Dixie Chicks - Taking The Long Way - Cover
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Dixie Chicks Taking The Long Way


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 66 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Jedes Album hat eine Geschichte”, so sagt man. Auch wenn der eine oder andere vehement mit dem Kopf schütteln und
wider Beispiele in Richtung „reine Geldmache" und „Vertragserfüllung
der Plattenfirma" geben wird, auf viele Veröffentlichungen trifft
diese Aussage dennoch zu. „Taking the long way“, der mittlerweile siebte Output bzw. der vierte nach dem großen Durchbruch, den die Dixie Chicks mit “Wide open spaces” 1998 in Amerika hatten (12 mal Platin, ein Platz in den Top 50 der meistverkauftesten Alben in Amerika, 2 Grammys) gehört zu dieser Sparte. Gerüchten zufolge hätte es dieses Werk gar nicht gegeben, wollten sich die drei Texanerinnen doch aufgrund von eingekehrtem Kindersegen zur Ruhe setzen und vielleicht hin und wieder die Neugeborenen mit einem Liedchen in den Schlaf wiegen, denn zig-Tausende in ausverkauften Hallen zum Jauchzen bringen.

Einen nicht sehr unwesentlichen Anteil dazu beigetragen hat Amerikas Staatsoberhaupt, George W. Bush, höchstpersönlich, äußerten die drei Damen nach der Veröffentlichung ihres letzten Werkes „Home“ (2002) auf der anschließenden „Top of the world“-Tour, dass es eine Schande sei, dass der Präsident der USA ausgerechnet aus ihrem Bundesstaat kommt. Die ohnehin kommerziell leicht angeschlagenen Mädels („Home“ verkaufte „nur“ mehr 6 Millionen Einheiten) mussten sich daraufhin mit Boykotts bei unzähligen Radiostationen und öffentlichen Verbrennungsaktionen ihrer Artikel abfinden. Anfänglich versuchten sie noch dem entgegenzuwirken und die aufgebrachte Fangemeinde zu beschwichtigen, schlugen aber recht schnell in einen offensiven Weg ein, der nun, unter anderem durch die Bestärkungen von anderen prominenten Künstlern, auf „Taking the long way“ fortgesetzt wird.

Auf diese Anti-Bush-Attitüde soll gleich die erste Auskoppelung „Not ready to make nice“, die sich im balladesken Gewand präsentiert, verweisen, in der es nicht nur um ihre Aussage vor etwa 3 Jahren geht, sondern auch der allgegenwärtige Zorn gegen Bush zum Ausdruck gebracht wird: „I've paid a price, and i'll keep paying / I'm not ready to make nice / I'm not ready to back down / I'm still mad as hell / It's too late to make it right / I probably wouldn't if I could / Cause I'm mad as hell”. Ein ebenfalls aktuelles, zu einem politischen Thema gewordenes Ereignis wird im andächtigen Schlusstrack „I hope“ angeschnitten, das den Opfern von Hurricane „Katrina“ Mut zusprechen soll, in den vielen Stunden als alles hoffnungslos überflutet war und der Präsident es vorzog noch ein Weilchen im Urlaub zu bleiben statt zu helfen

Ob diese brisante Stimmung dazu geführt hat, dass die Dixie Chicks ihrem neuesten Output ein dermaßen ruhiges und gemächliches Kleid übergestreift haben, ist spekulativer Natur. Dennoch eröffnen die Platte gleich drei zwischen Mid- und Downtempo pendelnde Songs („The long way around“, „Easy silence“, „Not ready to make nice“), die durch „Everybody knows“ eine Steigerung erfährt, mit „Bitter end“ und „Lullaby“ allerdings beinahe zum Stillstand kommt und erst durch das bislang schnellste Stück „Lubbock or leave it“ gerettet wird. Danach wird wieder auf mittlere Geschwindigkeit zurückgeschaltet („Silent house“, „Favorite year“, „Voice inside my head“), ein kürzeres, lautes Aufbäumen findet statt („I like it“), bis „Baby hold on“, „So hard“ und „I hope“ den Hörer ohne größere Hektik zum Ausgang begleiten.

Abseits dieser regelrecht tagträumerischen Kompositionen, die nur kurzzeitig durchbrochen werden („Lubbock or leave it“, „I like it“), ist die Verwendung der Instrumente und die Inszenierung der Songs an sich anders als zu den vorhergehenden Alben. Bedienten sich die Dixie Chicks beim Vorgänger „Home“ einer überraschend unkommerziellen Herangehensweise, verleugneten aber dennoch nicht die Country-Musik, so ist diese auf „Taking the long way“ gewissermaßen zu einem zufällig vorhandenen Stilelement geworden und nicht mehr so dominant wie auf den bereits erschienenen Werken. Dadurch fällt die Platte etwas aus dem Rahmen, weiß durch den Wechsel allerdings trotzdem nicht uneingeschränkt zu gefallen, was auf die unaufgeregte Darbietung bzw. dem hohen Anteil an Balladen zurückzuführen ist. Aufgrund ihres politischen Engagements sollte man das Trio aber trotzdem unterstützen und sich zumindest die Single „Not ready to make nice“ ins Regal stellen.

Anspieltipps:

  • I Hope
  • So Hard
  • Bitter End
  • Not Ready To Make Nice
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