The Fall Of Troy - Doppelgänger - Cover
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The Fall Of Troy Doppelgänger


  • Label: Equal Vision/CARGO
  • Laufzeit: 45 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Bevor man überhaupt erst beginnt, die musikalische Ebene der vorliegenden Platte zu erfassen, müssen erst einmal ein paar Dinge die CD betreffend erläutert werden. Der Titel des Albums lautet „Doppelgänger“. Darunter versteht man grundsätzlichen jemanden, der einer berühmten Person oder Menschen wie du und ich extrem ähnlich sieht und dadurch auch öfter für Schauspieler oder Celebrities als Double für Stuntszenen oder zum Personenschutz angeschafft wird. Daher könnte man in diesem Fall fast von einem konzeptionellen Werk sprechen, da eben solche Doppelgänger hier in musikalischer Form geboten werden.

Zum einen werden vier alte Stücke, die auf dem selbstbetitelten ersten Album des Trios Thomas Erak (Gitarre, Gesang), Tim Ward (Bass, Gesang) und Andrew Forsman (Schlagzeug) in etwas schlechter Qualität zu hören waren, neu eingespielt („I just got this symphony goin´“, „F.C.P.S.I.T.S.G.E.P.G.E.P.G.E.P.“, „Mouths like sidewinder missiles“, „Whacko Jacko steals the elephant man’s bones“) und zum anderen finden sich auf der CD neue Songs, die als „Tom Waits“ oder „Macaulay McCulkin“ betitelt sind. Der Inhalt der Stücke hat mit den genannten Personen allerdings nichts am Hut hat, außer den Namen.

Hört man die Platte das erste Mal am Stück durch, sitzt man nach der gemischten ¾-Stunde aus Hardcore, Screamo-Metal, Punk und Metalcore ziemlich verdutzt und ratlos gegenüber. Handelt es sich hier um begnadete Genies oder um sinnloses Instrumentengequäle? Dazu muss gesagt werden, dass keiner der Drei mehr als 20 Jahre auf dem Buckel hat und sich die Band aus reiner Langeweile zusammengeschlossen hat. Wirres, unkontrolliertes Drauflosspielen müsste sich in diesem Kontext anders anhören. Nein, die Jungs wissen was sie tun und das machen sie in einer Art und Weise, die man sonst von den ganz Großen des Genres gewohnt ist. Gemeint sind die Wegbereiter At The Drive-In, deren Nachfolgeband The Mars Volta und Refused.

Nach dem zweiten Durchgang sitzt man noch immer fassungslos vor der Wucht, die aus den Boxen kreischt, fiept und schreit, doch langsam finden sich Anhaltspunkte, Koordinaten im Soundgefüge, die das Verstehen und die Erschließung der vor Energie strotzenden Monster einfacher machen. Man merkt, dieses Werk benötigt Aufmerksamkeit, viel Aufmerksamkeit. Nimmt man sich die Zeit, wird man jedoch fürstlich belohnt und bekommt dafür einen der umwerfendsten Hardcore-Brocken aufgetischt, den man zuletzt in dieser Form am ehesten auf „Relationship Of Command“ von At The Drive-In (z.B. „One armed scissor“) oder auf „Frances The Mute“ von The Mars Volta (die „Cassandra Geminni“-Komposition ist wärmstens zu empfehlen) vernommen hat.

Es laufen Gitarrenwände los, setzten zum Sprung an, schaffen die Hürde nicht, versuchen es nochmals. Ein wütendes Schlagzeug gesellt sich dazu, probiert es ebenfalls und ein Sänger kreischt „Why? Why? Why? Why? Why?“. Wieso das Ganze? Weil es unbegreiflich ist, wie harmonisch zwei Instrumente in einem dissonanten Konstrukt zusammenpassen und sich ergänzen. Allzu oft sollte man „Doppelgänger“ allerdings nicht hören, sonst könnte man bei Texten a la „I´ll be waiting on the side of your house / With an empty bodybag / and a loaded .45 / And now you won´t forget my fucking name!” oder “Time Lost the evidence / Mindless, like I´ve been here before / These words are irrelevant / You don´t intimidate, you don´t incorporate, you… / Load. Click. Shoot! Oh my god! 911 calling all cars!” leicht auf der Watchlist für mögliche gesellschaftsschädigende Ausbrüche landen.

Kurzfristig verneigt sich das Trio im 8-minütigen Abschluss „Whacko Jacko steals the elephant man´s bones“ vor dem Stück „Cicatriz ESP“ aus der Feder von Omar A Rodriguez Lopez (zu finden auf „De-loused In The Comatorium“) und macht dies mit einer Selbstverständlichkeit als wäre es ihr Einfall gewesen. Der einzige Nachteil an dieser Platte ist, dass man nebenbei nicht arbeiten, spielen oder einer anderen Beschäftigung nachgehen kann, weil man von diesem Werk magisch in seinen Bann gezogen wird. Das sollte aber bei allen großen Alben so sein.

Anspieltipps:

  • Laces Out, Dan!
  • Act One, Scene One
  • Macaulay McCulkin
  • Mouths Like Sidewinder Missiles
  • Whacko Jacko Steals The Elephant Man´s Bones
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