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Diverse SZ Diskothek: 1955


  • Label: Ministry Of Sound
  • Laufzeit: 56 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

In Amerika begann sich die Bürgerrechtsbewegung zu organisieren, um die Luft zwischen Weißen und Schwarzen zu bekämpfen. In der Musikindustrie hieß das Ganze dagegen so: „Wenn ich einen weißen Musiker finden würde, der den Negerklang und das Negergefühl hätte, könnte ich eine Million Dollar machen“ (Studioboss Sam Phillips). Mit dieser Aussage umschrieb er die magische Formel, nach der Rock’n’Roll populär wurde. Eigentlich fand dabei nur eine verkaufsträchtige Umbenennung des R&B in den „Flächenbrand“ Rockmusik statt.

Allmählich verschwanden die Auftragshitschreiber der Plattenfirmen, die ausgesuchte Sänger vortrugen. Plötzlich performten Sänger nicht nur Lieder, sie schrieben sie auch. Jahre später brachten die Rolling Stones mit der knappen Formel „It’s the singer, not the song“ auf den Punkt. Tatsächlich waren in den Hitparaden lange Zeit lediglich die Titel, nicht aber deren Interpreten aufgeführt.

Die angepeilte Konsumentengruppe waren weiße Teenager, denen das Geld locker saß. Sie kauften sich Freiheit, Unabhängigkeit und Sehnsüchte, widergespiegelt durch Musik, Filme und Mode mit ihrem Taschengeld. Die weiße Bürgerorganisation „Citizens Council of Greater New Orleans“ forderte darauf: „Rettet die Jugend Amerikas. Kauft keine Negerschallplatten. Das idiotische Geschrei und die primitive Musik auf diesen Platten untergraben die Moral der weißen Jugend Amerikas“. James Dean wurde zur Symbolfigur einer von vager Unzufriedenheit geplagten Jugend. Sein Tod am 30. September tat dazu ein Übriges.

Der Begriff Rock’n’Roll war inzwischen etabliert. Bill Haley landete mit „Rock around the clock“ einen Hit. Und wie oft wurde schon die Geschichte des schüchternen Jungen aus Memphis erzählt, der später mit seinem Hüftschwung Teenager in Ohnmacht fallen ließ? Dabei markieren Elvis Presley und Bill Haley zwei völlig verschiedene Pole des Rock’n’Roll. Dennoch, diese Musik war die erste, die Faszination und Attraktivität nicht allein aus sich selbst heraus entwickelte, sondern aus einem Image, einer medialen Darstellung.

Während sogenannte Halbstarke unbescholtene Bürger erschrecken (dazu auch das Fundstück dieser SZ-Ausgabe: ein Interview mit Musiker und Moderator Götz Alsmann), eröffnen 1955 die ersten McDonald’s Restaurants, sowie der Freizeitpark Disneyland. Das Komikerduo Jerry Lewis und Dean Martin steht ein Jahr vor seiner Trennung. Romy Schneider und Karlheinz Böhm schmachten sich durch „Sissi“, die Bundesrepublik Deutschland wird in die Nato aufgenommen und auf den Strassen rollen futuristische Autos wie BMWs Isetta und Citroens DS („Die Göttin“), während die Lufthansa den Linienbetrieb aufnimmt.

Auf der CD befinden sich diesmal Stücke von Big Joe Turner („Flip flop and fly“), Elvis Presley („Mystery train“) und den El Dorados, bei denen eine „crazy little mama“ „At my front door“ klopft. Klopfen tut es auch bei Smiley Lewis („I hear you knocking“). Ins Tierreich geht es dagegen mit „See you later alligator“ (Bobby Charles) und Evelyn Künneke („Du bist ein Tiger“). Folk-Crooner Dean Martin singt „Memories are made of this” (auch bekannt als „Heimweh” von Freddy Quinn) und Chuck Berry liefert auf „Maybellene” ein wegweisendes Gitarrenriff vor. Von Roy Hamilton kommt die „Unchained melody“, die in den nächsten 50 Jahren ca. 500 Mal gecovert werden sollte.

Anspieltipps:

  • Chet Baker – Let’s get lost
  • Elvis Presley – Mystery train
  • Julie London – Cry me a river
  • Smiley Lewis – I hear you knocking
  • Bobby Charles – See you later alligator
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