Sofa Surfers - Sofa Surfers - Cover
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Sofa Surfers Sofa Surfers


  • Label: Klein Records/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Sie haben die Gemütlichkeit gepachtet. Nicht nur wegen ihres Bandnamens, sondern auch wegen dem Sound ihrer Platten. Und selbst wenn Wolfgang Schlögl, Markus Kienzl, Michael Holzgruber und Wolfgang Frisch auf dem Vorgänger „Encounters“ düster klangen und mit HipHop-Samples hantierten, das Quartett strahlt eine Aura aus, wie sie angenehmer und wärmer nicht sein könnte. Nach den Soloprojekten einiger Mitglieder (z.B. I-Wolf) und einer mehr als drei Jahre andauernden Bandpause haben sie es sich nicht nehmen lassen einen Schritt weiter zu gehen, neue Perspektiven zu erforschen und eine Cd aufzunehmen, die sie zwar schon lange machen wollten, aber doch nie zustande kam. „Der Wunsch zu einer Platte mit transparentem Band-Sound war schon immer da, aber bis jetzt sind wir immer an der Umsetzung gescheitert“ erklären die aus der Hauptstadt des Alpenlandes stammenden Surfer.

Wurde auf „Cargo“, „Encounters“ oder den anderen vorhergehenden Veröffentlichungen noch mit elektronischen Klängen, Loops und anderen technischen Bausätzen ein Track erschaffen, so ist das vorliegende selbstbetitelte Werk überraschend plastisch. Nichts kommt unerwartet, der Aufbau ist elegant, aber vorhersehbar, die expressionistischen Ausflüge heben erst gar nicht ab, sondern bleiben gleich am Boden. Was man bei den Wienern unter Neuanfang, auf den durch die Namensgebung des neuen Werkes hingedeutet wird, versteht ist verblüffend und ernüchternd zugleich. Die Instrumente (Gitarre, Bass, Schlagzeug) werden eingespielt, es ertönen nicht mehrere Stimmen, sondern nur die von Sänger, Tänzer und Choreograph Mani Obeya, der durch sein einfühlsames Timbre den Tracks eine Prise Soul verleiht und stellenweise an Roachford erinnert. Salopp könnte man meinen, die Sofa Surfers haben es sich auf deiner Couch bequem gemacht, den PC lassen sie abgedreht.

Dadurch erstrahlen solche wunderbaren Arrangements wie in „White Noise“, „Softly“ oder „Love As A Theory“, der große Knall oder ausgefallene Soundtüfteleien bleiben das ganze Album hindurch aber außen vor und werden vergebens erwartet. Man könnte fast meinen, dem Quartett sind Synthesizer, Keyboard und Samples überdrüssig geworden und sie wollen sich etwas bodenständigerem, greifbarerem zuwenden. Sollte das die Intention gewesen sein, ist sie ihnen ansatzweise anständig gelungen. Zu bemängeln ist lediglich, dass in einem Song auch nicht mehr als eine Idee zu Tage gefördert wird. Selten kommt es zum großen Finale wie in „Say Something“, das wiederum ein „Never Go Back“ dringend nötig gehabt hätte um mehr zu bewirken als zu langweilen, zumindest der Bass dröhnt solide.

Wo lässt sich das neue Oeuvre nun im Gesamtkunstwerk der Sofas einordnen? Um es kurz zu fassen: Nirgends! Der Vierer hat sich komplett neu erfunden, nur vereinzelt sind Anleihen oder Referenzen an die älteren Werke zu entdecken. Die Berg- und Talfahrt in sanfte, gemäßigte Kraut- bzw. Postrockgefilde kann man beinahe als die rote Phase (in Anlehnung an das Cover) der Surfer ansehen. Davor waren sie in einer dunkelblauen, düster anmutenden Atmosphäre und haben es sich bei unter 10° Zimmertemperatur auf der heimischen Couch bequem gemacht. 2005 fallen vereinzelt Sonnenstrahlen durch die Jalousien und die Heizung wird eingeschaltet. Dass sie sich nur nicht die Finger verbrennen.

Anspieltipps:

  • Softly
  • Good Day To Die
  • Love As A Theory
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