Sevendust - Next - Cover
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Sevendust Next


  • Label: Roadrunner/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 60 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Was dem Album fehlt, ist einfach das gewisse Quäntchen Eigenständigkeit und Frische.

In der Musikszene hat sich in den letzten Jahren unbestritten vieles verändert. Leider nur sehr wenig hin zum Guten. So ist es an der Tagesordnung, dass die Labels wöchentlich eine Lastwagenladung neuer Alben veröffentlichen und Acts raushauen wie bei Rudis Resterampe. Sogenannte Manager schimpfen sich PR-Profis und die Damen und Herren Künstler beschäftigen sich damit, ob ein Tattoo zu ihrem Image passt oder nicht.

Auch bei manch etabliertem Künstler sind solche Tendenzen inzwischen abzusehen. Nehmen wir deshalb einmal an, es gäbe TÜV-Normen für brillanten, kernigen Nu-Metal. Die Band Sevendust hätte in der Vergangenheit regelmäßig das Qualitätssiegel „A“ erhalten. Werke wie „Home“, „Animosity“ oder „Seasons“ ließen zu ihrer Zeit nur einen Kommentar zu: „Was für ein Brett!“ Nun erscheint mit „Next“ der neue Sevendust-Longplayer und der erste Eindruck lässt ebenfalls nur einen Kommentar zu: „Is' mir Latte!“ Okay, bei vielen Bands ist nach so langer Zeit etwas die Luft raus. Aber ausgerechnet bei Sevendust? Das hatte man eigentlich nicht für möglich gehalten...

Wo die vier Amerikaner sich bis jetzt von Album zu Album gesteigert haben, zelebrieren sie nun den gepflegten Stillstand. Es gibt schlicht nichts Neues von der Sevendust-Front zu berichten – zumindest nicht in Sachen Kreativität. „Next“ klingt wie eine uninspirierte Ausgabe von „Season Part 2“ oder eine schlechte „Animosity“-Kopie. Waren die Songs früher überraschend und kantig, sind sie heute nur noch berechenbar und glatt. Titel wie „Ugly“ oder „Desertation“ haben offenbar nur ein Ziel: Dieselbe Wirkung zu erzielen wie einst „Enemy“ oder etwa „Praise“, um damit die Charts zu stürmen. Das Bittere dabei: Im Vergleich zu Smashhits wie „Enemy“, spielen die Tracks auf „Next“ in der zweiten Liga. Zwar sind sie eindrucksvoll arrangiert, äußerst druckvoll produziert und haben nette Schunkel- und Mitgrölrefrains, doch sie sind auch total belanglos.

Was dem Album fehlt, ist einfach das gewisse Quäntchen Eigenständigkeit und Frische. Die Riffs sind alle schon mal da gewesen, die Melodien klingen wie wiedergekäut und die Lyrics sind nach Schema F konstruiert. Trotzdem wird die Scheibe den eingefleischten Fans gefallen, denn sie bekommen genau das vorgesetzt, was sie erwartet haben. Anspruchsvollere Konsumenten modernen Nu-Metals werden von „Next“ dagegen ziemlich enttäuscht sein, da es von dieser Sorte Rockmusik einfach ein zu großes Angebot gibt.

Damit werden Sevendust von der Realität eingeholt, denn sie haben einen folgenschweren Fehler gemacht: Sie haben ihre Hörer in der Vergangenheit zu sehr verwöhnt. Das rächt sich nun.

Anspieltipps:

  • Ugly
  • Failure
  • Desertation
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