Minor Majority - If I Told You, You Were Beautiful - Cover
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Minor Majority If I Told You, You Were Beautiful


  • Label: Strange Ways/INDIGO
  • Laufzeit: 62 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Das im Jahr 2000 als Duo gegründete Gespann aus Songwriter und Sänger Pal Angelskar sowie Andreas Berczelly konnte sich in ihrer Heimat Norwegen als Support für die Walkabouts zum ersten Mal einem größeren Publikum vorstellen. Es folgten euphorische Kritiken im Land der Fjorde und eine Nominierung für den norwegischen Grammy. Hierzulande hörte man erst Anfang 2005 von Minor Majority. Das Deutschland-Debüt „Up For You & I“ ließ Freunde melancholischer Großtaten von Leonard Cohen bis William Oldham aufhorchen. Da dieses Werk bereits das dritte Album der mittlerweile um Jon Arild Stieng (Bass, Gitarre, Akkordeon) zum Trio aufgestockten Nordländer war, bekommen wir nun die Chance, die ersten beiden Longplayer im Doppelpack zu entdecken und zurückhaltende, direkte Perlen melancholischen Songwritings lieben zu lernen.

CD 1 enthält das 2002 in Norwegen veröffentlichte Zweitwerk „If I Told You, You Were Beautiful“ und ist das Herzstück der Doppel-CD. Im Americana geerdet blinzelt uns vereinnahmender Folk an, der schon mit den ersten zehn Sekunden im Opener einem guten Freund gleicht und sich wie Samt auf unsere Seelen legt. Man fühlt sich schnell zuhause und dieses Gefühl hält an, verstärkt sich durch tröpfelnde Akustikgitarren, zarte Streicherarrangements, die Hoffnung spendende Stimme Pal Angelskars und erfährt seinen Höhepunkt, wenn sich Karen Jo Fields an das Mikrophon gesellt. Ihre himmlische Stimme macht aus dem ohnehin schon großartigen „Dancing In The Backyard“ eine echte Herzensangelegenheit. Guided By Voices´ “Motor Away” bettet sich als ehrenvolle Darbietung, die als Hommage an den ewigen Geheimtipp um Indie-Ikone Robert Pollard zu werten ist, in den sonnigen Fernweh-Kontext von Minor Majority. Auch die elektrische Gitarre hält Einzug und treibt „The Smell Of Coffee“ in beschwingte, mitreißende Gegenden. Auf ganzer Länge von „If I Told You...“ erstrahlt eine Unaufdringlichkeit, die sich trotzdem in den Gehörgängen festsetzt und jede Stimmungslage des geneigten Hörers traumhaft verziert in positivere Gefilde lenkt. Kaum ein Song braucht länger als drei Minuten, um seine ganze Pracht zu versprühen. Als Abschluss wird Buddy Hollys „Learning The Game“ liebevoll mit Hinzunahme eines Banjos gecovert. Wenn es nicht schon längst passiert ist, sucht man spätestens jetzt seine verloren geglaubte Repeat-Taste auf der Fernbedienung und verlangt nach einem erneuten Durchlauf einer kurzlebigen und mit 34 Minuten leider auch etwas zu kurzen Scheibe. 9/10 Punkten

Doch CD 2 wartet noch auf den entzückten Musikliebhaber und bietet das eigentliche Debüt „Walking Home From Nicole´s“, um die Werkschau des bisherigen Schaffens von Minor Majority zu komplettieren. Leider wird die ausgewogene Stimmung voriger CD hier nicht erreicht und man bekommt eine gelegentliche Unentschlossenheit zu spüren. Noch auf der Suche nach den mittlerweile deutliche zu Tage getretenen Stärken der Norweger wirkt die Scheibe zu zerrissen, um als Dauerbrenner im CD-Regal hervorzustechen. Zwischen verworrenen Stücken, in denen das reduzierte, akustische Gewand an Präsenz einbüßt, erstrahlen allerdings auch hier große Momente der Glückseligkeit. Mit Karen Jo Fields als Gastsängerin ist besonders das von einem Piano umzingelte „What I Deserve“ eine süchtig machende Komponente. „Singalongsong“ streift den Blues und verliert durch mitunter noisig zu nennende Gitarrensounds und einen Hauch von Bedrohlichkeit an Charme. Elektronische Sounds und verstörende Stimmungen funktionieren jedoch auch bei Minor Majority, wie das von Karen Jo Fiels allein vorgetragene „Passion For Property“ belegt und mit Trip Hop-Elementen überzeugend überrascht. Im Vergleich zu „If I Told You...“ fällt das auf der zweiten CD enthaltene Debüt „Walking Home From Nicole´s“ dennoch deutlich ab und muss mit 5/10 Punkten auskommen. Da die Doppel-CD zum Preis eines einzelnen Longplayers angeboten wird, sollte man trotzdem nicht lange warten und auf CD 1 eintauchen in die elegante Reduziertheit seelenvoller Singer/Songwriter-Schönheiten, zumal die zweite Scheibe auch ihre erhabenen Momente hat, es jedoch längst nicht mit dem späteren Output von Minor Majority aufnehmen kann.

Anspieltipps:

  • What I Deserve
  • Motor Away
  • Then You Said Something
  • Dancing In The Backyard
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