Clawfinger - Hate Yourself With Style - Cover
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Clawfinger Hate Yourself With Style


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 39 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Clawfinger lieben Kontroversen. Sie kündigen sich 1992 nicht nur als neuen Rap/Rock Crossover-Act an, sondern bezeichnen sich selbst als „Deaf, Dumb, Blind“ wie der Albumtitel erklärt. Zwei Jahre später fordert der nächste Output die Hörer mit „Use Your Brains“ auf, den auf dem Debüt enthaltenen Titel „Nigger“ nicht als rassistisch aufzufassen, denn als sozialkritisch. Dem darauffolgenden selbstbetitelten Album von 1997 folgt 2001 „A Whole Lot Of Nothing“ und zwei Jahre später „Zeros & Heroes“.

Ob das Understatement „A Whole Lot Of Nothing” dazu geführt hat, dass sich ab diesem Zeitpunkt nur mehr eine geringe Käuferzahl für die nachfolgenden Alben findet, bleibt unbeantwortet. Belegt ist lediglich das Leadgitarrist Erlend Ottem aufgrund der sinkenden Verkaufszahlen der Band den Rücken kehrt und diese sich erst mal nach einem Ersatz umsehen muss, nur um ein paar Monate später auf die Idee zu kommen, ohne die fehlende Stelle ein neues Album einzuspielen. Das daraus entstandene „Hate Yourself With Style“ vollbringt in seiner Gesamtheit gleich zwei interessante Begebenheiten: Da wäre zum einen der kompromisslose, harte Sound, der bislang auf keinem Werk, der nunmehr als Trio fungierenden Gruppe zu vernehmen war und zum anderen das hässliche, abstoßende Cover, das dem Ruf als kontroverse Band mehr als unterstreicht. Vor zwei Monaten dachte man noch, die Bloodhound Gang macht mit ihrem unangebrachten „Fettklops in einer Pappschachtel“-Frontbild das Rennen um den ersten Platz im „ekelhaftestes Cover des Jahres“-Wettbewerb, doch das muss angesichts der Vorderansicht dieses Albums wohl gehörig überdacht werden.

Wie schon vorher erwähnt, haben wir es mit vorliegender CD mit der härtesten in der Geschichte von Clawfinger zu tun. Der im Titel genannte Hass war wohl ein gehöriger Motor für neue Songs und auch der Ausstieg von Ottem wird sein Quäntchen Zorn dazu beigetragen haben. Auf jeden Fall brettern die Drei auf „Faggot in you“ äußerst ungewohnt nach vorne los, steigern die Geschwindigkeit im Titeltrack nochmals und nehmen diese in „Dirty lies“ wieder zurück. Nu-Metal Avancen gibt es in „The best & the worst“, „Breakout“ bricht in die Sparte „gemäßigter Speed Metal“ aus und „Right to rape“ wartet mit dem üblichem Sprechgesang Zak Tells und einem sozialkritischen Text über die unterschiedliche Behandlung von Frau und Mann am Thema Vergewaltigung auf. Danach ist die Luft raus. Das Riff in „What we´ve got is what you´re getting“ macht zwar Spaß und hebt den sonst recht simpel gestrickten Track auf eine höhere Stufe, überzeugt aber auf gesamter Dauer nicht wirklich. Technische Spielereien aus alten Zeiten sind in „Hypocrite“ am Zug und hinterlassen durch Einfallslosigkeit einen faden Beigeschmack trotz der Verwendung eines Effektgeräts. Auch die letzten zwei Tracks „Without a case“ und „God is dead“ münden in Wiederholungen, wobei der kurze Einsatz eines Chors zu Beginn des Schlusssongs noch Erwähnung finden sollte.

Die Eckpfeiler für das sechste Clawfinger-Produkt können folgendermaßen zusammengefasst werden: Abstoßendstes Cover des Jahres, härtestes Album seit Bandgründung und aufbautechnisch, den Inhalt betreffend, ein guter, interessanter Anfang und ein eintöniger, fader Schluss. Aufgrund der Tatsache, dass viele die Band nach dem Ausstieg von Ottem als aufgelöst betrachteten, haben sie druckvoll ihren gegenteiligen Standpunkt zur Sprache gebracht und in Musik umgesetzt. Der „Tritt in den Hintern“ hat bei Clawfinger anscheinend geholfen. Wenn die Käufer mit der Rückkehr einverstanden sind, kann man in zwei, drei Jahren hoffentlich mit einem homogeneren Album rechnen, in dem das Songmaterial durchgehend auf abwechslungsreichem Niveau bleibt. Nur bitte dann mit einer weniger abartigen Frontansicht!

Anspieltipps:

  • Hate Yourself With Style
  • Dirty Lies
  • Breakout
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