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Diverse SZ Diskothek: 1999


  • Label: Ministry Of Sound
  • Laufzeit: 79 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

1999 war wieder mal ein Scheißjahr für den einstigen King of Pop. Michael Jackson hatte immer noch keine neue Platte aufgenommen. Die Scheidung von seiner zweiten Frau Debbie Rowe lief und er hatte eine Klage von Konzertveranstalter Marcel Avram über 21 Millionen Dollar am Hals. Da vermittelte ihm eine Bekannte ein Treffen mit einem gewissen Rodney Jerkins, einem 22-jährigen Jüngling, der als Produzent einen Ruf wie Donnerhall genoss. Er sollte sein neues Album produzieren.

Auch Max Martin ist Produzent. Der 29-Jährige Schwede ist u.a. für den Erfolg der Backstreet Boys und Britney Spears verantwortlich und einer der höchstgehandelten Soundveredler der Branche. An Jerkins und Martin lässt sich am besten der Unterschied zwischen Produzenten der alten und der neuen Schule ausmachen. Die Kids kennen ihre Gesichter, sie sind Superstars mit eigenen Groupies und Managern. Natürlich gab es immer solche Super-Produzenten. Quincy Jones, Georgio Moroder, Phil Spector, George Martin, Andrew Loog Oldham, Tony Visconti, Sam Phillips. Doch der Produzent im Jahr 1999 ist eine postmoderne Figur. Er kann sich mühelos aus dem Archiv der Popgeschichte bedienen und das Material mittels Technik neu zusammensetzen. Dinge, an denen ein Brian Wilson in den Sechzigern noch verzweifelte, sind im digitalen Zeitalter ein Klacks. Für den Produzenten sind so bis zu 200.00 Dollar Verdienst drin – pro Song versteht sich.

Einige dieser Spitzenverdiener sind die Neptunes (Pharrell Williams und Chad Hugo) und Timbaland (Timothy Mosley). Ihre Tracks sind unverkennbar. Die Szene reißt sich um sie. In den Folgejahren werden ihre Künste von Acts wie Britney Spears, Justin Timberlake, Beyoncé, Gwen Stefani, Snoop Dogg, Marilyn Manson, U2 und Michael Jackson geordert. Genützt hat es dem Ex-King genauso wenig wie das Engagement von Rodney Jerkins nichts. Sein Album „Invincible“ wird künstlerisch und kommerziell zum Vollflop. Merke: Wunder können selbst Produzenten nicht vollbringen.

1999 ist auch das Jahr der Sonnenfinsternis in Europa. Am 11. August wird es um 12.37 Uhr für zwei Minuten dunkel. Im Kino startet die Matrix-Trilogie, das deutsche Parlament zieht von Bonn nach Berlin um, Oskar Lafontaine tritt als Finanzminister zurück, Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl muss zugeben, jahrelang illegale Parteispenden erhalten zu haben und auf dem Balkan rücken Nato-Truppen ein, darunter auch deutsche Verbände. Boris Becker spielt das letzte Mal in Wimbledon und Steffi Graf verabschiedet sich mit einem Sieg der French Open in Paris. Ein gewisser Robbie Williams veröffentlicht dagegen sein zweites Soloalbum. Das SZ-Fundstück geht darauf mit einem Interview aus dem Stern vom 12. August 1999 ein. Einen Williams-Song suchen wir auf der CD allerdings vergebens.

Dafür gibt es Songs von den Flaming Lips („Race for the prize“), Echt („Du trägst keine Liebe in dir“), TLC („No scrubs“), Moby („Why does my heart feel so bad?“), Blumfeld („The lord of song“), Wilco („Summer teeth“), Gomez („We haven’t turned around”) und Fatboy Slim („Praise you”).

Anspieltipps:

  • Kelis – Caught out there
  • Die Fantastischen Vier - MfG
  • Mecury Rev – Goddess on a highway
  • Bloodhound Gang – The ballad of Chasey Lain
  • Tom Jones & The Cardigans – Burning down the house
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