4Lyn - Compadres - Cover
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4Lyn Compadres


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 53 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Gleich als Vorbote der komplett in Eigenregie aufgenommenen und produzierten CD wird dem Hörer eine Single mit dem dümmlichen Titel „Drrty Rokka“ um die Ohren gehauen.

Ungefähr drei Jahre war die Hamburger Kapelle 4Lyn bei der Major Company Universal unter Vertrag. In dieser Zeit brachte sie im Fahrwasser des Nu-Metal-Hypes sieben Singles und zwei Alben heraus, die sich respektabel verkauften. Für eine junge Band sicher eine tolle Sache, aber auch ein gefundenes Fressen für nicht wenige Pressevertreter, die zu 4Lyn eine Art Hassliebe aufbauten. Doch den vier Jungs schien das egal zu sein. Kein Wunder, wenn man auf MTVIVA neben Bands wie 3 Doors Down und Papa Roach rotierte und zusammen mit Top-Acts wie Thumb und Therapy? durch die Lande tourte.

Dann war auf einmal Schluss mit Universal und 4Lyn heuerten bei Edel Records an. Ende Mai 2004 erschien ihr drittes Album „Take It As A Compliment“, mit dem auch die musikalischen Weichen neu gestellt werden sollten. Deshalb bekamen widerwillige Rezensenten, die 4Lyn weiterhin in die Nu-Metal-Ecke steckten, schon mal einen persönlichen Einlauf von den Hamburgern. Doch mit dem neuen Werk „Compadres“ soll das leidige Thema Nu-Metal endgültig beerdigt werden. Dazu Sänger Ron Cazzato „Wir wollten wieder mehr Dreck haben, die aufgeschürften Knie in der Musik hören“.

Das hört sich nicht schlecht an, doch allein es fehlt der Glaube. Denn gleich als Vorbote der komplett in Eigenregie aufgenommenen und produzierten CD wird dem Hörer eine Single mit dem dümmlichen Titel „Drrty Rokka“ – die natürlich das böse Business anklagt – um die Ohren gehauen. Damit wird schon mit der ersten Auskopplung das hehre Ziel des Sängers erreicht. Denn mehr Dreck geht wirklich nicht! Dabei haben die neuen Songs durchaus positive Ansätze, nur kommt von diesen Hoffnungsschimmern meist nicht mehr als eine halbe Minute pro Lied zusammen.

Gerne würde man vermelden, die 15 Tracks klängen spontan und rau. Doch übersetzt heißt das nur soviel wie „unausgegoren“ und „scheppernde Proberaumproduktion“. Dazu kann Ron Cazzoto es immer noch nicht lassen, wie ein angestochenes Schwein herumzubrüllen („Hey kids“). Und wer glaubte, die Nu-Metal-Wurzeln seien nun verschwunden, wird immer wieder mit unoriginellen Tieftonriffs („One love“) und HipHop-Einlagen belästigt. Die Texte drehen sich dabei mehr oder weniger um die eigene kleine Welt von Ron Cazzato („Bugs in head“) und 4Lyn („Compadres“). So werden in „Beautiful waste“ Pseudo-Superstars und Popmäuschen angeklagt, deren Manager die Platten selber kaufen, um diese in die Charts zu bringen. Doch alles um sich herum plattwalzende Gitarren, garniert mit einem „bla bla bling bling blow blow bleed bleed bleed“-Refrain, verderben die angedachte Gesellschaftskritik gehörig.

Darüber hinaus werden die eigenen Fans abgefeiert („One love“), die Jugendbewegung (welche???) hochgelobt („New breed“, „Hey kids“), sowie Neider und Arschlöcher ausfindig gemacht („Ruin me now!“, „Asshole of the week“). Zusammen ergibt das erwartungsgemäß denselben Quark wie auf den vorangegangenen Alben. Dabei wird weiterhin bei den großen amerikanischen Vorbildern abkupfert, ohne auch nur im Ansatz deren Klasse zu streifen („My evil twin“ und „Last man standing“ sind z.B. ganz schlimme Korn-Abklatsche). Und dabei ist es völlig wurscht, wie man diesen Stil nun nennen mag. Nu-Metal hin, Kick-Ass-Rock her. 4Lyn prügeln und rumpeln sich durch einen Morast aus stumpfem Dampfhammer-Rock (sic!) und textlichen Trivialitäten, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann. Zum Glück ist „Compadres“ noch im Jahr 2005 veröffentlicht worden. So kann man ganz schnell den Mantel des Schweigens darüber ausbreiten und sich befreit einem neuen Musikjahr widmen. Man stelle sich nur mal vor, 2006 hätte so begonnen. Nicht auszudenken…

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