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Diverse Help: A Day In The Life


  • Label: Pias/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 77 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Vor exakt zehn Jahren nahmen Größen der britischen Musikszene, unter ihnen Suede, Manic Street Preachers, Oasis, Blur u. a., in kürzester Zeit neue Songs auf und veröffentlichten diese innerhalb einer Woche auf dem Sampler mit dem eindeutigen Namen „Help“. Initiiert von War Child, einer Organisation zur Unterstützung von notleidenden jungen Menschen in Kriegsregionen, kam es so zum schnellsten No. 1-Album in der Geschichte der britischen Charts. Nun soll diese bewegende Aktion wiederholt werden, um für Kinder und Jugendliche im Irak ein erträglicheres Leben zu ermöglichen und für sie Schulen zu erbauen und den Heranwachsenden wenigstens ein kleines Maß an Normalität und Sicherheit zu schenken.

Am 9. September spielten die beteiligten Künstler, überall auf der Welt verteilt, jeweils einen Song ein, der innerhalb von 24 Stunden auf der Website www.warchildmusic.com zum Download bereitgestellt wurde. Ein physischer Tonträger folgte zwei Wochen später und ist ab sofort auch in Deutschland zu erwerben. Aufgrund der begrenzten Spielzeit muss man auf der CD das Fehlen der Tracks von Belle & Sebastian und The Zutons verschmerzen, kann diese jedoch weiterhin auf besagter Seite herunterladen. Der komplette Gewinn aus den Verkäufen geht direkt an War Child, wobei die exklusiven Songs einen deutlichen Anreiz zur Unterstützung dieses Projektes darstellen.

Coldplay verlassen kurzzeitig ihren melancholischen Pfade und geben sich zwischen verträumten Pianoklängen bei „How You See The World No. 2“ krachiger als gewohnt. Chris Martin schmachtet in unnachahmlicher Art und Weise und schafft es dennoch, dem Anlass entsprechend direkt und mit prägnantem Nachdruck den Text zu intonieren. Das Who-Is-Who der sozial engagierten Musiker geht mit Radiohead, die sich sphärisch in sakralen Höhen bewegen, weiter. Klavier und sanfte Backgroundchöre verschaffen der Stimme Thom Yorkes genügend Platz und zeugen von einer zurückhaltenden Ästhetik. In Zusammenarbeit mit Faultline wagen sich Keane an den Elton John-Klassiker „Goodbye Yellow Brick Road“ und ertönen ungewohnt rau. Emmanuel Jal, der als Kind selbst Soldat im Sudan war, verlässt den auf nahezu gesamter Spielzeit vorherrschenden Britpop und rappt in ungeschönten Texten zu entspannten Reggaesounds. Aufgrund seiner hautnahen Erfahrungen in Krisenregionen eine wirklich bewegende und authentische Angelegenheit.

Zwischen den Senkrechtstartern Bloc Party, The Kaiser Chiefs und Maximo Park erfrischen besonders Mylo mit intelligentem Soft-House und einer gehörig eingängigen Erlebniswelt im Land der Elektronik. Selbst Vollzeit-Weirdo Pete Doherty hat es mit seinen Babyshambles und „From Bollywood To Battersea“ auf das Album geschafft. Folk und Dub treffen auf Dohertys von der unkontrollierten Einnahme verschiedener Substanzen gebeutelte Stimme. Zum Abschluss interpretiert das Traumpaar Boy George und Antony (Antony & The Johnsons) John Lennons „Happy Christmas (War Is Over)“ und bestätigt unwiderstehlich ihre formschöne, androgyne Seite.

So bleibt am Ende nichts als eine ausdrückliche Kaufempfehlung, die durch einen tollen Querschnitt an bedeutenden Künstlern und nicht immer perfekte Aufnahmen ihren Reiz ausmacht und ganz nebenbei ein wichtiges Statement von Popkultur und sozialem Engagement überliefert. Fast bis zur letzten Minute gefüllt bietet „Help: A Day In The Life“ entdeckungswürdige und etablierte Künstler, die innerhalb kürzester Zeit den zweiten Teil dieses Projektes möglich machten und spontan Songs zur Verfügung stellten. Erquickende Momente für die Ohren und die Gewissheit, dass idealistische Werte in der Musik nach wie vor einen hohen Stellenwert haben.

Anspieltipps:

  • Radiohead – I Want None Of This
  • Damien Rice – Cross-Eyed Bear
  • Mylo – Mars Needs Women
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