Forms Of Plasticity - 10 - Cover
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Forms Of Plasticity 10


  • Label: Cracked Anegg Records
  • Laufzeit: 62 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Forms Of Plasticity“ (kurz FOP) heißt eins zu eins ins Deutsche übersetzt soviel wie „Formen von Plastizität“. Gemeint ist damit die österreichische Band um Johannes Specht (Gitarre), Lorenz Raab (Trompete), Oliver Steger (Bass), Mike Breneis (Schlagzeug) und Bionic Kid an den Turntables. Zuletzt genannter war für die „Waxolutionists“, einem Wiener Dj Kollektiv tätig, und war auf dem Vorgänger „Fip Fop“ aus dem Jahre 2003 nur temporär für die elektronischen Einflüsse zuständig und ist erst mit „10“ als fixes Mitglied eingestiegen. Doch zurück zum Bandnamen. Dieser beinhaltet nämlich nicht einfach so das Wort „Plastizität“ in sich, sondern damit soll der Sound des Quintetts bezeichnet werden. Die Jazz-Trompete ist allgegenwärtig, doch beschränken sich die restlichen Vier nicht auf sturen Einsatz ihrer Instrumente ins vorherrschende Konzept und wagen hin und wieder auch Ausbrüche in Rockgefilde oder dem Einsatz irrer Scratches. Diese Spontanität und Eigensinnigkeit in ihren Stücken lässt sich daher nicht fest in ein Genre pressen und somit erfinden sie den Begriff der „Dehnbarkeit“ ihres Schaffens und nennen sich auch gleich danach. Und so unrecht haben sie mit dem „in eine Schublade stecken“ nicht. Einmal tobt sich der Gitarrist nach Lust und Laune aus, dann wieder das Schlagzeug, ein anderes Mal steht die Trompete im Vordergrund. Irgendwie instrumentaler Rock mit einem Schuss Jazz oder doch virtuose Jazzkompositionen mit einer Prise Rock? Es ist eben schwer zu definieren, was das Gehörte unterm Strich darstellt. Uninspiriert ist es keinesfalls.

Der Albumtitel kommt auch nicht von ungefähr. „10“ neue Staaten sind letztes Jahr zur Europäischen Union dazugestoßen: Lettland, Zypern, Polen, Slowakei, Litauen, Estland, Ungarn, Slowenien, Malta und die tschechische Republik. Das ist auch die Trackliste zum neuen Album. Man hat sich Gedanken gemacht über diese zehn neuen Beitrittsländer und seine Ergüsse in Musik umgesetzt und unterschiedlicher hätten die Assoziationen und das Endprodukt nicht sein können. „Latvia“ beginnt ganz kalt und distanziert, versprüht aber dennoch Wärme und ist allen Menschenrechts- und Umweltschutzorganisationen gewidmet. „Cyprus“ wartet im Gegenzug mit Scratches, groovenden Gitarrenlicks und deutlich flotter und lauter auf. Die Idee dahinter war der Cocktail „Brandy Sour“, der laut eigenen Angaben dort zum Nationalgetränk wurde. In „Poland“ kommt Sängerin Sandra Pires zum Einsatz und erzählt uns eine Geschichte von Menschen, die mit ihren Rädern durch die ländliche Gebiete fahren. Zudem beinhaltet der Track ein Motiv des Komponisten Karol Szymanowski. Das Thema Kernkraft wird dann in „Slovakia“ anfänglich mit „Power Plant Scratching“ behandelt und „Lithunia“ ist Raabs litauischen Eltern gewidmet. Ein beschwingtes Jazz-Groove Monster wird uns dann mit „Estonia“ vorgesetzt, dass mit dem Thema „Höflichkeit“ hantiert und „Hungary“ entstand in Anlehnung an ein ungarisches Gedicht. Zuerst düster und unheimlich, lockern sich schnell die dunklen Wolken und lassen erlösenden Schlagzeugregen auf den Hörer niederprasseln.

Bela Bartok liefert mit seinen ungarischen Volksmelodien die Vorlage für „Slovenia“, schleicht sich unbemerkt in den Gehörgang und bleibt dort die nächsten paar Tage als Ohrwurm zurück. Der Exotenstatus wird in „Malta“ 8 ½ Minuten umrissen und erstreckt sich musikalisch von behäbig über tagträumerisch bis aufgeweckt. Von der „Czech Republic“ und ihren 13 Minuten sollte man sich nicht schrecken lassen, denn der eigentliche Track dauert nur ein Drittel der Zeit (Inspiration hierfür war Johann Sebastian Bach) bis 90 Sekunden Stille herrscht und anschließend eine tanzbarere Version des polnischen Tracks beginnt und sich Fragmenten des Textes durch Sandra Pires und durch den Vocoder gezogen bedient. Mit „10“ wird man auf eine musikalische Reise durch Länder geführt, die in nicht allzu weiter Entfernung liegen, aber man auf diese Art noch nicht erlebt hat. Die Vorlagen und Einflüsse unter denen die zehn Tracks entstanden sind sollte man aber nicht streng in seine Vorstellungen über das Gehörte pressen, sonst könnte einem der eine oder andere eigene Aspekt oder Zusammenhang abhanden kommen.

Anspieltipps:

  • Latvia
  • Poland
  • Slovenia
  • Malta
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