Seeed - Next! - Cover
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Seeed Next!


  • Label: Downbeat/WEA
  • Laufzeit: 46 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Weltgeschichte muss umgeschrieben werden und das nur wegen elf Menschen, die sich gemeinsam Seeed nennen und Dancehall Reggae mit einer Mischung aus Jamaican Ska, Dub und Hip Hop betreiben. Wieso? Weil laut dem Track „Schwinger“ John F. Kennedy einen weltberühmten Satz nicht sagte, weil er die Solidarität mit dem ansässigen deutschen Volk teilen wollte, sondern wegen Seeed sagte Kennedy „ich bin ein Berliner“! Fürwahr ein gewagtes Unterfangen zugunsten des dritten Albums „Next!“ politische Ereignisse auf den Kopf zu stellen.

An Selbstbewusstsein mangelt es den Mannen mit den drei E´s nicht gerade. Zurecht kann man sagen, denn wenn man für derartiges internationales Aufsehen sorgt, kommt es schon vor, dass man zu Übertreibungen neigt. Als 2001 „New Dubby Conquerors“ erscheint sind die Erwartungen an das Debütalbum zur ersten Single „Dickes B“ äußerst groß und werden keineswegs enttäuscht, wenn nicht sogar übertroffen. Auch der Nachfolger „Music Monks“ zwei Jahre später wird ein durchschlagender Erfolg und die Band steht international mit Topacts auf der Bühne. Das nächste starke Lebenszeichen setzt wieder auf das gelungene Paket aus witzigen Texten, eingängigen Hooklines und genial konstruiertem musikalischem Beiwerk.

Der schon angesprochene Song „Schwinger“ eröffnet den fröhlichen Reigen des Dancehall Reggae in die dritte Runde und haut einem gleich die altbekannten Maximen um die Ohren. In „Next!“ gibt’s dann „Stuff to relax / To have sex / To cheer you up when you´re vexed” und Hintern werden gekickt und Massen bewegt. Die Vorabsingle „Aufstehn“ bevorzugt Downtempo-Reggae, damit das nachfolgend stampfende „Stand up“ zur doppelten Geltung kommt. Die Kleiderwahl bei Damen steht dann im sarkastischen Mittelpunkt bei „Tight pants“, bevor in „Please“ unmissverständlich das weibliche Geschlecht „angebaggert“ wird. Cineastische Dimensionen mutet der Track „Ocean´s 11“ an, wenn die Jungs erklären „Ain´t no job like robbin´ a casino / We bombed that spot dressed up in tuxedos / champain poppin´ - it´s better than a dream now / Livin´ in a plot by Quentin Tarantino”. Fest binden wollen sie sich in „Can´t hold me “ nicht, doch in „Goosebumps” stehen die Frauen wieder ganz oben auf der Liste, wenn es darum geht, das Gefühl zu erklären, wenn man vom anderen Geschlecht angetan ist.

Tempodrosselung erfährt „Slow life“ in chilliger Atmosphäre und „Ding“ ist der Partytrack schlechthin: „So, heute bin ich ziemlich gut drauf / Zieh mich schick an, setz´n Hut auf / Die Rolex tickt, Mann seh ich gut aus / Hol mir den Kick, den ich absolut brauch“ und absolute Lachkrämpfe beschert einem vor allem der Refrain „Ooh du hübsches Ding / Ich versteck meinen Ehering / Klingelingeling wir könntens bring / doch wir nuckeln nur am Drink“. Mit dem Verweis auf Placebo („Mit einem Mal gefällt mir jedes Lied so / Tanz sogar zum Song von Placebo“) ist „Nancy boy“ gemeint, in dem es annähernd um das gleiche Thema geht. Mehr groovigen Reggae bietet dann „She got me twisted“ und „Light the sun“ und der Rausschmeißer „End of days“ sind wieder mehr der Tanzfläche zugetan.

Alfi, Based, Demba, Frank, Luke, Mo Delgado, Pierre, Ruebi, Tchamp, Tobsen und Torsten haben es einfach drauf. Mönche, Lokalpatrioten oder schlicht und ergreifend Party People. Seeed kombinieren, tüfteln und fertigen Klänge und Texte an, die manche Bands ihr Leben lang nicht hinbekommen. Somit ist auch der dritte Output eine klasse Sache geworden, dass auch das Ineinanderfließen mancher Tracks untereinander bezeugt. „Seeed-Sound macht kleine Typen groß“ – Recht haben sie!

Anspieltipps:

  • Ding
  • Goosebumps
  • Stand Up
  • She Got Me Twisted
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