Gate - Iselilja - Cover
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Gate Iselilja


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Gåte entspringt einer norwegischen Formation, die Folkloristischen Metal in altnorwegischer Lyriken (Mittelaltertum) interpretiert. Auf ihrem zweiten Studio-Album „Iselilja“ – ein unübersetzbarer altnorwegischer Ausruf – vereinen die Skandinavier Eindrücke heimatlicher Volksmärchen, wie auch kulturelle musikalische Einflüsse ihrer Heimatstadt Trondheim. In ihren Gefilden sind sie bereits Stars – Platinschwer und mit den höchsten Preisen ausgeschmückt. Jene Euphorie soll nun auch auf den Rest der Welt übergreifen.

Dass Landessprache einer Musik ihre eigentümliche Stimme verleihen kann, erweist sich auch gleich bei den ersten Klängen von „Iselilja“. Interessanterweise bedarf es keiner festen Neigung sie anzuhören. Gåte (gesprochen „Goote“ – was soviel wie „Rätsel“ bedeutet) preschen voran, dass das Zuhören nur so eine Freude ist. Bereits der Opener „Fredlysing“ zerklopft das Trommelleder, als würden die Wikinger zum Takt anschlagen. Schubladendenken: Fehlanzeige. Gåtes ausgesprochenes Merkmal zeichnet sich durch ihr feistes Gittarenschnacken aus. Überdies verleihen scharf geschnittene Streichinstrumente an Violinen wie Hadangerfiedeln einen nicht zu unterschätzenden Folkloretouch, der selbst Backsteine zersägt. Die Befürchtungen, kurz vor dem schiefen Winkel keinen Halt zu finden, bestätigen sich nicht. Gåte erkennen in allewege, wann der rechte Moment gekommen ist, aus ihren rohen Zutaten eine melodiöse, ungemein stark aufspielende Masse durchzusetzen.

Ab „Sjå Attende“ darf sich sodann ein Bild von Frontfrau Gunnhilde Sundlis Stimme gemalt werden. Für deutsche Ohren befremdlich, aber ebenso faszinierend, was sie da singt und wie sie es tut. Ganz ähnlich wie ihre aufspielenden Bandkollegen (darunter Bruder Sveinung), reicht ihre Gesangstechnik von harmonischen Lauten, bis über zu gellenden Gekreische. In diesem Sinne vereint „Knut Liten Og Sylvelin“ die besten Eigenschaften. Unvorhersehbar verstreicht Gunnhilds Gesang, wie der Bogen über seine Fiedel. Stets genretreu gehalten, rocken Gåte nach und nach hervor, breitgefächert und mit ordentlich Schmackes vertont. Davon können sich selbst eingestandene Musiker noch eine Scheibe abschneiden. Worüber die Frontfrau auch singen mag, es ist ein Jammer, dass wir des Norwegischen nicht mächtig sind. Dafür entschädigt ihr Gesang umso mehr, der mal grazil, dann wieder ins grenzenlos Dynamische umschwenkt.

Klingt nach einem Highlight – beinahe. Nach einem bemerkenswerten ersten Drittel, dass in jedweder Richtung keine Wünsche offen lässt, verlässt „Iselilja“ der ihm erdichtete Faden ein wenig. Gåte weisen hier noch Schwächen auf. Sobald die Songs ruhiger werden – was sich vor allem im mittleren Teil des Albums verdeutlicht – wird sich nach dem Übermut gesehnt, der von Beginn an jegliche Schranken aufbrach. Erfreulicherweise wird sich mit „Ola I“ wieder mitten hinein ins Gewühl gestürzt. „Gjendines Bånsull“ erschließt sogar einen elfminütigen Abschluss der besonders träumerischen Art. Besonnen und wohlüberlegt, verabschieden sich die Skandinavier mit einer ungemein betörenden Ballade.

Gåte haben ihr übriges beigetan, international viel Aufmerksamkeit zu erregen. Ungeniert poppig setzt ihr folkloristischer Metal dort an, wo andere verblassen. Wäre doch gelacht, wenn das kein Hit wird.

Anspieltipps:

  • Fredlysning
  • Sjå Attende
  • Knut Liten Og Sylvelin
  • Gjendines Bånsull
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