30 Seconds To Mars - A Beautiful Lie - Cover
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30 Seconds To Mars A Beautiful Lie


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 61 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Jared Leto führt ein Doppelleben. Die Welt kennt ihn als Schauspieler, der trotz seiner 34 Lenzen zu einer nachrückenden Generation talentierter Jungdarsteller gehört, die die ergrauenden Eminenzen Hollywoods langsam aber sicher ablösen. Wer Filme wie „Requiem of a dream“, „Fight Club“ und „Panic Room“ im Portfolio hat darf sich ohne falsche Bescheidenheit als einer der gefragtesten Schauspieler feiern lassen.

Weitestgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich Jared Leto inzwischen aber auch als Mitläufer einer aufstrebenden Generation Nachwuchsmusiker etabliert, die rotzfrech im Territorium des modernen Rocks wildern und dabei den Trent Reznors (Nine Inch Nails) und Minard James Keenans (Tool) dieser Welt kräftig auf die Füße latschen. Denn von eingangs erwähnter Bescheidenheit scheint Jared Leto noch nichts gehört zu haben. Das selbstbetitelte Debütalbum gerierte sich als gäbe es nichts Selbstverständlicheres als die Musik von 30 Seconds to Mars. Der spacige Alternative Rock, oder welche Einordnung Genrefetischisten diesem Stil auch immer geben mögen, war Vielen auch prompt zu abgehoben. Zu verkopft, zu vertrackt, zu berechnend und irgendwie seelenlos war dementsprechend der überkritische Tenor vor Allem im konservativen Deutschland. Wahrscheinlich erschien die Band aber einfach nur zur falschen Zeit im falschen Genre. 2002 war die Welt wohl noch nicht reif genug. Inzwischen dürften 30 Seconds to Mars der Durchbruch auf breiter Front aber eher möglich sein, denn die Amerikaner klingen keinesfalls seelenloser als die eingeschränkt vergleichbaren Kollegen von Dredg oder System of a down, erreichen mit „A Beautiful Lie“ allerdings nicht die Qualität der letzten Veröffentlichungen der genannten Bands.

Jared Leto wäre besser beraten gewesen, wenn er sich die kritischen Töne nicht so sehr zu Herzen genommen hätte. Die Mucke klingt dank fast vollständig herausgenommener Industrial-Anteile zwar jetzt etwas wärmer und aufgeräumter, lässt aber deswegen leider auch die zahlreichen spektakulären Momente des Debütalbums vermissen. Einzig die in den USA ausgekoppelte Single „Attack“ knüpft noch kompromisslos an dieses an. Danach dominieren meistens bedächtigere Töne. Damit dürfte „A Beautiful Lie“ zwar eine längere Halbwertszeit als das Debüt aufweisen, aber auf zwingende Highlights a la „Capricorn“, „Edge of the earth“ und „The Mission“ wartet man leider vergebens.

Dass „A Beautiful Lie“ trotzdem zündet liegt an der einmal mehr makellosen Produktion, für die sich Josh Abraham, der schon für Linkin Park die Regler schob, auf die Schulter klopfen darf. Darüber hinaus stellt Leto abseits seiner Songwriterqualitäten unter Beweis, dass er ein hervorragender Sänger ist, der die von diversen Weltschmerzen handelnden Zeilen mit genau der richtigen Mischung aus Verzweiflung und Aggressivität vorträgt. Teilweise kreischt er gar mit einer Inbrunst ins Mikro, die an Marilyn Manson erinnert.

Einen ganz besonderen „Spaß“ hat man sich mal wieder mit dem Hidden Track erlaubt. Drei Minuten schleudert uns Leto in „A Modern myth“ Abschiedsgrüße entgegen. Danach dauert es geschlagene 10 Minuten bis der wie so oft sehr verzichtbare Hidden Track folgt. Für solche nervenden Eskapaden gibt’s doch glatt Punktabzug in der B-Note, zumal es im Anschluss noch gestreckten Stoff in Form einer misslungenen Coverversion von Björks „Hunter“ und einer unnötigen Akustik-Fassung von „Was it a dream?“ gibt. Dennoch gilt: egal ob man Jared Leto als Schauspieler mag oder nicht, als Musikus sollte man ihm auf jeden Fall eine Chance geben. Im Zweifelsfall aber lieber zum Erstling greifen, der zwar etwas schwerer zugänglich ist, aber dafür erheblich mehr Energie freisetzt.

Anspieltipps:

  • Attack
  • Savior
  • A beautiful lie
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