The Gathering - The Mandylion - Cover
Große Ansicht

The Gathering The Mandylion


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 52 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Jetzt lassen wir doch mal die Katze aus dem Sack. The Gathering vermochten mit ihren Death-Metal-Alben „Always...“ (1992) und „Almost A Dance“ (1993) keine Gassenhauer auf die Beine zu stellen. Was ihnen eine gewisse Popularität verschaffte, war die Tatsache, Anfang der neunziger Jahre zur Death-Metal-Entwicklung beigetragen zu haben. Nach einem gewissen Line-Up hin und her – Sänger kamen, Instrumente gingen – stieß 1994 zu den Gründern Hans und Rene Rutten die Sängerin Anneke van Giersbergen hinzu. Prompt wurde aus dem Nischendasein sehr bald mehr. Dank van Giersbergens schöner Stimme (wie ebenso attraktiven Erscheinung), sowie den mit ihr verbundenen Wechsel zum Gothic-Metal, ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten.

Infolgedessen gab die neu entstandene Gruppierung 1995 mit „Mandylion“ ihren Einstand, mit dem sie, über die Grenzen des Metals hinaus, viel Lob ernten konnte. Dies war nicht zuletzt dem jüngstes Mitglied Van Giersbergen zu verdanken, welche u.a. ein exzellentes Händchen fürs Songwriting an den Tag legte. Auch tontechnisch tat sich was. Wirkten die Produktionen bis dato eher bescheiden (um nicht zu sagen grausig), sollte die Qualität mit „Mandylion“ endlich gewohntes Studioambiente erreichen.

Dabei machen The Gathering es einem nicht leicht. Ihr gemächliches, nahezu zähes Gitarrenspiel wird zunächst nicht jedermanns Geschmack finden. The Gathering erschließen sich fremden Ohren nicht unvermittelt, es braucht seine Zeit, ihre Musik zu ergründen. Jenen Eindruck legen die „Strange Machines“ lyrisch wie instrumental nahe. Eine Zeitreise wird angesprochen, besser angedeutet, wie so vieles, worüber van Giersbergen singt. Allein ihre Stimme hilft über das gewöhnungsbedürftige Erscheinungsbild hinwegzusehen. Eine unvergleichliche Reise bahnt sich an. Dickklebrig setzt ein Riff an, dass Trommelfell einseitig zu lähmen. Dazu trägt Frank Boeijens experimentierfreudige Einstellung am Synthesizer maßgeblich bei, ein jeden Track synthetisch voll auszukosten. Gewieft fügt sein Werkzeug dem Liedgut eine ungeheure Spannung bei. Ein Konzept mit nicht zu unterschätzenden Rückrat.

Nicht wenige Bands spielen heutzutage, was The Gathering auf Mandylion zelebrieren. Harsche Riffs, die gern in die Weite ziehen. Da ist es kein Wunder, dass ihre Songs die Sechsminutengrenze des öfteren überschreiten. Aber wie heißt es so schön: Geduld ist eine Tugend – und was lange währt, wird endlich gut. Aber wen interessieren altbackene Weisheiten, wenn ein Song wie „Elèanor“ die Epik an sich reißt. Der Synthesizer hallt, die Riffs schlagen ein – einfach brillant, was die Holländer da heranzüchten.

Anderweitig gibt das knapp Instrumentale, sehr keltisch anmutenden Titelstück „Mandylion“ eine unerwartet traditionelle Richtung vor. Wer einen ruhigen Atem mitbringt, wird mit einem stimmungsvollem Flöten- sowie Trommelspiel belohnt werden. „Sand and Mercury“ treibt derweil den Reigen auf die Spitze. Musik unter der Kandare. Aber zu diesem Zeitpunkt überrascht einem längst nichts mehr. Schier unerhört teilt sich zwischenzeitlich „In motion“ in seine Ingredienzien auf. Den Überblick einzuhalten fällt schwer. „Fear the sea“ dröhnt noch unheilsschwangerer, als seine Titelgebung verheißt. Rutten und Wiersmas Saiten türmen die See zu einer Festung, die noch kein Normanne auf seiner Expedition bezwang. Und immerwährend unterbreitet Annekes kraftvoller Gesang eine interagierende Reaktion, auf das Spiel ihrer Kollegen.

„Beethoven and Gershwin, I think that would be o.k.“ schert van Giersbergen, als stünde das Ziel zum Greifen nahe. Es ist aber keine Träumerei. The Gathering reichen in ihrem Metier, den angesprochenen Komponisten ebenbürtig das Wasser. Ehre, wem Ehre gebührt. Und schon wieder so ein sagenhafter Aphorismus, den keiner braucht. Verflucht noch eins, es geht nicht anders.

Anspieltipps:

  • Elèanor
  • Mandylion
  • Strange machines
Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „The Gathering“
comments powered by Disqus