Curse - Sinnflut - Cover
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Curse Sinnflut


  • Label: Subword/SonyBMG
  • Laufzeit: 76 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Über die gesamte Länge des Tonträgers schafft der Fluch es nicht, ausnahmslos zu überzeugen.

Die Welt des deutschen Rap ist aus den Fugen geraten. Es benötigt nicht einmal ein neues Album oder eine Single, um die Schlammschlacht zwischen den verfeindeten Rappern erneut anzufachen. Wozu gibt es schließlich die Tageszeitungen, die ein gleichsam effektives Mittel darstellen, um zu dissen oder eine gehörige Portion „Hate-Ration“ auszuteilen. Gibt es dann dennoch eine neue Veröffentlichung, wird das Augenmerk nicht mehr auf „krasse Beats“ und „perfekte Flows“ gelegt – Ziel ist vielmehr, möglichst viele Verbalinjurien gegen seinen Opponenten in einem Track zu einen. Bestes Beispiel ist „Staatsfeind Nr. 1“, der letzte Output von Skandalrapper Bushido, der nicht nur oben genannte Hasstiraden, sondern auch Gewaltverherrlichung und Sexismus im Programm hat und das Ganze „auf gähnend langweilige Beats“ (sic!) schraubt.

Bevor das gesamte deutsche Rapgame aus den Fugen gerät, ist es nun an der Zeit, das Gewissen des einheimischen HipHop auf den Plan zu rufen: Curse. Dieser hat erkannt, dass der so genannte „Gangsta Rap“ seiner Kollegen nur darin besteht, die anderen von einer Veröffentlichung zur nächsten zu übertrumpfen und das mit allen Mitteln. Diesen Kampf gegen den Untergang von gut produziertem deutschen Rap will er auf seinem neuesten Album ausfechten, das den etwas abgewandelten, biblisch anmutenden Titel „Sinnflut“ trägt.

Hört man sich das einleitende „Einklang“ an, kommt man aber schnell zu dem Schluss, dass man es auch übertreiben kann („Die Schnüre meiner Rüstung sind so fest, dass ich sie selbst nicht mehr lösen kann / Und das Schwert liegt so natürlich in meiner Hand als wäre es die Verlängerung meiner Arme“). Da gefällt die Hymne „Der Fluch“ schon besser, auch wenn stellenweise der Größenwahn regiert („Ich rap nur was ich bin / Ohne mich macht Rap keinen Sinn / Ich bin immer noch in den Köpfen der Kids / Ich sag drei Jahre nichts und bin immer noch präsent wie nichts“), der in der letzten Zeit wohl sein muss, um für Aufregung zu sorgen, wenn man als Rapper mit „normalen“ Themen in seinen Songs hantiert. Nachfolgender Track und gleichzeitig erste Single ist „Gangsta Rap“, der sich zwar musikalisch an dem Genre bedient, aber textlich gegen alle Möchtegern-Poser vorzugehen versucht. Ob Curse hiermit einen Sinneswandel auslösen kann, wird sich zeigen.

Die restlichen Songs auf „Sinnflut“ handeln von für den Rapper typischen Erzählungen von gebrochenen Herzen („Herbstwind“), sozialen Problemen („Struggle“), Momentaufnahmen von Einzelschicksalen („Münze des Glücks“) und Sinnesfindung („Heilung“, „Links Rechts“). Ohne Gastauftritte geht’s natürlich auch nicht – und so helfen Vanessa Mason („Liebe“), Pete Rock („Nimm´s leicht“), Italo Reno („Links Rechts“), Patrice („Spiritual“), Samy Deluxe („Broken language reloaded“) und Black Thought („Flutlicht“) Curse bei seiner „Sinnflut“.

Über die gesamte Länge des Tonträgers schafft der Fluch es dennoch nicht, trotz der Gastauftritte und einiger gelungenen Soundkreationen, die größtenteils im ruhigeren Ambiente angesiedelt sind, ausnahmslos zu überzeugen. Vielen Tracks fehlen die sprichwörtlichen „Hummeln im Hintern“, die aus der Flut an Gedanken, die Michael S. Kurth (so der bürgerliche Name von Curse) in seinen Stücken wiedergibt, leider nur eine Ebbe machen.

Anspieltipps:

  • Struggle
  • Der Fluch
  • Münze des Glücks
  • Broken Language Reloaded
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