Bright Eyes - Motion Sickness - Cover
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Bright Eyes Motion Sickness


  • Label: Team Love Records
  • Laufzeit: 60 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Conor Oberst, Kopf und Sänger von Bright Eyes, ist wohl der bekannteste Newcomer der letzten Monate. Wer ihn und seine Band nicht kennt, hat einen großen Teil neuer Musikgeschichte verpasst. Langsam aber sicher bahnte er sich seinen Weg über die bekannten Musikmagazine hinein in die deutschen Charts. Seine beiden letzten Alben, die er gleichzeitig veröffentlichte („I Am Wide Awake, It´s Morning“, „Digital Ash In A Digital Urn“) überzeugten die hiesigen Musikhörer so sehr, dass sie zumindest erstgenanntes in den vorderen Bereich der Albumcharts katapultierten. Die im Anschluss an diese Veröffentlichungen durchgeführte Welttour war ein voller Erfolg und wurde in einzelnen Städten aufgezeichnet. Herausgekommen ist dabei „Motion Sickness. Live-Recording“, ein besonderer Leckerbissen, für all die armen Seelen, die ihn nicht live erleben konnten.

So mancher steht Live-Aufzeichnungen eigentlich immer skeptisch gegenüber: die Stimme des Sängers/der Sängerin ist meistens nicht mal halb so gut wie auf der Platte, endlose Soli diverser Instrumentalisten und zusätzliche Änderungen der Lieder langweilen. Wäre man dabei, würde man frenetisch jubeln – zu Hause in seinem Zimmer ist so etwas meist unerfreulich.

Überraschend anders deshalb die Bright-Eyes-Live-CD. Conor Oberst klingt genauso klar, wie auf seinen Alben. Der Vorteil, den sein Gesang immer schon hatte, ist seine Klarheit. Man benötigt kein Textbuch, um seine zumeist traurigen (wundervoll: „True Blue“), oft politisch engagierten Lieder zu verstehen. Conors Stimme intensiviert die Lieder noch stärker als auf den Studioalben. Das Zittern und die Wut in seiner Stimme sind besonders bei dem live umjubelten „When The President Talks To God“ zu hören.

Auch die Zusammenstellung der CD birgt ein weiteres Plus. Sechs der 15 Lieder stammen von der „I Am Wide Awake, It´s Morning“–CD, die übrigen sind entweder von früheren Alben (z.B. von „Lifted“) oder Coverversionen. So ließ sich Oberst vom wunderbaren Elliott Smith inspirieren (wenn das nur mehr Künstler täten) und übernahm dessen Song „The Biggest Lie“. „Mushaboom“, ein weiterer Coversong, stammt von Feist, einer hier relativ unbekannten Band, welche Oberst selbst auch erst durch ein Bandmitglied auf der Tour für sich entdeckte.

Auffällig erscheint beim Hören der sparsame Einsatz der sieben Bandmitglieder. Sie unterstützen Obersts Gesang, zerstören jedoch nicht das Klangerlebnis. Während der ersten sieben Stücke hat der Hörer mehr oder weniger das Gefühl, Oberst steht ganz allein auf der Bühne. Beginnend mit „Method Acting“ wird er von seiner Band wirklich hörbar begleitet. Dies ist auch eines der wenigen Stücke, welche nicht nur zum Zuhören, sondern auch zum Mitwippen animieren. Großartig ist auch auch „Road To Joy“ - das war es aber auch schon auf dem Studioalbum.

Insgesamt betrachtet ist diese CD nur bedingt was für Fans, die Neues von der Band erleben möchten, da Conor Oberst die meisten der Lieder ähnlich interpretiert wie auf den bereits erschienenen CDs. Auch gehen einige im Studio aufgenommene wundervolle Arrangements live verloren. Wer jedoch Obersts Leiden intensiv erleben will und die musikalische Vielfalt von Bright Eyes noch nicht kennt, sollte sich diese CD nicht entgehen lassen.

Anspieltipp:

  • Road To Joy
  • True Blue
  • We Are Nowhere And It´s Now
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