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Archive You All Look The Same To Me


  • Label: EastWeast/WEA
  • Laufzeit: 66 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Was es nicht alles gibt: Prog-Rock, Elektro-Pop, TripHop, Ambient. Willkommen im Look-A-Like von Archive, die sich zunutze machen, was die Sparte an elektronisch verifizierbaren Lauten hergibt. Mindestens ebenso facettenreich erzählt sich die Entwicklung des Dahinter, von Darius Keeler und Danny Griffiths.

Obgleich der Vorgänger „Take My Head” kaum etwas anderes machte, als das, wovon Bands wie Air und Massive Attack prima leben konnten, drohte dessen Flop Archives Ableben einzuleiten. Da bereits der TripHop-gerühmte Erstling „Londinium“ keine schwarzen Zahlen schrieb, bedeutete es den Rauswurf von ihrem Label. „Was tun?” dürften sich Keeler und Griffiths gedacht haben. Statt vor den Scherben ihrer Karriere stehen zu bleiben, krempelten sie beide Ärmel hoch. Per Annonce wurde nach einem Sänger gesucht und in Craig Walker der richtige gefunden. „You All Look The Same” ist das „New Art Rock” der neuformierten Archives. Die Recken begaben sich zum Ursprung ihrer Wurzeln, um ihrer TripHop-Vorlage einen geflissentlichen Rockanteil beizufügen. Das Resultat ist erstaunlich. Archive steht der Anzug melancholischer Synthesen erheblich besser, als freundlicher Schotterpop es je getan hat.

Ein Vergleich hat es dann auch in sich. Dem einen wird es helfen, sich in Archives Ecke zurechtzufinden, dem anderen ringt es nicht mehr als ein Gähnen ab. „Again” ist die Ausbeute eines Pink-Floyd-Albums, das nie existiert hat. Bitterböse Sache das. Denn in diese Suppe brauchen sich Archive von niemanden spucken lassen. Eine viertelstündige monumentale Instruktion, aus den Noten gerissen, geschaffen für die Wiederholungstaste – wie oft gibt es so was schon zu hören?

Es wird noch schlimmer. Dank „Finding it so hard” lässt es sich in Rage tanzen. Gewaltausbrüche über sich ergehen lassen, bis der Schmerz die Überhand gewinnt. Aus freien Stücken herausgerückt, wie unter Hypnose zu stehen. Aber dann lichtet sich der Horizont. Ein Sonnenstrahl scheint durch den Schacht. Er findet ein Erbarmen mit dem geschundenen Tanzbein. Irgendwo zwischen perlenden Schweißtropfen und ekstatischen Rhythmus wiegt „Fools” Takt erlösend auf die blutgeröteten Adern. „Cause I’m a fool, a fool for you, it always hurts”. Auch wenn sich anderes vermuten ließe, wirkt es befreiend. Schulterschluss mit dem Rivalen. „It always hurts”, singen sie daher. Warum nicht gleich seinen Kummer umarmen? Immer noch besser, als ihn von sich zu weisen – verschwinden würde er ohnehin nicht.

Dazwischen geht es nur geringfügiger packend zur Sache. „Numb” verschränkt seine prasselnde Overdrives vor Walkers Gesang. Sie müssen der Grund sein, warum er zum Ende hin garstig um sich keift, als sei ihm jemand etwas schuldig geblieben. „Goodbyes“ klagendes Gerassel, zersplittert jede Träne auf Sichtweite. Und wie fast immer neigt sich – allem Gezeter zum Trotz – ein versöhnlicher Abschied entgegen. Wäre doch nur auf „Hate“ verzichtet worden, der unweigerlich auf jenen Schönling „Take My Head“ verweist, wie auch das überflüssige „Need“, das nicht so recht ins Konzept passen will. Der Thron stand zum greifen nahe.

Anspieltipps

  • Again
  • Fool
  • Finding it so hard
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