Schiller - Tag Und Nacht - Cover
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Schiller Tag Und Nacht


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 78 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wohltuendes Kopfkino mit der wichtigen Komponente der unbeschwerten Tagträume.

Christopher von Deylen a.k.a. Schiller ist seit 1998 im Musikgeschäft aktiv und hat sich längst mit seinem weite Flächen erschließenden Sound in eben jenem etabliert. Die Gastmusiker wechseln ständig und reichten von Peter Heppner (Wolfsheim) bis Sarah Brightman. Elektronische Soundscapes und Stimmungen zwischen Melancholie und sonnendurchfluteter Euphorie sind in Verbindung mit multimedialen Liveauftritten das Markenzeichen, welches Christopher von Deylen von Fanscharen aller Generationen getragen zwei goldene Schallplatten und einen Echo einbrachte. Tief greifende Gefühle erreichen Musikhörer aller Art, wenn man sich auf ruhige, erhabene Momente mit der kleinen Geste einlassen kann, ohne den hochstilisierten Hit zu vermissen. Um den schnellen Erfolg geht es Schiller nun wirklich nicht.

Der Liebhaber zarter zu Musik gewordener Träume gibt sich stets zurückhaltend und lässt in der Popwelt das aufleben, was ihr so manches Mal abhanden kommt: Ehrliche, sehnsuchtsvolle Musik mit dem Hang zur ausgeklügelten Ästhetik. Nun präsentiert Christopher von Deylen nach „Zeitgeist“, „Weltreise“ und „Leben“ sein viertes Album „Tag Und Nacht“. Neben hochkarätigen Gastvokalisten halfen Pink Floyd-Drummer Garry Wallis, Thissy Thiers (Bass), Micky Meinert (Gitarre) und Christopher Papendieck (Keyboards). Die Sprecher der Hörspielserie „Gabriel Burns“, Jürgen Kluckert sowie Ernst Meincke, leiten mit ihren faszinierenden Stimme einige Songs ein und verstärken die Züge eines erzählerischen Gesamtwerkes.

War die erste Single „Die Nacht... Du Bist Nicht Allein“ durch die bescheidene Stimme Tina Dürrs und die für Thomas D.-Verhältnisse nicht ganz so treffsichere Lyrik eher schwach, so ist der Longplayer auf konstant hohem Niveau. Sich Zeit nehmen und abtauchen in sphärische Welten, die das Herz mit jeder Minute mehr erwärmen, sind die unweigerlichen Schlussfolgerungen sobald man die CD eingelegt hat. Es gibt einen Hauch mehr Gesang als bisher, wobei Kim Sanders allen Schiller-Hörern hinreichend bekannt sein dürfte. Ihre soulig warme Stimme trägt „I Saved You“ in höchste Höhen durchdringender Hoffnung. Das Instrumental „Berlin Bombay“ und auch „Feuerwerk“ haben orientalisches Flair, so dass auch der kulturübergreifende Wert ordentlich gepflegt wird. Immer höchst sensibel und filigran wird in ausgewählten Momenten dem beschwingten Beat genügend Raum gegeben, ohne pauschal die Tanzflächen anzupeilen.

Das Wohnzimmer ist der Ort, an dem Schiller-Platten ihre wahre Schönheit ausspielen. Musikvisionär Mike Oldfield revanchiert sich für Christopher von Deylens Beitrag zum aktuellen Album „Light And Shade“ und steuert in „Morgentau“ in bester Manier traumhafte Gitarrensounds bei. Als weitere Gäste überzeugen KayCee-Sängerin Jette von Roth und Clannad-Frontfrau Moya Brennan mit ihren unverkennbaren, mal mystisch, mal verspielten Stimmen. Doch obwohl die Eingängigkeit in den mit Vocal-Parts verzierten Tracks zunimmt, sind die instrumentalen Elemente wohltuendes Kopfkino mit der wichtigen Komponente der unbeschwerten Tagträume. Eine Atmosphäre, die durch die Stimmen gewinnt und doch auch ohne sie sonnige, einfühlsame Gefühle kitschfrei und direkt dem Hörer vermittelt.

Anspieltipps:

  • What´s Coming
  • Morgentau
  • Berlin Bombay
  • I Saved You
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