahin darf seinem neuesten Werk „Catching Tales“ Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Gleich zu Beginn legt sich Cullum musikalisch und gesanglich mächtig ins Zeug. „Get your way” könnte aus einer Koproduktion mit Massive Attack stammen und fasziniert durch die Verschmelzung durch Jazz und Elementen des TripHop selbst nach mehrfachem Durchgang. Doch die Euphorie nimmt jäh ein Ende. Track zwei klingt bemüht, doch „London skies“ will einfach nicht in den Himmel segeln und einen in träumerische Schwelgereien ausbrechen lassen. Dann schon eher „Photograph“, das vor allem durch das Klaviersolo mit Bandbegleitung gegen Ende für Entzückung sorgt, doch wir haben es schließlich nicht mit einem Jazz-Quintett zu tun, sondern mit Jamie Cullum. In diesem Sinne hatte der Gute ein Gespür, wie der Song zu retten ist – sinnvoll ist das auf Dauer aber nicht.

Zum Glück überzeugt „I only have eyes for you“ im Gegensatz zur vorhergehenden schwachen Vorstellung mit einer Atmosphäre, die sofort an eine verrauchte Bar denken lässt, mit dem 26-Jährigen als Live-Unterhaltung. Der swingende Groover „Nothing I do“ lässt den Hörer nach ein paar Sekunden mitgerissen im Takt schnippen und die poppig arrangierte Nummer „Mind trick“ ist wieder „nur“ durchschnittlich und versprüht nicht mal halb soviel Charisma wie der Vorgänger. So zieht sich das Spiel die gesamte Länge der Platte hindurch. Mäßige bis durchschnittliche Songs wechseln sich mit gelungenen und hervorragenden Kompositionen ab und bei den nachfolgenden Durchgängen werden nur mehr die Tracks gespielt die auch ausnahmslos gut waren und das sind bei 14 Songs eben gerade mal die Hälfte.

Manche Tracks geben dabei perfekte Lieder für zwischendurch ab, nur richten sich diese nach der aktuellen Tagesverfassung des Hörers, sodass das von Schwermut getränkte „Oh God“ oder das rockige „Catch the sun“ nach einem Streit mit der Freundin in dieser Reihenfolge wohl nicht gespielt wird. Somit hinterlassen die eingefangenen Geschichten von Mister Jamie Cullum einen etwas unstimmigen Aufbau und schleppende Längen. Das nächste Mal besser auf die Songauswahl achten und für mehr Abwechslung in den Songs sorgen, dann ist der Einzug in den Entertainer-Olymp sicher, Mr. Cullum!

Anspieltipps:

  • Get Your Way
  • Photograph
  • Nothing I Do
  • Catch The Sun
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