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Diverse SZ Diskothek: 1988


  • Label: Ministry Of Sound
  • Laufzeit: 78 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Willkommen im Musikjahr 1988, in dem die Techno-Jünger das Bild in der Musikszene bestimmten. Ihre Rave-Kultur schwappte über ganz Europa und stellte eine neue Form der Besinnungslosigkeit dar. Nächte hörten nun nicht mehr auf, sondern dauerten zuweilen das ganze Wochenende. Chemische Drogen wie Ecstasy, Acid (LSD) und billige, osteuropäische Amphetamine sorgten für Durchhaltevermögen bei den Ravern. Praktischerweise wurden neue Musikrichtungen wie Acid House gleich den passenden Drogen zugeordnet. House-Clubs erlebten erstaunlichen Zuspruch, blieben aber weiterhin Subkultur. Zum Massenphänomen wurden Techno und Co. in Deutschland erst nach der Wende.

Die Tanz- und Drogeneuphorie bei den Jugendlichen wurde wie eine Neuauflage der 60er Jahre gelesen. Partys erhielten Bezeichnungen wie „Summer of Love“ und legten die Deutung nahe, dass in Europa ein jugendkultureller Aufbruch im Stile der Sechziger im Gange war. Tatsächlich hatten die Raver keinen Anschluss an die richtige Welt und die Polizei verfolgte immer schärfer die zum Teil illegalen Raves in dunklen Kellern in irgendwelchen Industriegebieten vor der Stadt.

1988 war auch das Jahr, in dem relevante Neuerscheinungen ausschließlich auf CD auf den Markt kamen. In den USA wurde das kleine Label SST von einer neuen Independent-Rock-Welle (später Grunge) überrollt. Bands wie Soundgarden, Hüsker Dü, Sonic Youth und Dinosaur Jr. wechselten zu Major Labels und bildeten für kurze Zeit das Rock-kulturelle Zentrum Amerikas. Mit Skin Yard und den Melvins verpflichtete SST neue Gruppen aus der Gegend um Seattle. Dort agierte das Label Sub Pop, das mit Mudhoney, Swallow und einer jungen Band namens Nirvana für Aufmerksamkeit sorgte.

Auch im HipHop brodelte es. Die Beats wurden immer härter, die Reime immer unversöhnlicher. Bands wie Public Enemy und Boogie Down Productions lieferten Klassiker des Genres ab. In der Popmusik pflasterte eine Stock/Aitken/Waterman-Produktion nach der anderen die Charts zu. Rick Astley, Kylie Minogue und Jason Donovan wurden zu Stilikonen und Topstars der späten 80er Jahre, in denen auch „Seite 3“-Mädels wie Samatha Fox und Sabrina Salerno ein paar Lieder trällern durften. Das blutjunge Mädchen Mandy Smith bandelte mit dem steinalten Rolling-Stones-Bassisten Bill Wyman an und Pepsi & Shirley – früher Backgroundsängerinnen bei Wham! – machten eine eigene Platte.

Bei der Olympiade in Seoul rennt der Kandier Ben Johnson in Weltrekordzeit über die Ziellinie, nachdem er vorher eifrig gedopt hatte. Im Londoner Wembley Stadion findet eine Feier zum 70. Geburtstag von Nelson Mandela statt und die beste Band der Welt – Die Ärzte – löst sich im Juli 1988 auf. Bei einem Banküberfall kapern die Gangster Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner einen Bus mit 32 Fahrgästen. Das Drama endet blutig. Die Israelin Ofra Haza gelingt mit „Im nin’alu“ eine Nummer-1-Hit und Bayern nimmt Abschied von Franz Josef Strauß.

Die SZ-Diskothek präsentiert neben einem Interview mit Leonard Cohen aus der Aprilsausgabe der Spex u.a. folgende Tracks: Die LA’s spielen wunderschönen, unschuldigen Westcoastpop („There she goes“), Prefab Sprout proklamieren „The king of rock’n’roll“, EPMD mixen wie wild Samples zusammen („Strictly business“), das One-Hit-Wonder Joyce Sims bietet „Come into my life“ an, Westbam tanzt die „Disco Deutschland“, während sich die Ärzte nach dem schönen „Westerland“ sehnen. Eine sehr gelungene Zusammenstellung, die das Musikjahr 1988 treffend wiedergibt.

Anspieltipps:

  • The Primitives – Crash
  • D-Mob – We call it Acieed
  • The LA’s – There she goes
  • Stretsasonic – Talkin’ all that Jazz
  • Public Enemy – Don’t believe the hype
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