Beck - Guerolito - Cover
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Beck Guerolito


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 54 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„Guerolito“ ist durchgängig interessant und ideenreich.

Als Mitentwickler des Anti-Folk Genres in den späten Achtzigern fand Beck Hansen, geboren und aufgewachsen in Los Angeles, verglichen mit seiner 94´er Single „Loser“ und dem dazugehörigen Album „Mellow Gold“ noch wenig Beachtung. Doch das Öffnen von traditionellem Folk in alternative Gefilde mit dem ursprünglichen Punk-Gedanken sollte sich nachhaltig in der Karriere von Beck widerspiegeln. Es gab und gibt keine vermeintliche Regel in der Popmusik, die sich der Künstler auferlegen würde. Genres verschwimmen auf seinen Alben, verschrecken und verzücken den Hörer gleichermaßen – ohne je an Witz und Popverständnis zu verlieren.

Nach dem ruhigen, streng im Folk-Kontext gehaltenen, atmosphärischen „Sea Change“
präsentierte uns der Berufsindividualist im März des Jahres den Longplayer „Guero“, ein wohliger Querschnitt seiner bisherigen Werke mit Hang zum Schwungvollen. Kaum neun Monate später erscheint ein dazugehöriges Remix-Album, bei dem u. a. Air, Boards Of Canada und Octet die Tracks von „Guero“ bearbeiten. Von Ambient über Hip Hop zu südamerikanischen Sounds offenbaren sich viele Stile und Stimmungen, die im Opener „Ghost Range “ verspielte experimentelle Momente mit eingängigen „Na Na Na Na“-Gesängen und gehörig Pop-Appeal verbinden. Tanzbar und reich an Endorphinen geht es mit „Qué Onda Guero“ in die nächste Runde. Bläser und Tempowechsel zeichnen den Song aus und lassen ihn im Vergleich zum Original an Avantgarde gewinnen, obgleich er so ein wenig die ursprünglichen Leichtigkeit verliert.

Elektronische Schwelgerei gibt es bei „Heaven Hammer “ mit einer gehörigen, umwerfenden Portion Sanftmütigkeit zu vermelden. Die Franzosen von Air zeigen, dass ihnen auch die Kunst der Remixarbeiten liegt und kitzeln ein großes Maß an Sensibilität aus diesem Song heraus, wobei das Original allerdings eine äußerst gute Vorlage darstellt und Air diesen Umstand mit der gewohnt großen Geste nutzen. Analoge Synthesizer und eine durch Vocoder entfremdete Stimme erreichen voller Dynamik den Dancefloor, wenn „Ghettochip Malfunction “ zur Hymne in Beck´scher Sprechgesang-Manier ansetzt. Überhaupt greifen die Remixer gekonnt in die elektronische Schatzkiste, wobei dadurch die Unbekümmertheit eines Beck Hansen an Präsenz verliert und ausgefeilte, frickelige Sounds das Ruder übernehmen. So richtig glanzvoll und harmonisch unschlagbar wirkt dagegen die Interpretation von „Go It Alone“, welche den hiesigen, verregneten Winter mit Sonnenschein in die Schranken weist. Als Gegenstück dazu wird es bei „Farewell Ride“ gar dunkel und apokalyptisch, wenn sich Trip Hop mit Soundscapes vereint.

Als Fazit ist das Remix-Album „Guerolito“ durchgängig interessant und ideenreich, obwohl sich die ein oder andere Bearbeitung einen Schlenker zuviel erlaubt und Beck Hansen für sich allein schon genug Nonformität bereithält, um auch ohne Remixe nie langweilige Werke schaffen zu können. Für den Fan ist „Guerolito“ ein willkommener Bruder zu „Guero“ und bietet zeitlose Kunst, während für den gemeinen Musikhörer besonders die Bearbeitungen von Air und 8Bit richtige Großtaten sind, welche ein tolles Album gegen den Winterfrust einrahmen.

Anspieltipps:

  • Broken Drum
  • Wish Coin
  • Heaven Hammer
  • Ghettochip Malfunction
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