The Subways - Young For Eternity - Cover
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The Subways Young For Eternity


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 36 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

The Subways machen Lust auf mehr, auch wenn sie sich ziemlich durch die Musikgeschichte klauen

Am 5. April nächsten Jahres ist es bereits 12 Jahre her, dass sich Kurt Cobain von der Welt verabschiedet hat. Millionen Nirvana-Fans konnten es nicht glauben, auch wenn das im Zuge der MTV-Unplugged-Reihe gegebene Konzert auf Geheiß von Cobain mit weißen Lilien ausgeschmückt wurde, die seinen Abschied symbolisieren sollten. Vielerorts rätselt man, was der Grungerocker heute gemacht hätte, wäre er noch am Leben. Ich plädiere darauf, dass er eine eigene Plattenfirma gegründet, junge Musiker um sich geschart und deren Alben auf seinem Label veröffentlicht hätte. Ein sehr guter Anwärter auf so einen heißbegehrten Vertrag wären sicherlich The Subways gewesen, die auf ihrem Debüt natürlich nicht von Kurt Cobain, sondern Ian Broudie (The Coral, The Zutons, Echo & The Bunnymen) produziert wurden. Die Subways bieten körnigen Rock mit Grungeeinschlag und ein bisschen Punk. Das liest sich gut und hört sich dementsprechend fetzig an.

Die gerade mal 18-jährigen Brüder Billy Lynn (Gesang, Gitarre) und Josh Morgan (Schlagzeug) und des Sängers Freundin Charlotte Cooper (Bass, Gesang) kommen aus einem 40.000 Seelenstädtchen nicht unweit entfernt von der Hauptstadt des British Empire und können trotz ihres zarten Alters schon Auftritte mit Graham Coxon, The Von Bondies, The Datsuns, Charlotte Hatherley, The (International) Noise Conspiracy und etlichen anderen amtlich rockenden Formationen auf ihrem Konto verbuchen. Wieso sie sich gerade nach einem öffentlichen Transportmittel benennen? Nun, Sänger Billy pendelt zwischen Schule und Arbeit hin und her, da erscheint ihm der U-Bahn-Tunnel als einziger Zufluchtsort für sein Privatleben passend und The Subways waren geboren.

Bevor sie zum richtig großen Sprung ansetzen konnten, rotierte ihre erste Single für ein paar Wochen im Radio, bis die ersten Anfragen kamen. Den Rest der Geschichte kann man sich denken. Jetzt stehen sie da und liefern ausgelassene Live-Shows als Vorgruppe von Top-Acts. Sie singen über das, was Teenager bedrückt und je eher man sich einfach der Musik hingibt, ohne etwaige Referenzen in früheren Werken der Musikgeschichte zu suchen, desto besser und kraftvoller scheint diese Band zu sein. Doch auch beim genaueren Hinhören zwecks Herstellung von Parallelen können die Drei als äußerst interessant bezeichnet werden, denn gerade als Österreicher fragt man sich, ob Billy, Josh und Charlotte schon mal etwas von „Velojet“ gehört haben, der Indieband aus dem Alpenland.

Der Beginn des Openers „I want to hear what you have got to say“ klingt beinahe haargenau nach dem Anfangsakkord, den die vierköpfige Combo in „Love is on it’s way“ zum Besten gibt. Möglich wäre es, schließlich wurde schon mit den Killers getourt und Ronnie Vanucci soll sie als „the best band in Austria“ deklariert haben. Doch nach einer Minute sind die Ähnlichkeiten verflogen und das Schlagzeug galoppiert zusammen mit der Gitarre Richtung Green Days „Blood, sex and booze“. Auch „Holiday“ beginnt nicht nur annähernd wie „American idiot“, sondern ist auch nach einem Song der drei Herren benannt. „Rock & Roll queen” könnte dann locker von The (International) Noise Conspiracy stammen, freilich mit etwas politischerem Text. Eine kleine Zeitreise wird mit „Mary“ unternommen, wenn die Akustikgitarre die Melodie von „Hope of deliverance“ (Paul McCartney) erklingen lässt und Billy lautstark die guten Taten seiner besten Freundin besingt.

Der offensichtliche Grunge in „Young For Eternity“ verweist auf die Idole des Trios und „Lines in light“ stürzt sich in melancholischen zweistimmigen Gesang. Perfekte Lagerfeuerstimmung, bei der auch das Schlagzeug, Soli und ein zum Träumen schöner Silbenrefrain nicht zu kurz kommen. Leider ist der Track mit knapp über zwei Minuten deutlich zu kurz. Hier hätte ruhig etwas mehr herausschauen können. Danach darf in „Oh yeah“ und „With you“ in bester Mando-Diao-Manier gerockt werden und „City pavement“ ist eine Huldigung an ihr Label.

Die gemäßigten Midtemposongs „No goodbyes“ und „She sun“ hätten sich gut auf „Don´t Believe The Truth“ von Oasis gemacht und wie es sich für eine ordentliche Platte in diesem Genre gehört, wird im Schlusssong „Somewhere“ wieder die Sau rausgelassen. Phasenweise kann man dieses Stück allerdings auch in die Sparte Psychedelic-Rock einordnen, würden Instrumentenausbrüche zwischen den Strophen das nicht verhindern.

The Subways machen Lust auf mehr, auch wenn sie sich ziemlich durch die Musikgeschichte klauen. Sie machen das mit einer jugendlichen, rotzfrechen Naivität und einem „Wir dürfen das“-Ausdruck auf dem Gesicht. Deshalb darf man dem Trio keinesfalls böse sein. Schade ist nur, dass manche Stücke deutlich zu kurz geraten sind und vor einer erwarteten weiteren Strophe einfach halt machen und zum nächsten Track überspringen. Das schmälert den Hörgenuss ungemein, lässt für den nächsten Output aber auf fünf Minuten Stücke hoffen. Und wenn schon „Young For Eternity“ als Debüt, dann bitte „Old Forever“ als 40-jähriges Jubiläumsalbum.

Anspieltipps:

  • Holiday
  • Oh Yeah
  • Somewhere
  • Lines Of Light
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