Roadrunner United - The All Star Sessions - Cover
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Roadrunner United The All Star Sessions


  • Label: Roadrunner/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 77 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Roadrunner Records hat sich zum 25. Geburtstag etwas ganz Besonderes für die Fangemeinde des härtesten Labels unter der Sonne einfallen lassen: Das Label hat unter dem Namen Roadrunner United eine Art All-Star-Band ins Leben gerufen. Dabei wurden vier „Team Captains“ als Songschreiber auserkoren, deren Aufgabe es war, für jeden Song eine andere Besetzung zu finden und die jeweiligen Tracks so unterschiedlich wie möglich klingen zu lassen, damit das Ganze am Ende nicht wie ein Nebenprojekt der Bands der vier Team Captains aussieht. Joey Jordison (Slipknot, Murder Dolls) übernahm fünf Songs, Dino Cazares (Fear Factory, Brujeria), Matthew K. Heafy (Trivium) und Robert Flynn (Machine Head) fertigten jeweils vier Stücke an und Josh Silver steuerte mit „Roads“ den einzigen Ruhepol der Platte bei. Unterm Strich bedeutet das 55 Musiker aus 42 Bands! Doch nicht nur die blanken Zahlen und Fakten sprechen für sich, sondern auch das vorliegende Material weiß zu überzeugen:

Den Auftakt macht ein gellendes Riff, gefolgt von einer polternden Doublebassdrum und einem kreischenden Howard Jones (Killswitch Engage) in „The dagger“. Nach wenigen Takten weiß man: „The All Star Sessions“ sind kein neues Abenteuer der Chipz, sondern ein knüppelharter Beweis dafür, weshalb Roadrunner Records schon seit einem Vierteljahrhundert zu den festen Größen zählt, wenn es darum geht, Heavy Metal in allen Formen unters Volk zu bringen.

Der ruhige Beginn in „The enemy“ entpuppt sich schnell als Dolchstoß in die Ohrmuschel und hämmert unbeirrt mit Roy Mayorga (Soulfly) am Schlagzeug und Mark Hunter (Chimaira) am Mikro. Auf Hirschjagd geht dann ein röhrender Glen Benton (Deicide) in „Annihilation by the hands of god“ und stellt damit den unbestritten härtesten Track der Sessions. Etwas ruhiger wird es dann „In the fire“ und „The end“ ist ohnehin für die Charts geschrieben, aber dennoch mitreißend eingespielt worden.

Beim lustigen „Wer hat was geschrieben?“-Spielchen hätte bei „Tired ’n lonely“ wohl keiner auf Joey Jordison getippt. Der Track erinnert ein bisschen an Stiltskin und besticht durch einen ruhigen Aufbau und klar gesungene Vocals – etwas, dass man von einem Slipknot-Mitglied in dieser Form nicht erwartet hätte. Ob das Einfluss auf späterer Werke der Maskenmänner hat, bleibt abzuwarten, auf dieser Platte war das aber nicht die erste Überraschung von #1.

Max Cavalera (Soulfly) gibt dann die gar nicht so leise Stimme der „Independent (voice of the voiceless)“ und „Dawn of a golden age“ ist wohl eine Huldigung an Roadrunner und versucht mit allen Mitteln, vor allem durch einen bestialisch grölenden Dani Filth (Cradle Of Filth), Song Nummer drei den Rang als härtesten abzunehmen. Das mit Abstand längste Stück erklingt mit „The rich man“ aus der Feder von Robert Flynn, zusammen mit Corey Taylor (Slipknot), der eine beeindruckende Leistung seiner stimmlichen Qualitäten abliefert.

Überraschung, die zweite von Slipknots #1 ist der gelungene Rocker „No way out“, bei dem Tom Holkenberg alias Junkie XL für einige Samples sorgt und den Weg für „Baptized in the redemption“ ebnet. Gerade nach vorne und ohne Verschnaufpause prescht der Song voran, um an einer Akustikwand namens „Roads“ zu zerschellen. Der einzige Song, den Josh Silver (Type O Negative) beigesteuert hat, ist mit Sänger Mikael Akerfeldt (Opeth) eine wahre Wohltat nach dem ganzen Gebrülle, Gekreische und kompromisslosen Gedresche. Die „stillen Straßen“ kündigen auch den ruhigeren und auf frühere Jahrzehnte zielenden Teil der Scheibe an. „Blood & Flames“ könnte aus einem verschollenen Black-Sabbath-Fundus stammen und „Constitution down“ ebenfalls aus den späten Siebzigern.

Neben dem deutlich aus dem Rahmen fallenden „Roads“ gibt es mit „I don´t wanna be (a superhero)“ noch ein zweites Stück, das durch den punkigen Stil auffällt. „Army of the sun“ bewegt sich an der Grenze zu einem Midtempo-Metalsong und bei „No mas control“ mit Christian Machado (Ill Nino) im Schlepptau wartet man vergeblich auf einen lateinamerikanischen Rhythmus, der seine Band entscheidend prägt. Der Abschied von den „All Star Sessions“ ist mit „Enemy of the state“ wunderbar geglückt und könnte glatt als Roadrunner-Hymne durchgehen.

Ohne Zweifel, die vier Team Captains haben ihre Arbeit einwandfrei erledigt. Einziges Manko ist der gewöhnungsbedürftige Genremix, aber das war durchaus im Sinne von Monte Connor, seines Zeichens Chef von Roadrunner Records. Die beiliegende DVD ergänzt das Paket noch zusätzlich und gibt einen schönen Einblick in die Entstehung. Bei der einstündigen Dokumentation darf man den einzelnen Beteiligten über die Schulter gucken und beim Brainstorming und anschließenden Aufnahmeprozess dabei sein. Die „All Star Sessions“ sind eine ausgesprochen runde Sache, denn allein den Musikern in ungewohnten Konstellationen beizuwohnen, ist eine spannende Erfahrung, besonders wenn alle über dem Limit spielen und mitunter die beste Leistung ihrer Karriere abgeben.

Anspieltipps:

  • Roads
  • In The Fire
  • The Enemy
  • The Rich Man
  • Blood & Flames
  • Annihilation By The Hands Of God
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