Stream Of Passion - Embrace The Storm - Cover
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Stream Of Passion Embrace The Storm


  • Label: Inside Out/SPV
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Stream Of Passion gelingt der Brückenschlag von einem Sound, der bisher nur einer vergleichsweise kleinen Hörerschicht zugänglich war, zum Gothic-Rock des Mainstreams.

Arjen Anthony Lucassen ist im Prog-Genre ähnlich wie Steven Wilson (Porcupine Tree) ein echter Tausendsassa. Regelmäßig gelingt es ihm die namhaftesten Genregrößen zu gemeinsamen Projekten ins Boot zu holen. Die Liste seiner Gastmusiker liest sich beeindruckend: Bruce Dickinson (Iron Maiden), Mikael Akerfeldt (Opeth), Neal Morse (Spock’s Beard), Sharon den Adel (Within Temptation), Fish (Ex-Marillion), James LaBrie (Dream Theater), Devon Graves (Dead Soul Tribe), Heather Findlay (Mostly Autumn), Devin Townsend (Strapping Young Lad), Damian Wilson (Threshold), Fabio Lione (Rhapsody), Andi Deris (Helloween), Clive Nolan (Arena), Ralf Scheepers (Primal Fear), Mike Baker (Shadow Gallery), Micheal Romeo (Symphony X), Timo Kotipelto (Stratovarius) – man sieht, mit Lucassen musizierte fast alles, was im Prog und darüber hinaus Rang und Namen hat.

Mit „The Human Equation“ veröffentlichte Lucassen im Sommer 2004 im Rahmen seines populären Ayreon-Projekts den bisher besten Output seines gesamten Schaffens. Für die Besetzung der Frau des im Koma liegenden Protagonisten (James LaBrie) erwählte er die rassige Mexikanerin Marcela Bovio, von der sich Lucassen so begeistert zeigte, dass er mit ihr die Band Stream Of Passion ins Leben rief. Neben den beiden Initiatoren komplettieren das Line-Up eher unbekannte Solisten wie Lori Linstruth (Leadgitarre), Johan von Stratum (Bassgitarre), Alejandro Millán (Piano) und Davy Mickers (Drums). Das erste Lebenszeichen des Sextetts nennt sich nun „Embrace The Storm“.

Lucassen gewährte den anderen Bandmitgliedern zwar größtmögliche Freiheit beim Ausgestalten der Musik, was sich innerhalb der Songs durch verschiedene Einflüsse, die sich an den Vorlieben der Beteiligten orientieren, bemerkbar macht. Doch dem Sound des Albums hört man unverkennbar an, dass er die Zügel fest in der Hand hielt. Denn auch wenn sich „Embrace The Storm“ weit weniger progressiv und bombastisch gibt (ein zweites „The Human Equation“ sollte man deswegen auch nicht erwarten), als man das sonst von ihm gewohnt ist, ist die Verwandtschaft zu Ayreon nicht abzustreiten.

Dreh- und Angelpunkt des Albums ist der zum Dahinschmelzen schöne Gesang Marcela Bovios, die mit ihrer hohen, glasklaren Stimmlage nicht selten an The Gathering erinnert. Zudem drängen sich Vergleiche mit etablierten Gothic-Rock-Größen wie Nightwish, Within Tempation und Evanescence auf. Für eine erste vorsichtige Annährung aus dieser Richtung an den Prog-Rock bietet sich Stream of Passion daher geradezu an, zumal Ohrwürmer wie das phänomenale „Passion“, das druckvolle „Deceiver“ (dessen Härtegrad Nightwish gefährlich nahe kommt) sowie „Out in the real world“, aber auch sanftere Töne der Marke „Wherever you are“ (in den Niederlanden als Single ausgekoppelt) den Einstieg denkbar einfach machen. Lediglich in Momenten, in denen der Klang gar zu leise und unspektakulär wird, muss man die Anlage aufdrehen um zu kontrollieren, ob sich das Album überhaupt noch im Player befindet und sich nicht etwa klammheimlich davongeschlichen hat. Mit diesen (wenigen) blassen Phasen wollte Lucassen wohl demütig zeigen, dass er Nightwish & Co. keinesfalls Konkurrenz machen will. Etwas mehr Mut zum Risiko wäre jedoch angebrachter gewesen.

Alles in Allem gelingt Arjen Lucassen mit Stream Of Passion dennoch eindrucksvoll der Brückenschlag von dem ihm eigenen Sound, der bisher nur einer vergleichsweise kleinen Hörerschicht zugänglich war, zum noch immer im Trend liegenden Gothic-Rock des Mainstreams. Unabhängig davon ob dem „Godfather of Prog“ nun endlich der Durchbruch auf breiter Front gelingen sollte, ist von dieser Band in Zukunft noch viel zu erwarten!

Wie üblich lässt sich das Label Inside Out auch hier nicht und lumpen und wirft „Embrace The Storm“ zusätzlich in Form einer aufwändigen Special Edition auf den Markt, die neben einem schöneren Cover-Artwork eine DVD zu bieten hat, auf der unter anderem verschiedene Demoversionen, ein Making-Of und der Videoclip zu „Passion“ zu finden sind.

Anspieltipps:

  • Passion
  • Deceiver
  • Wherever you are
  • Out in the real world
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