KEN - Have A Nice Day - Cover
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KEN Have A Nice Day


  • Label: Strange Ways/INDIGO
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist noch nicht allzu lange her, da veröffentlichten Ken im Mai diesen Jahres zeitgleich die beiden Alben „Stop! Look! Sing Songs Of Revolutions!“ und die Sammlung von Coverversionen mit dem bezeichnenden Titel “I Am Thief“. Doch die Koblenzer Band um Blackmail-Sänger Aydo Abay scheint Gefallen an diversen Veröffentlichungen in kürzester Zeit gefunden zu haben und bringt das Debüt aus dem Jahr 2002 nun erweitert um zwei Bonustracks erneut auf den Markt. Im Schatten von Blackmail und neben Scumbucket sind Ken mindestens ebenso interessant und entdeckungswürdig wie die restlichen, mit Umtriebigkeit gesegneten, Koblenzer Indie-Rock Formationen. Man braucht nicht erst in die U.S.A. oder in das Vereinigte Königreich zu schauen, um munter drauf los rockende, erdige Songs mit Garagen-Flair als kleine Hymnen serviert zu bekommen. Spröde Unbekümmertheit ist der Trumpf, den Ken auf „Have A Nice Day“ wunderbar ausspielen und damit nicht nur bei trübem Herbstwetter der Motivation einen gehörigen Schub geben.

Ein drängelnder und berauschender Einstieg gibt die Marschrichtung vor, in der sich Ken wohl fühlen und gekonnt so manchen Freund knarziger Gitarren und rumpelnden Drums das Herz erwärmen bzw. nahezu zum Glühen bringen. Da schauen die räudigen 70´er vorbei, wird an ausgesuchten Stellen psychedelisches Beiwerk eingebaut und die Melancholie sorgt für den nötigen, schmerzvoll faszinierenden Tupfer zwischendurch. Wild schieben sich vermeintliche Indie-Hits wie der Opener „The Big Fib“, „Voltage Point“ und das mit Handclaps verzierte „Throwing Star“ in die herzhafte Melange aus ehrlichem, Widerhaken schlagenden Rock und der hymnenhaften Form kantiger Popmusik. Dem Garagen-Flair angepasste Synthesizer, die als solche kaum auffallen und dadurch erst nach mehrmaligem Hören Nuancen dazu gewinnen lassen, treiben ihr entrücktes und nicht minder verzückendes Spiel in „Artificial Movement“. Feingliedrige Gitarrenarbeit und träumerische Weite kommt bei „On (n)“ sanftmütig und gar zart daher, ohne das Ungeschliffene dieser wahrhaften Rock-Platte vermissen zu lassen. Als Bonus erwartet uns das George Harrison-Stück „The Art Of Dying“, welches sich ohne Gegenwehr den Ken-Stempel aufdrücken lässt und nach der Cover-CD „I Am Thief“ endgültig die Gewissheit präsentiert, dass die Band aus Koblenz mit einer scheinbaren Leichtigkeit ihren Kosmos um vergessende Perlen der Musikgeschichte erweitert und in jedem Moment hörbar ganz sie selbst bleibt.

Doch Ken brillieren vor allem mit ihren Eigenkompositionen, die auf diesem Debüt keine Schwachstellen erkennen lassen und solide bis glanzvoll den Nerv eines jeden Rockmusik-Freundes treffen. Gesanglich in bekannter Blackmail-Manier und musikalisch eine Ecke schroffer wird dem Rock gefrönt bis uns das schnell einsetzende Suchtpotenzial ergriffen hat und wir vor lauter Endorphine mit Zufriedenheit gen Koblenz schauen. Warum das Glück in England suchen, wenn vor der Haustür in bester Laune die Zutaten für schnittigen Retro-Rock mit eigener Note so belebend eingesetzt werden?

Anspieltipps:

  • Voltage Point
  • Throwing Star
  • On (n)
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