Witt - Bayreuth 3 - Cover
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Witt Bayreuth 3


  • Label: Primadonna/EDEL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer Kunst als Beruf betreibt, muss leidensfähig sein. Schließlich muss der Künstler mit seiner Kunst den Lebensunterhalt bestreiten. Aus diesem Grund muss sich der geschätzte Künstler auch an der kommerziellen Wertigkeit seiner Arbeit messen lassen. Im Laufe eines Künstlerlebens ist dies häufig eine Berg- und Talfahrt aus großen Erfolgen und bitteren Niederlagen.

Davon kann auch Joachim Witt ein Lied singen. In seiner langjährigen Karriere war er als „Goldener Reiter“ ganz oben auf der Karriereleiter. Danach spielten seine Produktionen in der öffentlichen Wahrnehmung lange Zeit keine Rolle, bis er mit der Single „Die Flut“ und den Alben „Bayreuth 1“ (1998) und „Bayreuth 2“ (2000) wieder in aller Munde war. Anschließend versank er mit „Eisenherz“ (2002) und „Pop“ (2004) wieder in den niederen Regionen der Charts und nun beehrt er uns mit dem dritten Teil seiner erfolgreichen Werkreihe, die unter der Mitarbeit von Uwe Hassbecker, Ritchie Barton, Jäcki Reznicek, Carsten Klick und Berndt Wendland im Berliner Danz Musikstudio und im Valicon Studio produziert wurde.

Dabei hält Witt an einer alten Tradition fest. Denn wirklich einfach macht er es den Hörern von „Bayreuth 3“ nicht. Kritisch sollen seine Texte sein, die Gesellschaft anprangern, aber mit seiner „reim dich oder ich fress dich“-Lyrik verpuffen die im Kern richtigen Ansätze im Nichts. Musikalisch poltern die meisten Stücke im rhythmischen Stechschritt zu maschinellen Dance-Beats, druckvollen Metal-Gitarren, bemüht atmosphärischen Synthesizer-Wölkchen und Joachim Witts (Verzeihung!) lächerlicher Grabesstimme.

Das wirkt in der Gesamtheit zwar geschlossener und stringenter als auf dem extrem schwachen Vorgänger „Pop“, doch mit diesem Rammstein-für-Arme-Stil ist und bleibt Joachim Witt für viele Kritiker ein rotes Tuch. Denen liefert er mit Songs wie „Schmutz“ natürlich 1a Steilvorlagen. Etwaige Assoziationen im Zusammenhang mit dem Titel müssen gar nicht erst erwähnt werden. Der Leser weiß, was jetzt kommen würde. Und die Gründe dafür liegen auf der Hand: Der gewollt romantische Teutonen-Rock (mit rollendem R) klingt im mittlerweile dritten Aufguss hoffnungslos überholt. Es darf bezweifelt werden, ob Witt mit dem Album tatsächlich an alte Erfolge anknüpfen kann.

Dennoch befindet sich unter den elf Tracks durchaus brauchbares Material. Etwa wenn in „Wem gehört das Sternenlicht“ und „Tiefenrausch“ das temporeiche Gitarrengeknatter herausgenommen und auf (Halb-)Ballade umgeschaltet wird. Oder wenn mit „Ich spreng’ den Tag“ und „Menschen“ das hüpfende Dorfdiscovolk unterhalten wird. Dann macht „Bayreuth 3“ zumindest zeitweise Spaß. Über die volle Spieldauer ist das Album dagegen nur schwer erträglich. Dazu sind Songs wie „Die Macht“, „Ahhh!!!“, „Tief in der Tiefe“ und „Neuland“ – um ein paar Beispiele zu nennen – einfach zu stumpf und trashy.

Anspieltipps:

  • Menschen
  • Tiefenrausch
  • Leben im Staub
  • Ich spreng’ den Tag
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