Toni Braxton - Libra - Cover
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Toni Braxton Libra


  • Label: Black Ocean/EDEL
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Toni Braxton ist fest etabliert im weiten Rund der unverwechselbaren Stimmen und träumerischen sowie tanzbaren R&B-Sounds. 1991 tauchte sie auf dem Soundtrack zum Film „Boomerang“ mit ihrem Song „Love Should Brought You Home“ zum ersten Mal in der Musikszene auf und kam mit Hitsingles wie „Another Sad Love Song“, „Unbreak My Heart“ und „You´re Makin´ Me High“ zu Weltruhm. Ihre Karriere täfelte Ms. Braxton mit sechs Grammy-Awards, während „Kingdome Come“ ihr Leinwanddebüt bedeutete und sie am Broadway die Hauptrolle in „Beauty & The Beast“ übernahm. Man ist geneigt, von einem Multitalent zu sprechen und wird immer wieder von abgerundeten Schönheiten in Form ihrer Musik überzeugt. Doch im Jahr 2003 gab es einen Dämpfer im umtriebigen Kreativleben, denn Toni Braxton zog sich kurz nach Veröffentlichung ihres letzten Albums „More Than A Woman“ eine schwere Herzbeutelentzündung zu, welche eine dreijährige Schaffenspause nach sich zog. Nun herrscht jedoch Erleichterung im Kreise der Fanschar, erscheint doch dieser Tage das neue Werk „Libra“ und sendet damit klare Signale an diejenigen, die eine Rückmeldung schon nicht mehr erwartet haben.

Zusammen mit Scott Storch (Beyonce, Lil´ Kim, Snoop Dogg) und anderen reiht die Amerikanerin einen zu Musik gewordenen Sommertag an den nächsten und kommt in pulsierenden, tanzbaren Tracks („Please“, „Take This Ring“) ebenso auf den Punkt wie in seelenvoll sehnsüchtigen Momenten („Shadowless“, „I Wanna Be (Your Baby)“). Es thront der Beat, tröpfelt das Piano und in seltenen Momenten gesellen sich wohltuende Akustikgitarren zur wieder einmal betörend dunklen Stimme Toni Braxtons. Die Vokalkünste stehen im Vordergrund und bannen den Hörer fasziniert an die Lautsprecher. Der sichere Beitrag zum Erfolg der zweifachen Mutter ist die Brillanz der fesselnden Tonlagen und wird auch diesen Tonträger in die Charts vieler Länder treiben, während die Perfektion manches Mal unheimlich zelebriert wird. Überraschende Arrangements und etwas größere Differenzierungen als der vereinzelte Einsatz von Gitarren gibt es nicht zu bestaunen. Im soulful R&B fühlt sich die „Aretha Franklin Soul Train Award“-Inhaberin zuhause und kitzelt aus jeder Melodie eine einprägsame, harmonische Ode an die Romantik und das Feuer der Nacht heraus. Man legt sich zurück, kommt schnell in´s Schwärmen und wacht zwischendurch auf, um diese zuckersüße Angelegenheit zu verarbeiten. Obwohl direkte Gefühle einen großen Bestandteil der Anziehungskraft von Toni Braxton ausmachen und der Hörer nicht anders kann, als sich angesprochen zu fühlen, schielt überzuckerte Emotionalität um die Ecke.

Als Resümee bleiben traumhafte Wohlfühlsongs für die Fahrt in´s Grüne oder, der Jahreszeit der Veröffentlichung angemessen, gemütliche Abende bei einem ungezuckerten Tee. Denn für genügend Süße ist mit „Libra“ gesorgt. Der Titel ist übrigens die englische Bezeichnung für das Sternzeichen Waage und lässt Überschneidungen mit einer exakt abgewogenen Musiklandschaft des neuen Toni Braxton-Werkes zu. Doch es wäre absurd, die konstanten Stärken der R&B-Lady nicht zu präsentieren und ihr womöglich ein viel zu enges Korsett zu schneidern. Da genießt man lieber ein gutmütiges, elegant schwelgerisches Album mit dem gewissen Maß an Vorhersehbarkeit und einer vollmundigen Zuckerglasur, ohne die Leistung von Ms. Braxton und ihrem Team zu schmälern. Schön, aber ein Tipp sei mir noch gegönnt: Bitte die beiliegenden Dosierungshinweise beachten.

Anspieltipps:

  • Please
  • I Hate You
  • Take This Ring
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