Paul Van Dyk - The Politics Of Dancing 2 - Cover
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Paul Van Dyk The Politics Of Dancing 2


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 149 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Seine konkrete, musikalische Liebe fand Paul van Dyk schon während seiner Kindheit und Jugend in Ost-Berlin. Er sog die Sounds der sich immer mehr verbreitenden Electronic Music-Szene auf, in dem er Tag und Nacht den Klängen einer West-Berliner Radiostation lauschte und sich gleich nach der Grenzöffnung in den vielseitigen Clubs der jetzigen Hauptstadt austobte. Schnell wuchs der Wunsch nach dem kreativen Ausleben in eigenen Tracks. 1992 erschien die 12“ und CD „Visions Of Shiva“ mit dem heute noch relevanten Klassiker „Perfect Day“. Rapide stieg der Bekanntheitsgrad, welcher gar traumhafte Züge annahm und Paul van Dyk weltweite DJ-Auftritte und Remixarbeiten für New Order, Sven Väth und St. Etienne einbrachte. Sein weiter Horizont erlaubte ihm kein stagnierendes Aufhalten in der mitunter immer mehr verflachenden Trance/Techno-Szene. Der Top Ten-Hit „Tell Me Why“ mit St. Etienne Leadsängerin Sarah Cracknell startete als Vorbote zum viel gelobten Album „Out There And Back“ im Jahr 2000 in eine sich Musikfreunde jeglicher Couleur öffnenden Karriere. Neben einem erhöhten sozialen Engagement (u. a. Auftritte bei den 2004 stattfindenden ROCK THE VOTE-Konzerten in den U.S.A., Engagements bei der Asian Tsunami Charity und dem PRO ASYL-Sampler) feierte Paul van Dyk in regelmäßigen Abständen große Erfolge, die mit dem Longplayer „Reflections“ und der Zusammenarbeit mit Peter Heppner (Wolfsheim) für den Soundtrack zur deutschen Einheit in Form des Songs „Wir Sind Wir“ ihren vorläufigen Höhepunkt anvisierten.

Um neben ausgefeilten Artist-Alben die tanzhungrigen Partypeople mit neuem Stoff für durchgemachte Nächte zu versorgen, ist es Zeit für eine Fortsetzung der 2001 debütierenden Mix-Compilation „The Politics Of Dancing“, die nun mit dem Namenszusatz „Part 2“ in die nächste Runde geht. Mit offenkundigen, politischen Statements hat diese Reihe weniger zu tun als viel mehr mit der Komponente, Kulturen verschiedener Länder zusammenzubringen und Sprachbarrieren im Rhythmus der Nacht vergessen zu lassen. So wurden Tracks internationaler Dance-Acts wie Alex Gold, Marc van Linden, Giuseppe Ottaviani und vielen anderen im Trance-Gewand von Paul van Dyk kompiliert, um sich sein DJ-Set direkt in das eigene Wohnzimmer holen zu können. Die erste CD bietet einen Hoffnung bringenden, relativ entspannten Mix aus harmonischen Synth-Flächen, glückseliger Atmosphäre auf meist instrumentaler Ebene. Perfekt geeignet zum Träumen und Abtauchen in ferne Welten. Doch obwohl der elektronische Zuckerguss gehaltvoll aufgetragen ist, lassen sich einige Längen nicht verbergen. Die sonntägliche Tristesse lässt sich trotz oder gerade wegen der etwas gleichförmigen Berieselung gut vertreiben und so manchen Regentag in sonnige Urlaubsstimmung verwandeln. CD 2 lässt gradlinigen Beats mehr Platz und entfaltet energetisch gestärkte Endorphine, die in tragenden Melodien und glasklaren Sounds anregend zu Werke gehen. Sorgen und gelegentliche Alltagsdepressionen vertreibt besonders der aus Paul van Dyks Feder stammende Track „The Other Side“ (feat. Wayne Jackson) und das sich sofort als Ohrwurm anheimelnde „Carry On“ von Wellenrausch. Nachhaltig pushend beeindruckt vor allem die zweite CD mit konsequenter Tanzbarkeit und lang anhaltender Euphorie.

Alles in Allem eine gute Zusammenstellung der derzeitigen Favoriten aus Paul van Dyks Plattenschrank, die allerdings nur fanatische Genre-Fans gänzlich entzückt zurücklassen wird. Allen anderen seien eher die abwechslungsreichen und kurzweiligen Artist-Alben, wie „Out There And Back“ und „Reflections“ mit fantastischen Gastsänger/innen an das Herz gelegt. Wenn man Paul van Dyk allerdings noch nicht als DJ bewundern konnte, ist es ratsam der vorliegenden Mix-CD auch ein Ohr zu schenken, um die Clubatmosphäre zumindest in Ansätzen nach Hause zu holen.

Anspieltipps:

  • Alone
  • Summerdream
  • The Other Side
  • Carry On
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