Spitting Off Tall Buildings - Spitting Off Tall Buildings - Cover
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Spitting Off Tall Buildings Spitting Off Tall Buildings


  • Label: Sanctuary/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 32 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Was soll man denn davon halten? Eine Band, die so prägnante Songs wie die Ramones spielt, ebenfalls im Punkrock beheimatet ist und so knackig wie schon lange nicht mehr als Liveact herhält, kann doch nur „the next best thing“ sein? Dass dieses ganze Gerede um DIE Sensation eines jeweiligen Jahres mitunter nur mehr belächelt wird, muss wohl nicht mehr erwähnt werden. Vielmehr sieht man von den Lobhudeleien und allzu peinlichen Vergleichen mit wirklich zu Kult avancierten Bands ab und hört sich das Debüt von „Spitting Off Tall Buildings“ an, ohne die Presseinfo gelesen zu haben. Schließlich will man sich nicht alles in den Mund legen lassen.

Das Ganze startet schon mal nicht schlecht mit „Come On“, in dem straight rockend die Grenzen abgesteckt werden, was man in der nächsten halben Stunde zu hören bekommt. „Lets do something outrageous / Your mediocrity is contagious / This is no TV show / This is no revolution / This is about me & you / There’s absolutely no exclusion” keifen ein Mann und eine Frau ins Mikrophon. Eine Spur nervtötenden Charakter weist das weibliche Organ auf, mal schauen ob das nur im Opener so ist. Das Raunzen bleibt in „Mc Noise“ dasselbe, aber bezüglich Tempo wird noch eine Schippe draufgelegt, womit wohl das eingestreute „Go“ gerechtfertigt werden soll. Dann wird es poppig, geradezu hemmungslos kommerziell, wenn „This Boy“ seine knappen zweieinhalb Minuten auf dem Tonträger in Anspruch nimmt. Typischer Fall von Hitsingle, kann man aber ohne weiteres unter „durchaus gelungen“ einordnen. „Nowhere“ ist hingegen ziemlich unspektakulär und wirkt unfertig und skizzenhaft. Überhaupt muss man einigen Songs von SOTB das Prädikat „halb durch“ unter die Nase reiben.

Die Ideen sind auf jeden Fall vorhanden, gehen aber in den zu kurzen Songs unter, bilden kein eigenständiges Glied und können sich nicht wirklich entfalten. Wirklich eindringlich und als Ganzes stimmig gestalten sich „Gotta Hey“, wo sich Mann und Frau mal wieder bekriegen und abwechselnd niedersingen, „You Want Some“, das zwischendurch an At the Drive-In´s „Invalid Litter Departement“ erinnert und zum Schluss nach einem „I´m so bored“-Ausruf alles in der Umgebung durch ein Instrumentenkollektiv niedermäht und „Questions & Answers“, das thematisch hoffentlich nicht mehr aktuell ist („Got more questions than answers / Got more problems than money in my bank account“), aber dafür umso mehr durch schönes Songwriting besticht. Zum Schluss gibt’s dann noch einen derb punkigen Auszug aus den Nachrichten über die Ölpreise, der mit rotzigen Ausrufen „Die Die Yuppie Scum / (With) all the bullshit in your head / Die Die Yuppie Scum / (With) all the bullshit in your head“ garniert wird. So kann man also auch seine Meinung bezüglich der steigenden Benzinpreise kundtun. Interessant!

Nach dieser energiegeladenen, dreckigen halben Stunde ist man weder enttäuscht noch überwältigt, dennoch etwas verwundert, dass man derartig explosives Material, das in den Tracks zu finden ist, einfach über Bord wirft und keine Luft zum Atmen lässt, sondern im Keim erstickt und sobald man Gefallen an einer Melodie gefunden hat eine nächste aufbringt. Wirft man nun einen Blick auf die Info der Plattenfirma erfährt man die Namen hinter den Stimmen. Jana Pallaske (Gesang), Gregor Albrecht (Gitarre), Paul Frank Radermacher (Bass, Gitarre, Gesang), André Jürgens (Bass) und Niels Eberle am Schlagzeug heißen also die Fünf, die allzu gerne auf Dächern hoher Häuser stehen und einfach der Freiheit wegen von selbigem spucken. Ihr „Sex, Drugs and Rock´n´Roll“ Image macht ihnen schnell keiner streitig, wer singt denn heutzutage auch ungeniert „Sometimes I just wanna fuck“ oder nennt einen Song „Fuck Ups“ in einer Zeit, wo derartige obszöne Ausflüge ohne Umschweife zensiert werden? Bleibt nur zu hoffen, dass SOTB die Spucke nicht im Hals stecken bleibt.

Anspieltipps:

  • Gotta Hey
  • Questions & Answers
  • This Boy
  • You Want Some
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